|
Bier, Pommes und Eddy Merckx (Tandemtour durch Belgien)
|
Mailingliste |
FAQ |
Kleinanzeigen |
Händler |
Verleih |
Technik |
Termine |
Touren |
Tratsch
Ich weiss nicht, ob ich im Frühjahr zuviele belgische Rennrad-Klassiker gesehen habe oder wir
zuviel Gutes über das belgische Bier und die belgischen Pommes gehört hatten, jedenfalls starteten
wir 2002 zu einem Tandemurlaub in Belgien.
Los ging es in Herzogenrath, wo uns die Regionalbahn abgesetzt hatte. Dort kommt es vor, dass die
eine Straßenseite deutsch ist und die andere niederländisch. Entsprechend unterschiedlich sind die
Wegweisungskonzepte für Radfahrer.
Nach einigem Hin und Her fanden wir dann aber einen Weg nach oben zum Dreiländereck und somit auch
Belgien.
Die erste Etappe führte uns zu einem Campingplatz in der Nähe der Barrage de la Gileppe wo wir im
Wald ein Plätzchen für unser Zelt fanden.
Am anderen Morgen ging es dann bei leichtem Nieselregen weiter, mittags ging das Wetter dann in
typisches belgisches Rennrad-Klassiker-Wetter über, so dass dann doch die Regenhosen hervorgezaubert
werden mussten. Auch die Temperaturen gingen, entgegen der aufwärts weisenden Straße, in den
Keller.
Zum ersten Mal in unser 9jährigen Radreisekarriere betraten wir dann mittags, ziemlich
durchgefroren, ein Restaurant. Es war interessant, die dicken Tropfen von unseren Regenklamotten
bildeten keine Pfütze, sondern das Wasser wurde augenblicklich von dem rauhen Holzboden aufgesogen.
Nein, es war keine Spelunke, sondern mindestens ein Mittelklassehotel, gelegen in Hokai.
Auf dem Weg von Hokai nach Coo trafen wir dann auf eine weitere belgische Besonderheit. Man sieht
dort immer wieder jugendliche Pfadfinder durch die Gegend wandern. In Coo angekommen schaute dann
auch die Sonne zwischen den Wolken hervor und alle Klamotten wurden wieder trocken.
Am nächsten Tag machten wir eine Runde ohne Gepäck. Es ging zunächst zum Eddy Merckx Denkmal, auf
das trift man, wenn man von Stavelot nach Henumont hochfährt. Unsere Runde führte uns dann über
Vielsam, Braunlauf und Recht wieder nach Stavelot. Beladen mit den Tageseinkäufen wählten wir für
den Weg zurück nach Coo nicht die Hauptstraße sondern eine klitzekleine Nebenstraße. Dies brachte
uns nach einer üblen Abfahrt mit viel Bremsen dann einen lauten Knall mit einem geplatzten
Hinterreifen ein. Zu allem Übel fing es prompt auch noch an zu regnen. Unter eine Veranda fanden
wir erstmal Schutz und es gesellte sich ein belgischer Rennradler zu uns. Bei der Schilderung
unsere Tagestour wurden seine Augen immer größer und er zollte uns viel Respekt.
In einem absolut unfreundlichen Fahrradladen erstanden wir dann einen absolut minderwertigen
Ersatzmantel (28*37 max. 4,5 bar). Wieder auf dem Campingplatz wurde der dann gegen unseren
Faltmantel gewechselt und es ging zum Aufpumpen zu dem absolut freundlichen MTB-Verleih. Seltsam,
die Leute, die an einem was verdienen können, behandeln einen total unfreundlich und geben einem das
Gefühl, dass man lästig ist, und andere sind einfach ohne Eigennutz hilfsbereit und freundlich.
Das Übliche nach einem Tag im Regen. |
Eigentlich bin ich nur wegen dem Eddy Merckx Denkmal nach Belgien gefahren, und natürlich wegen dem Bier :-) |
Nach einem Reifenplatzer reiste ein zusätzlicher Reifen auf dem Anhänger mit. |
Die nächste Etappe führte uns dann nach Hogne, in der Nähe von Marche-en-Famenne. Teilweise mussten
wir an relativ großen Straßen fahren und es offenbarten sich zwei weitere belgische Besonderheiten.
