Donau Tandemtour

Dies ist der Bericht unserer ersten großen Urlaubs-Tandemtour vom 16.8. bis 28.8.1995.

Urspruenglich hatten wir vor gehabt, von Ulm aus die Donau entlang bis Ungarn zu radeln. Da mein neuer Personalausweis nicht rechtzeitig fertig wurde, haben wir unsere Route einfach etwas nach "links" verschoben :-) Wir sind deshalb von Konstanz (Bodensee) aus gestartet.

Unser Trek T100 hatte ein Reisegewicht von ca. 200 kg. So schwer waren wir noch nie unterwegs gewesen. Auf Campingausruestung haben wir verzichtet, da wir Dekadenzlinge in Pensionen und bei Freunden uebernachten wollten.

Trotzdem waren wir ganz gut bepackt:
Vorne zwei gigantische zu Lowridern umfunktionierte hintere Gepaecktaschen, zwei normale Gepaecktaschen hinten, oben drauf eine grosse Reisetasche, ein Notschlafsack und latuernich unsere Tandem-Plueschente im hinteren Flaschenhalter :-) Dazu kam Frams' Fahrradstereoanlage auf dem vorderen Gepaecktraeger.

Als erstes sind wir mit der Faehre von Konstanz nach Meersburg geschippert, wo uns gleich der haerteste Berg der ganzen Tour erwartete. Wer schon einmal in Meersburg war, weiss, wovon wir reden. Ein Hinauffahren war voellig ausgeschlossen. In bruetender Hitze mussten wir unser schweres Gefaehrt ca. 100m den extrem steilen Aufstieg hinaufwuchten. Danach ging es problemlos auf wenig verkehrsreicher Strecke weiter Richtung Bad Buchau am Federsee. Wir fuhren da durch verschiedene kleine Doerfer und haben einen "Hasenmaeher" gefunden =:3 Dieser bestand aus einem Kaefig mit ganz suessen Haeschen (eigentlich Kaninchen), die da froehlich die Wiese abmampften. Der Kaefig wurde wohl jeden Tag ein Stueckchen weiter geschoben, so dass er eine Spur abgemaehter Wiese hinterliess, garniert mit ein paar Hasenboppels. Ich als Hasenhalterin war begeistert :-)

Nach 80 km kamen wir in Bad Buchau an und fanden in der Pension "Stern" eine prima Unterkunft. Am naechsten Morgen besuchten wir das Federseemuseum und natuerlich den Federsee, der Deutschlands groesstes Feuchtbiotop ist, mit entsprechend viel Getier und noch mehr Schilf, und der aufgrund seiner konservierenden Moorlandschaft eine Fundgrube fuer Archaeologen darstellt. Dies war der wissenschaftliche Abstecher unserer Reise :-)

Leider kam an diesem Morgen ein graesslicher Wind auf, der ausgerechnet direkt aus Osten kam, und wir mussten natuerlich nach Osten fahren. Die Donau entlang ging es bzw. kaempften wir uns nach Ulm vor *schnauf*. Es waren zwar bloss 75 km, es kam uns aber wegen dem Wind vor wie 120 km. Ganz unverschaemt kamen uns die entgegenfahrenden Radfahrer vor, die mit Rueckenwind muehelos grinsend an uns vorbeisausten. Unsere staendigen "Unfair!"-Einwaende wurden aber von niemandem erhoert.

In Ulm kamen wir bei Freunden unter und machten erstmal einen Tag Pause, da am Abend noch eine wichtige Grillparty im Innenhof der Uni zu feiern war. Der Eselsberg, auch als "Monte Muli" bekannt, auf dem die Uni liegt, war die zweite harte Herausforderung. Ich kann nicht verstehen, wie sich Studis da jeden Tag freiwillig hinaufquaelen koennen. Im Sendener Waldbaggersee haben wir wahrscheinlich zum letzten Mal dieses Jahr gebadet.

Wieder einen Tag spaeter brachen wir auf zu meiner "Angstetappe": Wir wollten zu Frams' Eltern in Heubach. Dieses ist zwar nur 60 km noerdlich von Ulm, allerdings liegt dazwischen die Schwaebische Alb. Ulm und die Donau markieren das suedliche Ende der Alb, waehrend sich Heubach genau am noerdlichen Albaufstieg befindet. Aber dank vieler Pausen haben wir auch diese Strecke geschafft, sogar die Steinheimer Steige :-) Und das alles, ohne zu schieben :-) Am (gottseidank!) letzten Aufstieg brach dann der vordere Schaltseilzug. Waere das in der Etappenmitte passiert, haetten wir an diesem Samstag ziemlich alt ausgesehen. So aber konnten wir uns noch den letzten Huegel hinaufwuchten und dann eine herrliche Abfahrt geniessen (*brausssssss*).

Bei Frams' Eltern wurden wir erwartungsgemaess bestens verpflegt. Am Montag fuhren wir nach Schwaebisch Gmuend zu einem Fahrradladen, der Tandemteile fuehrte, und liessen den Seilzug erneuern.

