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Techniktips Bremsen |
1.1 Handkraft
1.2 Hebelübersetzung
1.3 Reibung im Zug
1.4 Reibfaktor
1.5 Reifenhaftung
1.6 Dosierbarkeit
1.7 Wohin mit der Wärme?
2.1 Bremsgriffe
2.1.1 Rennlenker
2.1.2 Mountainbike Lenker
2.2 Seilzugbremsen
2.2.1 Seitenzugbremsen
2.2.2 Cantileverbremsen
2.2.3 U-Brakes
2.2.4 V-Brakes
2.2.5 Arai Trommelbremsen
2.2.6 Resumeé mit Seilzugbremsen
2.3 Hydraulik
2.3.1 Magura Felgenbremsen
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Bremsen verwandeln kinetische Energie mit Hilfe von Reibung in Wärme.
Reibung = µ * Normalkraft.
µ ist der Reibungskoeffizient und hängt vom Material von Felge und Bremsgummi ab.
Normalkraft ist die Kraft, mit der das Bremsgummi auf die Felge gedrückt wird.
Hier sind ein paar wichtige Punkte, die die Bremsleistung beeinflussen.
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Was wäre jetzt ein vernünftiges Ziel?
Bezüglich Elastizität hat das nach meiner Erfahrung weit überlegene System Hydraulik und kommt von Magura. Hinten liegen die Seilzugbremsen hoffnungslos abgeschlagen. Unser Listenmitglied Andreas Hein hat dazu eine sehr interessante Rechnung mit erschreckendem Ergebnis aufgestellt.
Vorne ziehen gut eingestellte Seilzugbremsen mit Magura gleich, doch man muß weiter denken.
Die Hebelübersetzung findet in zwei Stufen statt:
Je kleiner die Übersetzung im Hebel, desto größer ist der Zugweg und desto kleiner ist die Kraft, die von dem Seilzug übertragen werden muß. Der Seilzug preßt sich in jeder Krümmung gegen den Außenzug. Das heißt, mit steigender Seilzugkraft steigt auch die Reibkraft. Außerdem wird der Seilzug in die Länge gezogen und der Außenzug gestaucht. Auch das ist von der Seilzugkraft abhängig. Hier liegt ein Systemvorteil von Cantis und vor allen Dingen von V-Brakes. Doch der Bremshebel muß auch für diese Bremsen gemacht sein! Wenn der Zugweg mit Hilfe einer Zwischenübersetzung kurz vor der Bremse nocheinmal übersetzt wird, nutzt es weniger, als wenn diese Zwischenübersetzung direkt hinter dem Bremshebel sitzt.
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Auch in dieser Beziehung ist Hydraulik vorne. Die Reibung ist nur als Strömungsverlust spürbar. Sobald kein Öl mehr fließt oder die Ölgeschwindigkeit gegen Null geht, sprich das Bremsgummi an der Felge angekommen ist, geht die Reibung auch gegen Null. Der Druck wird hydrostatisch übertragen.
Es gibt Seilzugbremsen, die versuchen, diesen Nachteil durch einen sich selbst verstärkenden Mechanismus aufzuholen. Zum Beispiel die Petersen SE oder Bremsgummis, die aus zwei Keilen bestehen und sich selbst verklemmen. Diese Bemühungen sind bezüglich Bremswirkung von Erfolg gekrönt. Doch die Dosierbarkeit leidet darunter und es wurde schon von Fällen berichtet, in denen selbstverstärkend zu selbstblockiernd mutiert ist und die Bremse die Cantisockel abgerissen hat (waren natürlich schlecht angelötet! Oder?). Es gibt Leute, die meinen, das sei letztendlich auch der Grund warum diese Bremsen vom Markt verschwunden sind. Die Ersatzteilversorgung dürfte mit der Verbreitung korrelieren.
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Mit einer Mavicfelge mit Keramikbeschichtung lassen sich trocken 8,12 m/sec² und naß 5,45 m/sec² erreichen. Das ist doch gar nicht schlecht oder? In der Tat, das ist wesentlich mehr, als die meisten harteloxierten Felgen hergeben.
