Mit zwei Tandems durchs Elsass

Über uns

Wir waren mit zwei Tandems wie folgt unterwegs: Das erste Tandem, ein Santana, wurde von meiner Frau Monika gesteuert, mit unserer älteren Tochter Ramona (10) als Stoker. Das zweite Tandem, ein Lehner fuhr unter meiner Leitung mit unserer jüngeren Tochter Nadia auf dem hinteren Platz, der mit Stokids ausgerüstet war. Beide Tandems waren mit Lenkertasche, Lowridern und hinteren Packtaschen ausgerüstet, wir hatten zusätzlich noch das Zelt quer auf dem Gepäckträger. Nachdem wir letztes Jahr noch mit einem Anhänger für das Gepäck unterwegs waren, wollten wir es diesmal ohne versuchen, was ich nicht bereut habe. Das ganze Gefährt bleibt doch etwas handlicher.

1. Tag (7.7.2001): (Zug -) Basel - Neuenburg am Rhein

Nachdem wir am Vorabend gepackt hatten und die Tandems schon praktisch fahrbereit in der Garage standen, fuhren wir am Morgen relativ früh (07:00) mit dem Zug von Zug nach Basel. Hier sollte unsere Tour richtig beginnen.

Kaum haben wir den Bahnhof in Basel verlassen begann es auch schon zu regnen. Also wurden die Regensachen montiert und los gings. Nachdem ich in Basel eine falsche Abzweigung erwischte, ging es dann statt direkt nach Allschwil zuerst noch nach Binningen. Von Allschwil ging es dann nach Frankreich und auf der vorgesehenen Route weiter nach Blotzheim und Rosenau, wo wir uns etwas warmes zu essen suchten. Nach dem Mittagessen hatte es aufgehört zu regnen und die Laune war auch wieder besser. Eigentlich wollten wir jetzt dem Radweg dem Rhein entlang folgen, aber nachdem wir unsere beiden voll beladenen Tandems über einen quer über den Weg liegenden Baum (am Vorabend hatte im Elsass ein kräftiger Sturm gewütet) gehievt hatten und am zweiten Baum kein weiterkommen sahen, gings dann wieder ein Stück zurück und auf die Strasse. Wir kamen aber nicht weit, da blieb Monika zurück und als ich bei Ihr eintraf war die Luft aus ihrem Vorderrad draussen. Also Schlauch flicken, Dorn aus dem Pneu entfernen, aufpumpen, die Luft geht wieder raus, zweiten Dorn entfernen und Schlauch flicken und wieder pumpen. Dieses Spiel sollte sich heute noch ein paar mal wiederholen. Insgesamt haben wir 5 Löcher in den Reifen geflickt (alles Dornen und Nägel). Sehr schnell sind wir so nicht vorwärts gekommen und wir erreichten erst am späteren Abend den Campingplatz in Neuenburg am Rhein.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 88.5 km
Reine Fahrzeit 5:35h
Durchschittsgeschwindigkeit 15.9 km/h

2. Tag (08.07.2001) Neuenburg am Rhein - Schoenau

Nachdem wieder alles gepackt war, bestätigte uns ein kurzes Gespräch, mit einer anderen Radfahrerin, dass der Entscheid, den Radweg rechts liegen zu lassen, goldrichtig war. Es muss noch ca. 20 Bäume quer über den Radweg gehabt haben. Wir wechselten sofort wieder auf die französische Seite des Rheins und fuhren bis zum Mittagessen bis Neuf-Brisach. Dann gings immer schön auf Nebenstrassen weiter bis nach Marckolsheim, wo wir eigentlich den Campingplatz aufsuchen wollten. Davon fanden wir jedoch keine Spur und wir entschlossen uns, bis nach Schoenau wieterzufahren. Dort stellten wir das Zelt auf und kochten uns mit dem was wir dabei hatten ein Nachtessen, schliesslich war es Sonntag und kein Restaurant weit und breit.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 83.2 km
Reine Fahrzeit 4:40h
Durchschittsgeschwindigkeit 17.8 km/h

