Mit dem Tandem auf Fyn, Aero und Langeland

Die Bahn

Die Anreise bis Kiel hatten wir mit der Bahn geplant. Da im Computer der DB kein durchgehender Zug mit Gepäckwagen nach Kiel eingetragen ist, bedurfte es erst einiger Überzeugungsarbeit und Hinweise auf die aushängenden Fahrpläne, daß eventuell doch ein solcher Zug fährt. Und tatsächlich - er fuhr, einer am Tag, um 2:45 nachts. Dafür kommt man ja auch mit dem entsprechenden Rückzug um 3:02 nachts wieder in OS an. Der Fahrradanhänger mußte trotz gähnender Leere im Gepäckwagen (bei den Verkehrszeiten gähnt selbst die Leere) jeweils zerlegt und mit ins Abteil genommen werden. Nach Auskunft der Bahn werden Fahrräder, Mofas und Faltboote im Gepäckwagen befördert (als Lösung: einfach ein Schild "Faltboot" an den Anhänger?). Für das Tandem sind 2 Fahrkarten notwendig.

Fähren

Nach der ersten Nachtfahrt erreichten wir also Kiel und konnten erstmals die See sehen. Urlaubsstimmung kommt auf, und die nächste Überraschung wartet. Auf die freundliche Ticketforderung "2 Erwachsene und 1 Fahrrad" kommt die Frage "Tandem?", nach einem "Ja" bekomme ich ein einfaches Ticket für DM 19 welches für das komplette Reiseunternehmen gilt. So kommen wir auf Langeland an.

Südlangeland

Unser erstes Camp schlagen wir in Ristinge auf, also ungefähr in der Mitte von Südlangeland. Auf den Campingplätzen auf Langeland gibt es extra abgetrennte Bereiche für Radfahrer und Wanderer, in denen Tische und Bänke zur Verfügung gestellt werden und Autos keine Zufahrt haben. Fangen wir nun mit dem Radfahren an. Entgegen unserer Annahme ist Dänemark wellig. Weniger die umgebende Ostsee, dafür stärker das Land. Es geht ständig rauf und runter. Nach ca. 4 - 5 Tagen hat man sämtliche Straßen Südlangelands abgefahren. Aufgrund der minimalen Breite der Insel (max. 12 km) und Meidung der einzigen Hauptstraße fahren wir immer in Küstennähe und machen auf den Stichstraßen die jeweiligen Abstecher bis direkt ans Meer, wobei jeder Küstenabschnitt anders ist. Mal Sandstrand, mal Steine, mal flach, mal steil, mal alles zusammen.

[Bild: Tandemdurchblick]

Aero

Nach der Erkundung Südlangelands setzen wir mit der Fähre nach Aero über. Wieder ist für das Tandem mit Hänger nur ein einfaches Fahrradticket notwendig. So sollte es auch bis zum Ende bleiben. Nach Inspizieren des Campingplatzes in Marstal steht der Entschluß, sofort bis ans andere Ende von Aero zu fahren, fest. Auf der südlichen Route gelangen wir so nach Soby. Da es auf ’ro nicht so viel zu sehen gibt, nehmen wir am nächsten Tag die Fähre von Soby nach Faborg. Von anderen Radlern erfahren wir allerdings, daß die Stadt Aeroskobing auf Aero sehenswert ist. Man sollte Aero also auf der nördlichen Route durchqueren.

Südfyn

Wir schlagen unser Zelt in der Nähe von Faborg auf und erkunden in den nächsten Tagen die südwestliche Ecke von Fyn. Neben abwechslungsreichen Küsten und der interessanten Innenstadt von Faborg gibt es hier 3 Seen, zu denen laut Karte auch entsprechende Wege führen. Manchmal ist halt die Wirklichkeit anders als bedrucktes Papier. So konnten wir die Seen jeweils nur aus einiger Entfernung und durch Bäume hindurch betrachten. Danach ging es über die Inseln Tasinge und Sio, die durch Brüken untereinander und mit Fyn und Langeland verbunden sind, wieder nach Langeland.

Nordlangeland

Quartier beziehen wir in Emmerbolle. Nach der entsprechenden Erkundung Nordlangelands können wir sagen, daß von dem befahrenen Gebiet Langeland sowohl landschaftlich als auch baulich am schönsten ist. Nachdem wir noch einen Tagesausflug zur Insel Stryno unternommen haben, ging es über Bagenkop, Fähre, Kiel wieder nach OS.

Karten und Wege

Als Karte diente uns die Kartenmappe: Fyn, Langeland og Aero. Die Mappe enthält zwei Karten im Maßstab 1:100000 und eine Routenbeschreibung der verschiedenen gut ausgeschilderten Fahrradrouten in diesem Gebiet. Auf den schmalen Inseln Langeland und Aero gibt es als einzige durchgehende Längsverbindung die Hauptstraße, so daß die Radrouten teilweise über unbefestigte Wege führen. Es waren aber alle Wege mit bepacktem Tandem und Anhänger zu befahren, wobei an einer Steigung auf einem Schotterweg das Hinterrad anfing durchzurutschen. Bis auf die gelb markierten Hauptstraßen können abweichend von den Fahrradrouten alle Straßen streßfrei befahren werden - der dänische Autofahrer unterscheidet sich dabei wohltuend von dem deutschen.

Wetter und Sonstiges

Das Wetter wechselte besonders auf den Inseln im 3- bis 4-Stundentakt ohne vorherige Ankündigung. Es bewahrheitete sich die alte Weisheit, daß auf Sonne Regen und auf Regen Sonne folgt. Windig ist es dabei so gut wie immer. Sehenswürdigkeiten gibt es fast in jedem Ort (Kirche) und dazwischen (Windmühle) sowie zahlreiche Museen. Besuchen sollte man auf jeden Fall Tingstedet's Cafe, das in Rudkobing in einem 300 Jahre alten Kaufmannshof liegt und einfach ein Kleinod ist. Weiterhin den gesamten Bereich um das Schloß in Tranekar, wo im Schloßpark riesige Kunstwerke aus Naturmaterialien stehen. Ansonsten ist fast jedes dänische Haus in der Gegend eine Augenweide.

[Bild: Tingstedet's Cafe]

Jörg Buchholz