Zum einen ist es auf den kleinen Straßen total einsam und auf den größeren ist sehr viel Verkehr.
Derart krasse Unterschiede habe ich noch in keinem anderen Land gesehen. Zum anderen ist die
Lebensmittelladendichte sehr gering. Von Hogne mussten wir erst noch 10 km bis Marche-en-Famenne
zum Supermarkt. Dort fanden wir auch einen Radladen, der nach vielem Suchen und Bitten einen
geeigneten Ersatzreifen (28*32. max 7,5 bar) für uns fand. Freundlicherweise versorgte er uns auch
mit Bargeld. Weitere belgische Besonderheit, internationale Geldautomaten haben Seltenheitswert.
Weiter ging es nach Ave-et-Auffe, wo wir zwei Tage blieben, ein wenig in der Gegend rumradelten und
die Grotte de Lorette in Rochefort besuchten. Morgens wachten wir dort immer mehr oder weniger in
einer Wolke auf, aber nach einem kurzen Anstieg in Richtung Norden war das Wetter jeweils deutlich
besser.
Als nächstes Ziel war Mariembourg geplant, wo es eine Brauereibesichtigung geben sollte. Der Weg
dorthin bescherte uns aber zunächst eine der schönsten Abfahrten die ich je erlebt habe, die Straße
vom belgischen Dion runter ins französische Fromelennes.
Wenn man den französischen Zipfel über Givet durchquert hat, kann man kurz hinter der belgischen
Grenze auf einen Radweg nach Mariembourg einbiegen. Der Weg bietet auf ca. 20 km feinsten Asphalt
und viele Rennradler. Er ist auf einer alten Bahntrasse angelegt und sogar in der Michelinkarte
verzeichnet.
In Mariembourg war dann leider der eine Campingplatz nur für Postangestellte zugänglich und auf dem
anderen gab es nur Kiesplätze und kein einziges Stückchen Wiese. Zu allem Überfluss erwies sich,
die im Reiseführer angekündigte Brauereibesichtigung auch nur als Brasserie in der zwei
Kupferkessel stehen. Also machten wir uns auf nach Olloy-sur-Viroin.
Dort geht es zum Campingplatz heftigsts steil hoch. Für uns mit Campinggepäck keine Chance das Ziel
fahrend zu erreichen. Oben wird man dann aber dafür allerfreundlichst empfangen und so
entschlossen wir uns zu zwei Übernachtungen.
Am nächsten Tag besuchten wir zunächst die Grottes de Neptune und testeten dann den ebenfalls in
der Michelinkarte verzeichneten Radweg von Olloy-sur-Viroin nach Oignes-en-Thierache in beide
Richtungen. Ohne Gepäck schafften wir auch den Anstieg zum Campingplatz.
Weiter ging es nach Fumay (Frankreich), wobei es ab Oignes-en-Thierache eine 8 km lange Abfahrt
gibt, auf der wir vorsorglich eine Felgenkühlpause einlegten. Ein geplatzter Reifen genügt im Urlaub.
Nach einem Anstieg von 8 km (1 Stunde Fahrzeit) steht man dann am Croix-Gilett. Über Linchamps
erreichten wir dann zunächst das Semois Tal, anschließend wieder belgischen Boden und auch unser
Etappenziel Bohan. Das Semois-Tal ist sehr schön und bietet auch auf den etwas größeren Straßen
noch angenehme Verkehrsverhältnisse.
Typischer belgischer Fleicher, drinnen war wir aber nie. |
Abstieg in eine Grotte. Drinnen wird viel Kitsch geboten. |
Campingplatz an der Semois. Sehr idyllisch, sehr preiswert, sehr nette Leute. |
Es ging nun, mit ständigen Aufstiegen und Abfahrten, weiter an der Semois entlang. Etwas nervig war
der Touristenort Bouillon, dort gab es aber den einzigsten internationalen Bankautomaten den wir in
Belgien gesehen haben. Auf dem Anstieg hinaus aus Bouillon hielt dann doch tatsächlich ein
Autofahrer um uns zu fotografieren; was man nicht alles mitmacht.