3. Tag (09.07.2001) Schoenau - Gambsheim

Nach dem Packen führte uns unsere Route etwas vom Rhein weg zunächst nach Schwobsheim, dann über Wittisheim nach Witternheim und Neunkirch. Von hier ging es dann alles dem Canal du Rhône au Rhin entlang bis nach Strassburg. Anfangs Strassburg kehrten wir zum Mittagessen ein. Da meine Frau und ich Strassburg schon kannten und die Kinder nicht so sehr auf Stadtbesichtigungen aus waren, fuhren wir auf dem kürzesten Weg durch die Stadt in Richtung Bois de la Robertsau. Nach einem Glacéhalt in la Robertsau machten wir uns an die Durchquerung des Waldes. Hier mussten wieder zwei Bäume, die den Weg versperrten überquert resp. durch den Wald umgangen werden. Danach ging es wieder dem Rhein entlang weiter bis zur Staustufe von Gambsheim. Dort erkundigten wir uns erstmal nach dem Campingplatz und erhielten von der Touristeninformation auch gleich eine Liste mit den Campings des Elsass. Voll Freude über das bald erreichte Etappenziel wollten wir die letzten paar hundert Meter unter die Räder nehmen. - Aber zuerst wollte noch ein Plattfuss an Monikas Tandem geflickt werden. Dann hiess es Zelt aufstellen, Gepäck verstauen, Nachtessen einkaufen und kochen und dann den schönen Abend am Seelein an dem der Campingplatz liegt geniessen.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 85.0 km
Reine Fahrzeit 5:00h
Durchschittsgeschwindigkeit 17.0 km/h

4. Tag (10.07.2001) Gambsheim - Lauterburg

Nach drei Tagen mit über 80km wollten wir es heute etwas gemütlicher nehmen. Unser heutiges Ziel war Lauterburg, wo wir dann auch zwei Nächte bleiben wollten. Beim inzwischen üblichen Check ob die Reifen noch genügend Luft haben, wurde festgestellt, dass an meinem Tandem noch ein Plattfuss zu flicken war. Nachdem die beiden Löcher geflickt waren, es waren übrigens die letzten, konnte es logehen. Da der Weg heute den ganzen Tag dem Rhein entlang führte, deckten wir uns in Gambsheim noch mit einem Picknick ein. In Lauterburg wurde dann das Zelt aufgestellt, der Campingplatz liegt auch hier an einem See, und dann die Stadt erkundet.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 53.0 km
Reine Fahrzeit 2:50h
Durchschittsgeschwindigkeit 18.7 km/h

5. Tag (11.07.2001) Lauterburg - Wissembourg - Lauterburg

Heute gings auf dem Deutsch-Französischen Radweg von Lauterburg nach Wissembourg und wieder zurück. Diesmal ohne Gepäck, dafür auf dem hinweg mit einem spürbaren Gegenwind. Darum auch die tiefe Durchschnittsgeschwindigkeit.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 59.2 km
Reine Fahrzeit 3:58h
Durchschittsgeschwindigkeit 14.9 km/h

6. Tag (12.07.2001) Lauterburg - Haguenau

Die heuteige Etappe führte uns das erste Mal auf dieser Tour in etwas hügeligeres Gelände. Von Lauterbourg ging es zunächst auf dem Deutsch-Französischen Radweg bis nach Salmbach, von dort über Siegen nach Trimbach und weiter über Buhl nach Hatten. Dann ging es nördlich des Haguenauer Waldes westlich bis nach Schwabwiller, wo wie links abbogen um den Haguenauer Wald von Norden nach Süden zu durchqueren. Nach diesem gemütlichen Teil fast ohne Verkehr, suchten wir in Haguenau den Campingplatz. Dieser liegt nahe der Ausfallstrasse in Richtung Strassburg, was die Zufahrt eher ungemütlich machte. Der Campingplatz selbst liegt allerdings recht ruhig. Nach dem Einkauf des Nachtessens setzte Regen ein, aber dank unserem Tarp, das wir seit einiger Zeit zusätzlich zum Zelt mitführen, konnten am Trockenen kochen und mussten auch nicht im Zelt essen. Dem Wetter entsprechend gingen wir früh schlafen.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 49.6 km
Reine Fahrzeit 3:06h
Durchschittsgeschwindigkeit 16.0 km/h