Mit einer Alesa ohne Eloxierung und ohne Beschichtung sind es 9,26 m/sec² beziehungsweise 6,7 m/sec²! (gemessen nach DIN 79100)
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Rennbremsgriffe für Seilzugbremsen erfordern mehr Gedanken. Normale Rennbremsgriffe ziehen etwas mehr als einen Zentimeter Kabel ein und eignen sich mehr oder weniger nur für Rennbremsen. Speziell für Tandems gibt es Rennbremsgriffe (z.B. Diacompe), die mehr Kabel einziehen. Mit denen lassen sich auch Cantis gut bedienen (vorne praktisch, hinten leider nur theoretisch). Ein Rennbremsgriff, der genug Kabel einzieht um V-Brakes zu betätigen ist mir nicht bekannt.
Wenn möglich, sollte der Bremshebel genau soviel Kabel einziehen, wie es für die gewählte Bremse nötig ist. Es gibt diverse Zulieferteile, die den Kabeleinzug von Bremshebeln vergrößern können. Diese Teile werden irgendwo zwischen Bremse und Bremshebel montiert. Sie sind eine Behelfslösung, wenn der Zugweg von Bremshebel und Bremse nicht zusammen paßt. In der Regel werden sie benutzt, um den Zugweg zu vergrößern. Sie sollten möglichst nahe am Bremsgriff montiert werden. Sie bringen weniger, wenn sie nach viel Reibungs- und Dehnungsverlusten direkt vor der Bremse montiert werden. Wenn der Zugweg des Bremshebels zu groß ist, sind diese Zugwegumsetzer die ideale Besetzung. Dann sollten sie kurz vor der Bremse montiert werden, um erst auf den letzten Zentimetern von viel Weg auf viel Kraft umzusetzen.
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Die leistungsfähigere Alternative ist auch hier die Hydraulik. Für MTB-Lenker gibt es Magurahebel in verschiedenen Varianten für Felgen- und Scheibenbremsen. Von Wendler gibt es Hebel für Hydraulik-V-Brakes ...
Für Seilzugbremsen wie Cantis und V-Brakes findet sich leicht der passende Bremsgriff. Doch auch mit richtigen MTB-Bremsgriffen sind viele Tandemfahrer mit der Bremsleistung seilzugbetätigter Hinterradbremsen unzufrieden.
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Da es vorne so gut klappte, habe ich lange nach Verbesserungen für hinten gesucht. Leider erfolglos. Doch selbstverstärkende Bremsen sollen Abhilfe schaffen. Langzeiterfahrungen an Tandems liegen noch nicht vor und bei Solos sollen solche Bremsen schon Cantisockel abgerissen haben (natürlich schlecht angelötete?!?). Also, mir fallen da Probleme noch und n^cher ein und ich mag mir nicht beim Bremsgummi und Felgenkauf überlegen, ob der Reibwert nicht zu groß wird und Selbstblockade droht. Wer mag, soll Testfahrer spielen, für ein Produkt, daß es auf dem Markt praktisch nicht mehr gibt.
Der Drehpunkt der Cantis, wie auch der V-Brakes hat auch einen Nachteil. Wenn die Bremsgummis verschleißen, wandern sie nach unten über die Felgenkannte. Die Bremsgummis müssen deshalb regelmäß neu eingestellt werden.
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U-Brakes wurden meist hinten verbaut. Sie taugen etwas weniger als Cantis. Bei Solos ist das nicht so schlimm, weil man dort hinten sowieso nur sehr wenig bremsen kann. Im Gegensatz zu Cantis wandert das Bremsgummi bei Verschleiß zum Reifen. Doch der Effekt ist nicht so stark, da der Drehpunkt weiter innen liegt. Das Problem ist, daß sie einen eigenen Anlötsockel haben. Doch Michael Martin hat einen Weg gefunden, Maguras auf diesen Sockeln zu befestigen.
Man mufl das Langloch des Evolutionadapters von Magura auffräsen, und zwar von 8 mm auf 9 mm. Zusätzlich mufl es auch 1 mm länger gefräst werden. Der Rest sollte noch gut halten. Der Brake Booster der U-Brake läßt sich auch für die Maguras weiterverwenden. Langstreckenerfahrung hat Michael damit noch nicht gemacht. Doch von der Bremswirkung der neuen Maguras ist er begeistert.