Wir folgten der Semois bis nach Cugnon, wo wir mal wieder einen Ruhetag einlegten. Dort gibt es
übrigens einen sehr netten kleinen Campingplatz, es ist der, der nicht in den Verzeichnissen
aufgeführt ist. Die nette Dame dort hat sogar zwei Standpumpen in ihrem Büro und bot uns als
Schmankerl noch ein nächtliches Gewitter, was in dem Tal unheimlich hallt.
Wir verließen nun das Semois-Tal und fuhren, am belgischen Nationaltag, nach Amberloupe an der
Ourthe. Die Ourthe ist wohl auch dafür verantwortlich, dass die Wiese auf dem Campingplatz dort immer
so quatschende Geräuche beim Laufen von sich gibt. Der belgische Nationaltag ist schon ziemlich
seltsam, wir sahen unterwegs praktisch niemanden, es war wie ausgestorben.
Unspektakulär ging es dann nach Troisvierges in Luxembourg und nach einer Nacht wieder raus aus
Luxembourg. Diesmal, das erste Mal in unser Radfahrkarriere, eine Abfahrt runterschiebend. Die
Straße von Weiswampach nach Ouren ist zwar ganz gut geteert und auch übersichtlich, sie bietet aber
keinerlei Auslaufzone und endet, ohne jede Einsehmöglichkeit, auf einer Querstraße. Da fehlte mir
dann doch Mut und Willen. Hatte ich schon erwähnt, dass ein geplatzter Reifen im Urlaub reicht?
Öffentliche Kunstausstellung in Vresse sur Semois. |
Tandem und Ausrüstung sind gleich geblieben. Alle Reifen halten und der Ersatzreifen fährt auf dem Anhänger der Entsorgung entgegen. |
Heute gibt es Pommes, serviert im praktischen Holzständer. |
Durch oder über die Venn-Eifel ging es nun recht geradlinig nach Robertville. Dort gibt es einen
schönen terassenförmig angelegten Campingplatz, wo wir es uns nochmal zwei Tage gemütlich machten.
Abends ging es dort in der "Campingkneipe" so zu wie ich mir eine Skihütte vorstelle. In der Mitte
loderte ein offener Kamin und die Leute saßen drumherum und wärmten sich die Füße. Wir trafen dort
auch zum ersten Mal eine größere Anzahl von Reiseradlern. Alles Niederländer, anscheinend gibt es
für die Nord-Süd-Querung von Belgien einige niederländische Radreiseführer.
Von dort erreichten wir in Küchelscheid erstmals wieder deutschen Boden, um sogleich aber wieder in
den belgischen Teil des Hohen Venns abzubiegen. Vorbei an der Barrage de la Vesdre ging es zur
letzten Nacht in Belgien (Gemmenich).
Endlose Wege im Naturschutzgebiet "Hohes Venn". |
Das Dreiländereck bei Aachen darf natürlich nicht fehlen. |
Teilweise sind die kleinen Straßen in Belgien in einem sehr schlechten Zustand :-( |
Wieder über das Dreiländereck stiegen wir dann in Herzogenrath wieder in die Regionalbahn.
Fazit: Zum Eddy Merckx Denkmal hoch, und nicht nur dort, ist es teilweise sehr steil. Das Bier ist
super und leider hier nicht erhältlich. Die Pommes waren enttäuschend.
Wie stand es immer auf unseren Urlaubskarten:
- Der Belgier an sich füllt sein Bier in Champagnerflaschen.
- Der Belgier an sich trinkt sein Bier gerne aus Cognacschwenkern.
- Der Belgier an sich fährt gerne schnell Auto.
- Der Belgier an sich fährt gerne Rennrad.
- Der Belgier an sich isst gerne Waffeln.
- Der Belgier an sich hat auf dem Campingplatz kein Klopapier.
- Der Belgier an sich ........... :-)
Mailingliste |
FAQ |
Kleinanzeigen |
Händler |
Verleih |
Technik |
Termine |
Touren |
Tratsch
Jörg Buchholz
Letzte Änderung: 2005-08-18