7. Tag (13.07.2001) Haguenau - Saverne

Der Regen hatte wieder aufgehört und wir packten unsere Siebensachen auf die Velos. Wir wollten Saverne erreichen, und dort drei Nächte bleiben. Wir verliessen Haguenau gleich auf einer Nebenstrasse in Richtung Wintershouse, von wo es dann nach Bernolsheim ging. Hier galt es nun gleich zwei Autobahnen zu überqueren. Nach der ersten (D44) sichteten wir ein Mc Donalds Restaurant, und obwohl es noch relativ früh war, entschieden wir uns dafür hier die Mittagspause abzuhalten. Nach dem Mittagessen ging es weiter nach Krautwiller und an den Canal de la Marne au Rhin. Diesem folgten wir dann bis nach Saverne auf dem Radweg. Immer wieder bot sich die Gelegenheit verschiedenen Schiffen beim Durchfahren der vielen Schleusen zuzuschauen. Schon früh erreichten wir Saverne, stellten das Zelt auf und gingen noch ausgiebig einkaufen, denn am nächsten Tag war ja der französische Nationalfeiertag..

Die Daten dieser Etappe

Distanz 44.2 km
Reine Fahrzeit 2:40h
Durchschittsgeschwindigkeit 16.6 km/h

8. Tag (14.07.2001) Saverne

Heute liessen wir die Tandems auf dem Campingplatz, besichtigten Saverne und genossen ein ausgezeichnetes Mittagessen. Das Wetter war eher feucht und der Wetterbericht versprach für den nächsten Tag auch nicht viel Gutes.

9. Tag (15.07.2001)

Auf heute war Regen angesagt, und das Wetter hielt auch was der Wetterbericht versprach. Wir wollten heute den Kindern heute das vermutlich eindrücklichste Stück des Canal de la Marne au Rhin zeigen, ein Schiffshebewerk, das ca. 50m Höhendifferenz überwindet. Man kann sich das wie eine riesige Badewanne vorstellen, die auf einem Schrägaufzug hinauf und hinuntergefahren wird, und dabei die Schiffe transportiert. Also nahmen wir die ungefähr 18km weiter den Kanal hinauf unter die Tandemräder. Kurz nach 12 Uhr kamen wir beim Schiffshebewerk an, die letzte Rundfahrt hatten wir knapp verpasst und die nächste war auf 14:30 angesagt. Die Kinder wollten jedoch unbedingt die Anlage auch mal mit einem Schiff befahren und so verpflegten wir uns so gut wie möglich und beobachteten das Treiben auf dem Kanal. Wegen einer Panne am Hebewerk, wurde es dann gut 15 Uhr bis wir unsere Rundfahrt starten konnten. Nach der Besichtigung des ziemlich leeren Maschinenraumes der Anlage, er enthält im wesentlichen zwei Bremsen, konnte dann die Schifffahrt beginnen. Nach der Rückkehr, fuhren wir dann wieder gemütlich auf den Campingplatz nach Saverne zurück.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 36.6 km
Reine Fahrzeit 2:00h
Durchschittsgeschwindigkeit 18.3 km/h

10. Tag (16.07.2001) Saverne - Obernai

Der Regen hatte inzwischen aufgehört und wir machten uns wieder auf den Weg in Richtung Süden. Mehrheitlich auf verkehrsarmen Nebenstrassen erreichen wir gegen Mittag Wasselone, wo wir uns mit einem Kebab stärkten. Dann geht es weiter über Westhoffen, Still, Mutzig, Dorlisheim und Rosheim nach Obernai. Hier stellten wir das Zelt auf, luden das Gepäck ab und fuhren noch zum Aquarium in Ottrott, wo man von den friedlichsten Fischen bis zu Piranhas und Haien einiges bestaunen kann, was in den verschiedensten Gewässern der Welt vorkommt. Zurück in Obernai wurde dann noch das Nachtessen eingekauft, gekocht und gegessen. Dann brauchten wir eine Runde Schlaf, denn die heutige Etappe hatte doch einige kleinere Steigungen zu bieten, die sich nach unserem Velocomputer auf ca. 800m summierten.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 66.2 km
Reine Fahrzeit 4:30h
Durchschittsgeschwindigkeit 14.7 km/h

