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Radurlaub Frankreich Juni/Juli 2000 |
2 ½ Wochen mit Tandem und VW-Bus in den französischen Alpen (Juni/Juli 2000)
Wir über uns:
Captain: Robert, 34 J., Trainingskilometer vor Frankreich: 11000 km
Stoker: Silke, 33 J., Trainingskilometer vor Frankreich: 7500 km
Tandem: KHS Tandemania Roma, Alurahmen, 28", Schaltung 3x8, XT-Schaltwerk, XTR-Umwerfer, 40-Speichen-Laufräder Mavic mit Shimano-Tandemnaben, LX-V-Brakes, Arai-Trommelbremse, gefederte Sattelstütze (Stoker).
1. Tag (Donnerstag, 29.06.00):
Anfahrt über München/Landsberg/Lindau mit 2 Umleitungen über Bundesstraßen, die uns relativ viel Zeit gekostet haben. Anschl. Weiterfahrt durch die Schweiz, wobei fast die komplette Schweizer Autobahn eine einzige Baustelle war. In Frankreich Mautgebühren einmal 28 und einmal 29 FF für jeweils 30 - 40 km (bis Grenoble), also insgesamt ziemlich teuer. Ankunft nach 11 ½ Std. mit etwa einer halben Stunde Pause zwischendurch. Wir haben uns dann auf den schon vom letzten Jahr bekannten Parkplatz in Bourg-d’Oisans gestellt (Nachteil des Parkplatzes: pralle Sonne ohne Schatten).
2. Tag (Freitag, 30.06.00): 31,0 km, 1100 hm
Nach ausgiebigem Frühstück haben wir uns aufgemacht nach Alpe d’Huez. Fahrzeit 1:25 h um uns dort für die "La Marmotte" für den Folgetag einzuschreiben. Wegen Problemen mit den Waden des Captains haben wir dann die eigentlich geplante Abfahrt über den Col de Sarenne nicht mehr gemacht, haben das auf den Montag verschoben, und sind direkt wieder zum Parkplatz hinuntergefahren, wo wir dann bei Wadenmassagen entspannten. Anschl. haben wir noch die Stadt Bourg-d’Oisans bei herrlichstem Wetter genossen (zu Fuß).
3. Tag (Samstag, 01.07.00): 195,0 km, 5000 hm
Um 7.15 Uhr ist offizieller Start der "La Marmotte". Bei guter Organisation
starten wir um 7.20 Uhr mit knapp 5000 Teilnehmern. In der Ebene das übliche Bild:
etwa 20 - 30 Halfbiker hängen sich in unseren Windschatten, so daß wir die
ersten 15 km bis zum Einstieg in den Col de la Croix de Fer (2068 m) mit guten 35 km/h
locker dahinsegeln. Der Anstieg zum Croix de Fer wie erwartet ziemlich steil, auch das
Wetter war relativ schwül, aber da wir bei etwa 12 Grad Celsius gestartet sind, noch
gut erträglich. Nach einer kurzen Abfahrt etwa in der Mitte des Croix de Fer ging es
dann richtig zur Sache. Zum Glück kannten wir sämtliche Anstiege vom letzten Jahr,
so daß wir auf keine unvorbereiteten extremen Steigungen stießen und uns von
vornherein nicht gescheut haben, auch mit den kleinsten Gängen zu fahren. Auf der
Paßhöhe vom Col de la Croix de Fer gab es trotz angekündigter Wasserstelle
doch eine gute Verpflegung. Diese nutzten wir ausgiebig, was in dem Fahrerchaos, das sich hier
oben bot sicherlich auch vernünftig war. Hunderte von Radlern standen kreuz und quer auf
der Fahrbahn, so daß wenig vorwärts ging. Als wir dann schließlich die
Verpflegungsstelle verließen, ging das dann doch ohne Probleme. Wir waren eigentlich
überrascht, daß wir den gesamten Anstieg auf den Croix de Fer mit den Solisten gut
mithalten konnten und uns immer in der selben Fahrergruppe befunden hatten. Die Abfahrt war
landschaftlich reizvoll bei tlw. doch zu wünschen übriglassenden
Straßenverhältnissen. Im unteren Bereich war eine Baustelle, so daß wir hier
ein wenig Probleme hatten; tlw. wurden die Räder durch den Matsch und über nasse
Straßen getragen. Bei vernünftiger Fahrweise hat man aber auch diesen Abschnitt
fahrenderweise gut meistern können. In der Ebene wiederum 20 km vom Fuß des Col de
la Croix de Fer bis zum Einstieg in den Col du Telegraphe (1570 m) das übliche Bild: vorne
ein dahinfliegendes Tandem, das die kleinen Grüppchen einsammelt und schließlich mit
einem Schwanz von 20 bis 30 Halfbikern in den Anstieg ging. Der Col du Telegraphe war eigentlich
einfach zu meistern, bei der Auffahrt haben uns zunächst die vereinzelten Regentropfen
nicht gestört, wobei es auf dem letzten Kilometer doch recht heftig anfing zu regnen, so
daß bei der Abfahrt die Straßen patschnaß waren. Die in Valloire erhoffte
Verpflegung blieb dann aus, zum Glück machte uns aber ein freundlicher Ordner
(im übrigen war die Organisation hinsichtlich der Streckenposten einwandfrei) drauf
aufmerksam, daß die in Valloire erwartete Verpflegung etwa einen Kilometer hinter der
Ortschaft bereits im nächsten Anstieg auf den Col du Galibier (2642 m) vorhanden sei. Wir
fanden dies eigentlich gar nicht so schlecht, weil wir uns auf der etwa 4-5 km langen Abfahrt
vom Telegraphe bis Valloire doch wieder etwas ausgeruht hatten und so einen guten Kilometer
Anstieg gut vertragen konnten, wobei sich beim Stoker aber schon die ersten
Ermüdungsanzeichen bemerkbar machten und eine Pause herbeigesehnt wurde. Die
Verpflegungsstelle an sich war von der Art der Verpflegung gar nicht schlecht. Es gab
reichlich Powerbars, Getränke, viel getrocknetes Obst, kandierte Ananasringe und Orangen.
