Flachlandpiraten in der Eifel

Irgendwie will man ja immer genau das, was man zu Hause nicht hat. Also zog es uns 7 Flachländer (1 Tandem und 5 Halbe) aus Niedersachsen zu einer 4-Tagestour in die Eifel. Am 1. Mai erreichten wir so nach zweimaligem Umsteigen das Städtchen Stolberg kurz vor Aachen.

[Bild: Piratenschiff]

Nachdem wir die Stadt verlassen hatten, konnten wir uns so langsam an die hügelige Gegend gewöhnen. Vorbei an der Dreilägerbachtalsperre ging es in ein belgisches Naturschutzgebiet mit herrlichen kleinen Straßen.

Am Nachmittag erreichten wir Monschau und gönnten uns erst einmal ein Eis auf dem Marktplatz. So gestärkt ging es dann zum wohl höchstgelegenen Gebäude in Monschau, der Jugendherberge, wie immer auf dem Berg gelegen, aber diesmal in einer richtigen Burg eingerichtet.

Daß man in diesem Bereich der Eifel noch gut radfahren kann, verdeutlichen die vielen Rennradler, die einem hier begegnen. In der Jugendherberge war eine ganze Gruppe radelnder Belgier untergebracht, so daß zum Abendbrot das internationale Lied "Manna Manna" angestimmt werden konnte (Sesamstraßenfans wissen, worum es geht). Monschau selbst hat zwei sehr unterschiedliche Gesichter. Tagsüber überquellendes Touristenstädtchen und abends fast eine Geisterstadt.

Am nächsten Morgen zog es uns erst einmal wieder nach Belgien. Die Strecke wurde langsam heftiger, was sich besonders durch die ausbleibenden Rennradler bemerkbar machte. Das schwierigste Stück erstreckte sich über 1 Kilometer mit 14 % Steigung. Einheimische fahren hier eigentlich überhaupt nicht mit dem Fahrrad, dafür fahren Sie halsbrecherisch mit quietschenden Reifen die Serpentinen rauf und runter. So manches Mal kam dann schon ein gewisses Angstgefühl auf.

[Bild: Pause mu auch mal sein]

Trotzdem erreichen wir heile und zufrieden die Jugendherberge in Prüm. Der Spruch, daß es zu allen Jugendherbergen bergauf geht, bewahrheitet sich hier besonders, und zwar derart, daß das Radfahren bergrunter aufgrund des Gefälles verboten ist. Von Prüm aus geht es anschließend nach Gerolstein, da kann man sich mit Sprudel und Wasser betrinken, und weiter nach Daun. Leider kennt man in der Eifel anscheinend noch keine Fußgängerzonen. Autos fahren einfach überall durch die Innenstädte. So konnten wir uns abends bei gutem türkischen Essen über das Schaufahren der Einheimischen amüsieren. Hierbei kam allen die Erkenntnis, in dieser Gegend nicht wohnen zu wollen.

Der letzte Tag führte uns vorbei an den Eifel-Maaren (Vulkanseen) bis nach Cochem an der Mosel. Cochem ist der ideale Zielpunkt für so eine Reise, denn von hier aus fährt ein durchgehender Interregio nach Osnabrück, und es gibt etwas zu sehen, was die Wartezeit verkürzt. Wer wirklich die Mosel sehen will, sollte auf keinen Fall den Mosel-Radweg, sondern durch die Hügel fahren und den grandiosen Ausblick von oben auf das Geschehen genießen.

Dabei ist zu beachten, daß sowohl das Fahrrad als auch die Kondition in guter Verfassung sind. Wichtig sind gute Bremsen und für alle, die schnelle Abfahrten machen wollen, ein Rahmen, der sich auch jenseits der 70 km/h ruhig verhält. Solche Geschwindigkeiten sind nämlich beim ständigen Auf und Ab einfach durch Bergabrollen zu erreichen. Ein Solo hat es aufgrund von Rahmenflattern bei über 70 Km/h in die Wiese geschmissen. Da außer einer verbogenen Gabel nichts passiert ist kann man das glücklicherweise recht locker sehn.

Jrg Buchholz