11. Tag (17.07.2001) Obernai - Mittelwihr

Diese Etappe führte uns mehrheitlich auf der Route du vin, oder auf kleineren Strassen durch die Rebberge über Barr nach Dambach-la-ville wo wir uns ein Mittagessen in einem Restaurant leisteten und dann weiter nach Châtenois und Kintzheim. Von Kintzheim aus folgten wir dann der alten Römerstrasse bis Mittelwihr. Hier stellten wir unser Zelt auf den Campingplatz und nahmen den Weg nach Hunawihr unter die Räder. Dort konnte man in einem Gewächshaus alle möglichen Arten von Schmetterlingen bestaunen. Nachher machte sich dann doch langsam Hunger bemerkbar. In Hunawihr gab es aber nur einen sehr kleinen Laden in dem ich vorsichtshalber mal ein Packet Reis kaufte. Dann beschlossen wir aber noch nach Ribauvillé weiter zu fahren. Dort genossen wir dann an einem Tisch im freien ein ausgezeichnetes Nachtessen. So gestärkt nahmen wir dann auch die Fahrt zurück nach Mittelwihr wieder relativ gelassen unter die Räder.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 66.9 km
Reine Fahrzeit 4:31h
Durchschittsgeschwindigkeit 14.8 km/h

12. Tag (18.07.2001) Mittelwihr - Raedersheim

Unser nächstes Ziel war das Ecomusée de Haute Alsace, das wir am darauffolgenden Tag besuchen wollten. Am Morgen fuhren wir über Ingersheim, Eguisheim und Pfaffenheim nach Rouffach, wo wir uns in einer Bäckerei ein Mittagessen kauften. Dann ging es weiter über Gundolsheim und Merxheim nach Raedersheim, wo wir unser Zelt auf einem ganz neuen Campingplatz für zwei Nächte aufstellten. Dann machten wir noch einen Ausflug nach Soultz, wo wir für die nächsten zwei Tage einkauften und dabei einem heftigen Regenguss entgingen. Danach folgte noch ein gemütlicher Abend vor dem Zelt und im Aufenthaltsraum des Campingplatzes. An diesem Tag kämpften wir die ganze Zeit gegen einen recht frischen Wind an, was diese Etappe für mich eigentlich zur anstrengendsten machte.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 51.8 km
Reine Fahrzeit 3:27h
Durchschittsgeschwindigkeit 15.0 km/h

13. Tag (19.07.2001) Ecomusée du haute Alsace

Diesen Tag verbrachten wir im sehr interessanten Freilichtmuseum, wo man Leuten, in verschiedenen 'alte' Berufen über die Schulter gucken konnte. Eine Indoor Karusselfahrt rundete dann den Besuch des Museums für die Kinder ab.

14. Tag (20.07.2001) Raedersheim - Basel

Unser Ziel am letzten Tag dieser Tour war gegeben, der Bahnhof in Basel und dann den Zug zurück nach Zug. Von Raedersheim gings zuerst nach Osten über Ungersheim nach Ensisheim. Hier versorgten wir uns in einem Supermarkt noch mit einem Picknick für den Mittag. Dann ging es weiter nach Munchhouse und dann Richtung Süden durch den Harthwald, den wir auf der Fahrt nach Norden wegen der Sturmschäden gemieden haben. Bei der Grunhutte machten wir dann Mittagspause, die durch den wieder einsetzenden Regen etwas früher als gewollt beendet wurde. Nun ging es weiter südlich bis an den Canal du Rhône au Rhin und dann diesem entlang nach Niffer, wo sich unsere Schleife schloss. Von Kembs bis Basel konnten wir jetzt den Radweg entlang eines Rheinseitenkanals benutzen, der auf der Hinfahrt wegen der vielen umgestürzten Bäume unpassierbar war. Hier sind wir dann noch einem anderen Tandem begegnet, insgesamt dem dritten auf dieser Tour. Von Basel gings dann mit der Eisenbahn wieder nach Zug.

Die Daten dieser Etappe

Distanz 60.2 km
Reine Fahrzeit 3:22h
Durchschittsgeschwindigkeit 17.9 km/h

Christian Sperr (sperr@swissonline.ch)

Jörg Buchholz