Tags darauf starteten wir wieder Richtung Osten. Die Fahrt ging leicht huegelig ueber Aalen, Bopfingen am Ipf und Noerdlingen, welche als eine der wenigen Staedte Deutschlands noch eine komplett mittelalterlich erhaltene Altstadt inklusive Stadtmauer besitzt. Denkt man sich die Autos weg, koennte man meinen, man waere in einem historischen Film. Da hat es mir ganz arg gefallen :-)

Leider frischte der unerbittliche Ostwind wieder auf, und die bis dahin schoene Fahrt wandelte sich in ein erneutes Vorwaertskaempfen. In Wemding, nach insgesamt 85 km, gaben wir auf. Dort uebernachteten wir ebenfalls gut im Gasthof "Zur Ente", was besonders unserer Tandem-Ente gefiel :-)

Weiter ging es ueber einige Huegel Richtung Nordosten ins Altmuehltal, wo uns der landschaftlich schoenste Teil unserer Radtour erwartete. Leider waren die Radwege dort zum groessten Teil nicht geteert, sondern bestanden aus extrem fein gesplitteten Kalkkies. Erstaunlicherweise waren wenige Radwanderer unterwegs, trotz bestem Wetter. Den verschlungenen Altmuehlwindungen folgend, fuhren wir nach Eichstaett, das wir nach 80 km erreichten. Dort quartierten wir uns bei einer (Netz-)Bekannten ein. Eichstaett ist zwar sehr schoen, aber auch sehr langweilig, und noch mehr katholisch :-)

Der Altmuehl folgend erreichten wir nach weiteren 110 km Kelheim an der Donau, nachdem wir morgens erstmal den einzigen Platten der Tour flicken mussten: Ein Nagel steckte senkrecht im Reifen. An diesem Tag regnete es staendig, zum Glueck aber immer nur ein paar Kilometer vor uns. Wir fuhren also staendig am Wolkenrand - oder trieben wir den Regen vor uns her? :-) Dies fuehrte leider dazu, dass uns der Kalkkies-Radweg trotz unserer Schutzbleche voellig verdreckte. Aber uns ging es immer noch besser als den supersportlichen schutzblechlosen Mountainbikefahrern. Von deren Tarnfarbe koennte sogar die Bundeswehr noch etwas lernen ;-) Unsere Tandem-Ente sass natuerlich trocken und warm in unserer Gepaecktasche :-) Ente muesste man sein :-)

In Kelheim liessen wir am naechsten Tag unser Tandem in der Pension "Weisses Lamm" (Sehr schoen und guenstig), und bestiegen ein Ausflugsschiff, um uns den Donaudurchbruch zwischen Weltenburg und Kelheim anzuschauen. Das war ein tolles Erlebnis! Empfehlenswert!

Erst spaet nachmittags gings dann gemuetlich weiter die Donau entlang nach Regensburg. Was uns sehr wunderte war die Tatsache, dass es auf dieser Strecke sogar noch weniger Radfahrer gab als die Altmuehl entlang, obwohl unser "Donau-Radweg"-Fuehrer schreibt, dass dort zur Urlaubszeit mit regelrechtem Fahrrad-Massenverkehr zu rechnen sei. Wir waren trotz schoenem Wetter praktisch die einzigen, die mit Gepaeck auf dem gut beschilderten Donauradweg unterwegs waren. Nach einer Besichtigung von Regensburg (*hoppel hoppel* ueber das Kopfsteinpflaster) quartierten wir uns in Tegernheim nach einer Tagesetappe von 55 km beim "Unteren Wirt" ein.

Leider schlug danach das bis dahin wunderbare Sommerwetter in ein kuehles und regnerisches Herbstwetter um. Immer wieder aufgehalten von Wolkenbruechen ging es zum Teil unter Nieselregen 90 km die Donau entlang bis Deggendorf. Leider hat die Donau hier einen hohen Damm, und man sieht kaum das Wasser. Ausserdem haben die Bayern wohl eine Vorliebe fuer Kieswege *grmpf*.

In Deggendorf in der "Pension zum Elch" (in Wirklichkeit ist das ein alter Bekannter von Frams) warteten wir bis am naechsten Tag spaetnachmittags der Regen etwas nachliess, und fuhren dann Richtung Passau, das wir leider aus eigener Kraft nie erreichen sollten, denn in Vilshofen mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass unsere hintere Felge auf einer Laenge von ca. 30 cm auf der Bremsflaeche gerissen war. Man konnte sogar durch den Riss hindurchsehen! Die letzten Kilometer bis Passau wurden dann mit der Bahn zurueckgelegt, wo wir wiederum bei einem Bekannten unterkamen (Es lebe das Netz und die Netzbekannten :-) ) Das Wetter wurde zunehmends schlechter, und es war keine Besserung auf Tage hinaus in Aussicht, ob wir die Felge in Passau reparieren konnten, war fraglich, und Frams hatte eine entzuendete Blase an seiner linken Hand, die gar nicht gut aussah. Nach 800 km mussten wir unsere Tour leider etwas verfrueht abbrechen.

Die Rueckreise nach Konstanz mit der Bahn dauerte dann immerhin 10 h. Here we are again :-)

Unsere naechste Tour wird wohl in Passau beginnen :-)

Beate Herrmann

Jörg Buchholz