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Vorne habe ich es nicht probiert. Die Bremse vorne funktionierte schon mit den Sachs Cantis überzeugend. Hinten habe ich V-Brakes probiert. Die Bremswirkung war enttäuschend. Es bringt mehr, den Fuß auf der Straße schleifen zu lassen! Jedenfalls mit den Diacompe Tandembremsgriffen und Maxx Cycles V-Brakes. Wahrscheinlich liegt es daran, daß das Bremsgummi weiter von der Strebe weg montiert wird, als bei den Sachs New Success Cantis. Der Hinterbau wird aufgebogen und der Bremshebel schlägt am Lenker an, lange bevor die Bremsgummis mit der erforderlichen Kraft auf die Felge drücken. Ein einfacher Brakebooster brachte kaum Verbesserung.
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Im Gegensatz zu Felgenbremsen müssen Trommelbremsen auch Drehmoment von der Nabe auf den Reifen übertragen. Das gilt natürlich auch für Scheibenbremsen. Die Speichen werden dadurch stärker belastet. Das gleiche gilt f,r die Nippellöcher in den Felgen.
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Hydraulik hat prinzipielle Vorteile. Die Reibung fällt weg. Sie ist nur noch als Strömungsverlust bemerkbar. Sobald der Druckpunkt erreicht ist, fließt fast kein Öl mehr. Der Druck wird hydrostatisch übertragen. Dadurch kann die Ölleitung so oft gekurvt werden, wie man mag. Wenn sie lang genug ist, kann man sie auch spiralförmig um das Oberrohr wickeln.
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Auch für Maguras sind Brakebooster unbedingt zu empfehlen. Wenn sie richtig ausgelegt sind, wird damit die hintere Bremse fast so steif wie die vordere. Sie kann im Zweifelsfall locker das Hinterrad blockieren und ist trotzdem sehr gut dosierbar. Eine Zeichnung von selbstgemachten Brakeboostern für die Magura ist im Kapitel Brakebooster. Der einzige theoretische Nachteil der Magurabremsen ist die Ersatzteilversorgung unterwegs. Doch viele Magurafahrer bestätigen, daß sie noch nie etwas an den Bremsen reparieren mußten, und durch den Mountainbike Boom steigt ihre Verbreitung. Bei den Manufakturrädern gehören sie inzwischen auch zum Standard. Und was hindert mich, unterwegs als Notreparatur in Katlaydu eine preiswerte Cantibremse zu montieren?
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Dagegen kann man mit einem Brakebooster effektiv etwas tun. Dadurch lassen sich die maximalen Bremskräfte vergrößern. Das bedeutet nicht, daß die Betätigungskräfte sinken. Nur hat man die Chance, große Kräfte überhaupt aufzubringen, bevor der Bremshebel am Lenker anschlägt.
Oberstes Ziel für Brakebooster ist es also, die Bremse steif zu machen. Das Einzige was da wirklich hilft, ist viel Material. Es macht nicht einmal einen Unterschied, ob man Stahl oder Alu nimmt. Die Steifigkeit von Stahl ist etwa 3x so groß, wie die von Alu, das spezifische Gewicht auch. Carbon bringt höchstens etwas, wenn es richtig fett wird. (Steifigkeit ist etwas anderes als Festigkeit. Wenn Du nachschauen willst, vergleiche den E-Modul der verschiedenen Werkstoffe; nicht die Zugfestigkeit oder die 0,2% Dehngrenze oder ...) Mit diesem Wissen kannst Du Dein Huf-Alu getrost selber entwerfen und mit der Stichsäge aussägen. Die Vorlage für ein Magura Huf-Alu, die Du hier findest, ist steifer und schwerer, als alles, was ich je im Laden gefunden habe. Mit diesem Huf-Alu aus 5 mm Alublech ist meine Hinterradbremse fast so steif, wie die Vorderradbremse.
Wenn jemand noch Erfahrungen mit anderen Bremssystemen beisteuern kann, ergänze ich gerne das eine oder andere Kapitel. Ich habe weder Erfahrungen mit MTB-Lenkern noch mit Scheibenbremsen. Seine Erfahrungen mit Scheibenbremsen hat Andreas Doll auf eine konkreten Anfrage von Thomas beschrieben. Sie sind schwerer, dafür weit weg vom Dreck und kokeln keine Löcher in den Schlauch.
Letzte Änderung: 1.5.00