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Naben |
(Reparaturanleitung von Jörg Buchholz)
Bei dieser Nabe handelt es sich um eine Kassettennabe für 7 fach PowerFlo-Suntour-Kassetten.
Dabei taucht meistens als erstes die Frage auf: Kann ich die Ritzel mit einer Shimano-Schaltung ansteuern?
Klare Antwort: Ja.
Es ist allerdings zu beachten, daß die Suntour-Ritzel etwas höhere Schaltkräfte erfordern. Daher sollte möglichst ein Schaltwerk mit starker Führungsfeder (Originalbezeichnung Shimano), wie sie bis 1994 gebaut wurden, verwendet werden. Mit einer DX-Schaltung liegt man immer richtig.
Sollte jemand ein neues Schaltwerk verwenden wollen, empfehle ich Shimano XT. An meinem Einzelrad ließ sich die Kombination LX-Schaltwerk Suntourritzel nicht zum zuverläßigen Schalten bringen. Mit einem XT läufts - wobei ich nicht ausschließen möchte, daß es auch mit den Schaltungen der unteren Gruppen funktioniert.
Mit Sachs-Schaltungen habe ich leider keine Erfahrungen.
Als Bindeglied zwischen Schaltung und Ritzel erzielt man mit den recht haltbaren Sachs-Ketten gute Ergebnisse. Die besten Ergebnisse habe ich mit der Sedis-Silber erzielt.
Klemmbreite: 140 mm
Speichenlöcher: 40 für 2,34 mm Speichen
Freilauf: Konusgelagerter Freilauf mit 2 Sperrklinken
Zahnkranzkassetten: Suntour 7 fach Standard PowerFlo.
Abstufung: 12/14/16/18/21/24/30
Lager: Links Rillenkugellager der Größe/Bauart 6001.
Rechts Konuslager
Achse: Hohlachse mit Schnellspanner
Kettenlinie: ca. 47,5 mm
Gewinde für Trommelbremse

1. Ritzel entfernen.
Das letzte Ritzel ist ein Schraubritzel, daher werden 2 Zahnkranzabnehmer
benötigt. Mit dem einem wird die Zahnkranzkassette festgehalten und
mit dem anderen das Schraubritzel gelöst (Rechtsgewinde). Dieses läßt
sich dann von Hand abdrehen, und die ganze Kasette kann abgenommen werden.
Werkzeug: 2 Zahnkranzabnehmer (zahnab.gif)
2. Linke Anschlagmutter lösen.
Dabei mit einem Konusschlüssel am Lagersitz gegenhalten.
Werkzeug: 17 mm Maulschlüssel (Anschlagmutter), 13 mm Konusschlüssel (Lagersitz)
3. Distanzhülse und rechte Kontermutter entfernen.
Mit der Kontermutter wie mit der Anschlagmutter verfahren.
Werkzeug: 17 mm Maulschlüssel (Kontermutter), 13 mm Konusschlüssel (Lagersitz)
4. Die Achse mit der linken Kontermutter, dem Stellkonus und der "halben"
Labyrinthdichtung nach rechts aus der Nabe ziehen.
Vorsicht: keine Kugeln verlieren. Soll der Stellkonus entfernt werden,
ist hierfür ein 15mm Konusschlüssel notwendig.
Werkzeug: Maulschlüssel 17 mm (Kontermutter), Konusschlüssel 15 mm (Stellkonus)
5. Kugeln entfernen und die zweite Hälfte der Labyrinthdichtung aus dem Freilaufkörper hebeln.
Werkzeug: Schraubendreher
6. Es ist jetzt der Stellkonus des Freilaufes sichtbar. Dieser hat zwei Nuten, in die ein Leerlaufzahnkranzabnehmer (sieht aus wie eine große Mutter mit 2 Zapfen) paßt. Den Abnehmer mit einem Schnellspanner gegen Abrutschen sichern und den Stellkonus lösen (Achtung: Linksgewinde). Nur lösen, der Freilauf läßt sich besser am Küchen- oder Wohnzimmertisch zerlegen.
Werkzeug: Leerlaufzahnkranzabnehmer, es paßt z.B das Shimano-Werkzeug TL-FH40, 24 mm Maulschlüssel, Schnellspanner
7. Nun von Links einen 10 mm Inbusschlüssel in die Nabe stecken, und die Befestigungsschraube für den Freilauf lösen und herausdrehen. Nun können der Freilauf und das Abdeckblech abgenommen werden, und man kann es sich am Küchentisch gemütlich machen.
Werkzeug: 10 mm Inbus. Entweder ein langer mit T-Griff, oder es muß die lange Seite der L-förmigen Schlüssel verwendet werden. Dann braucht man noch ein Stück Rohr als Hebelverlängerung.
8. Den Freilauf am besten in eine niedrige Schale stellen, ich verwende immer meine überflüssigen Aschenbecher, und den Stellkonus herausdrehen (Linksgewinde). Die Kugeln, die man eventuell verlieren würde, finden sich in der Schale wieder.
Werkzeug: Leerlaufzahnkranzabnehmer
9. Jetzt können der Freilaufkörper nach oben abgezogen, die Sperrklinkenfeder (sieht aus wie ein Stück Schlüsselring) und die Sperrklinken entfernt werden.
Werkzeug: kleiner Schraubendreher (Sperrklinkenfeder)
10. Von der rechten Nabenseite aus kann das linke Lager vorsichtig
ausgetrieben werden.
Werkzeug: Schraubendreher oder Austreiber und Hammer
So, nun liegt also alles vor einem oder ist in Keller und Küche
verstreut.
Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Wo Fett hin muß,
und keins hin darf, steht im nächsten Punkt.
Da der Freilauf nicht gedichtet ist, empfiehlt sich hier eine vorbeugende Wartung. Hierzu den Freilauf entfernen (Arbeitsschritte 1 - 7), wobei der Stellkonus nicht gelöst wird (Schritt 6) und die Labyrinthdichtung auch im Freilauf verbleiben kann. Das Abnehmen der Zahnkranzkassette ist ebenfalls nicht notwendig, erleichtert aber das Arbeiten.
Nach Entfernen des Freilaufes die Spalten zwischen innerem und äußerem Freilaufkörper mit Fett verschließen. Dies geht am besten mit einer kleinen Fettpresse, wie sie für Grease-Guard-Systeme verwendet wird. Anschließend das Abdeckblech noch mit Fett befüllen und den Freilauf wieder anschrauben. Das Konuslager gut fetten und die Labyrinthdichtung ebenfalls mit Fett befüllen.
So, nun haben Wasser und Dreck erst einmal keinen Zugang mehr zum Inneren der Nabe.
Außer einer gelegentlichen Kontrolle auf Lagerspiel und einem Fettwechsel an den beschriebenen Stellen ist keine Wartung notwendig.
Ein Freilauf mit zu geringem Spiel wird normalerweise nicht ausgeliefert.
Die beiden Lagersitze fetten und den Freilauf wieder zusammenschrauben. Auch wenn die Versuchung groß ist, die Sperrklinken nicht fetten. Der Bereich zwischen den beiden Lagern darf allenfalls mit einer dünnen Fettschicht (wie eincremen) überzogen werden. Sollten die Sitze der Sperrklinken trocken sein, etwas dickes ôl hineinträufeln.
Nach dem Zusammenbau das Spiel kontrollieren. Wie oben beschrieben ist ein wenig Spiel hier völlig normal, der Freilauf darf nicht schwer laufen oder gar klemmen.
Also wieder Ausbauen und so einstellen, daß ein geringes Spiel vorhanden ist. Die letzte Feineinstellung erfolgt sozusagen mittels des Schnellspanners.
Folgende Vorgehensweise: Rad einbauen und Schnellspanner schließen. Am Laufrad ruckeln, um zu prüfen, ob noch Spiel vorhanden ist. Wenn ja, den Schnellspanner lösen und die Mutter des Schnellspanners etwas weiter auf die Achse drehen. Nun wieder den Schnellspanner schließen und das Lagerspiel überprüfen.
Ist kein Spiel spürbar, muß auf freien Lauf geprüft werden. Hierfür das Laufrad etwas in Drehung versetzen. Nach dem Auslaufen sollte es etwas zurückpendeln. Dies kommt daher, daß Fahrradräder normalerweise nicht ausgewuchtet sind und somit am Ventil und am Felgenstoß eine Unwucht aufweisen.
Sollte das Laufrad nicht frei drehen, die Mutter des Schnellspanners etwas lösen. Vorsicht, darauf achten, daß der Schnellspanner nicht zu lose ist (insbesondere wenn keine vertikalen Ausfallenden vorhanden sind).
Das ganze hört sich ein bißchen wie ein Lotteriespiel an, und das ist es auch. Besonders das Kontern von Lagersitz und Stellkonus ist etwas Glückssache. Hat man aber erst einmal den Bereich gefunden, der über den Schnellspanner einzustellen ist, kommt man recht schnell ans Ziel, und das Nachstellen ist dann auch einfach.
Der Bereich zwischen fest, spielfrei und lose beträgt etwa eine Umdrehung der Schnellspannermutter.
Das Rillenkugellager läßt sich am günstigsten über den Autozubehör-Ersatzteilhandel bekommen (Für ein Lager der Vorderradnabe habe ich 1997 in der Ausführung 6001.2RSR, beidseitig gedichtet, 13,25 DM bezahlt).
Nach dem Entfernen der Achse (Schritt 1 - 4) kann das Lager ausgetrieben werden (Schritt 10). Das neue Lager von außen leicht einfetten und in den gesäuberten Lagersitz eintreiben. Geeignet sind hierfür ein Stück Holz und ein Hammer. Immer auf den äußeren Ring des Lagers schlagen.
Bleiben noch ein Achsbruch und der Freilauf.
Bei der Achse hilft wohl nur eine neue Achse. Eventuell tut's ja eine für eine Nabe mit 135 mm Klemmbreite, diese müßte fast überall zu bekommen sein.
Bei Suntour-Freiläufen sieht die Versorgung schon schlechter aus. Ist die Klinkenfeder oder eine Klinke gebrochen, kann mit Teilen von Shimano-Freiläufen experimentiert werden. Der Aufbau und die Funktion ist identisch, die Klinken sind etwas schmaler. Ansonsten bleibt noch die Möglichkeit, einen Schraubkranz auf das Gewinde für die Trommelbremse zu schrauben und das Laufrad umzudrehen.
Ansonsten habe ich die Anleitung nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben.
Wir fahren die Naben seit 1994 problemlos über Straße, Feld-
und Waldweg, wobei ich beide Naben zur vorbeugenden Wartung und aus Neugierde
schon komplett zerlegt hatte. Und da ich noch für ca. 50.000 km Zahnkranzkasetten
unterm Schreibtisch liegen habe, und sie unheimlich schick finde, werde
ich sie auch am "Leben" erhalten.

Letzte Änderung: 1999-06-11, Martin Trautmann <traut@gmx.de>