Letzteres hat sich als Flüssigkeitsquelle hervorragend in den Pausen geeignet. Allerdings
hat die Verpflegungsstelle ausgesehen wie ein Saustall. Wir haben nirgends ein so
undiszipliniertes Verhalten erlebt wie an diesen Verpflegungsstellen. Nachdem wir uns hier
wieder einigermaßen erholt hatten, ging es nun an den von uns beiden gefürchteten
Anstieg auf den Galibier. Weiterhin befanden wir uns in einem relativ großen Fahrerfeld,
insgesamt etwa in der Hälfte des Gesamtfeldes, was bis zum Schluß, wie wir an der
Gesamtwertung ablesen konnten, so blieb. Für den Stoker war der Anstieg auf den Galibier,
zumindest auf den oberen Kehren, die absolute Hölle. Aber, wir sind ihn tatsächlich
bis auf eine Pause durchgefahren, während so mancher Solofahrer schon halb tot im
Straßengraben lag. Schließlich... auf der Paßhöhe des Galibier
angekommen, war uns eigentlich vollkommen klar, das war’s für uns gewesen. Jetzt noch
runter nach Bourg-d’Oisans und dann nach Hause. Oben am Galibier trafen wir einen Offenbacher,
den wir bereits am Vortag getroffen hatten. Er beruhigte uns, indem er meinte: "Wir seien
für die Anmeldung am Vortag eh schon nach Alpe d’Huez hoch gefahren, so daß wir den
abschließenden Anstieg, der uns hätte noch bevorstehen sollen, ja nicht mehr
brauchten". Nun, jetzt lag erst einmal die lange Abfahrt vom Galibier, den Col du
Lautaret (2057 m) passierend, vor uns. (Anm.: Licht/Rückstrahler ist für die 3-4
schlecht beleuchteten, teils kurvig verlaufenden Tunnel anzuraten.) In Bourg-d’Oisans
angekommen, hatten wir dann die Möglichkeit entweder direkt durch das Ziel der "Le
Marmotton" hindurch zu fahren und hier die Sache abzuschließen, oder die "La
Marmotte" mit dem Schlußanstieg nach Alpe d’Huez zu Ende zu fahren. Wir entschlossen
uns, nachdem wir uns auf der langen Abfahrt gut erholt hatten, zunächst eine Pause zu
machen und dann das weitere zu entscheiden. Wir machten auch hier wieder ausgiebige
Fressalienpause, wobei uns inzwischen der ganze süße Kram ziemlich auf den Keks
ging. Wir schlugen uns dann beide den Bauch mit frischem Baguette voll. Schließlich
entschlossen wir uns die letzten 21 Kehren nach Alpe d’Huez doch noch wenigstens zu versuchen.
Wir hatten ja keine Zeitvorgabe zu erfüllen, so daß wir in aller Ruhe dort hoch
fahren konnten. Nach einem halben Jahr Vorbereitung hätten wir uns wahrscheinlich schwarz
geärgert, wenn wir diesen letzten Part nicht wenigstens noch versucht hätten. Somit
begaben wir uns denn auch ganz langsam mit größtem Ritzel in den letzten Anstieg. Im
unteren Abschnitt halfen uns noch die vehementen Zurufe "Ein Tandem! Ein Tandem!!"
sowie heftiger Beifall von Seiten der am Rand sitzenden Holländer (das gesamte Rennen
befindet sich fest in holländischer Hand). Nach den ersten 3 Kehren mußten wir den
weiteren Kampf gegen den Berg dann ohne Unterstützung meistern. Inzwischen waren wir
jedoch beide ziemlich fertig, zogen aber immer noch an einigen Solisten vorbei; nur wenige
überholten uns. Am Straßenrand immer wieder Halfbiker-Halbleichen liegend oder in
Gruppen von 8 bis 10 "Fahrern" auf den Begrenzungsmauern der Kehren sitzend. Nachdem
nun zunehmend mehr Pedaleure sich laufenderweise fortbewegten, überlegte zumindest Silke,
ob wir nicht auch einen Teil der Strecke schieben sollten. Aber diese Schmach konnte Robert
nicht auf sich nehmen und so schoben wir unser Hinterteil wieder auf unser geliebtes Velo und
erstaunlicherweise waren die kurzen Erholungspausen immer wieder ausreichend um die
nächsten Kilometer gut voran zu kommen. Robert hatte bereits seit dem Anstieg auf den
Galibier unter Krämpfen zu leiden. Auf dem Tandem ist es (abgesehen von der Qual des
Captains) auch für den Stoker nicht gerade einfach, damit umzugehen. Man weiß eben
nicht was in dieser Situation das beste ist: stärker treten zur Entlastung des Anderen,
oder lockerer treten? Schließlich erreichten wir mit nur 3 Pausen im Anstieg das Ziel in
Alpe d’Huez mit einer Zeit von 11:12 h auf Platz 2281. Unsere reine Fahrzeit betrug 9:15 h.
Damit waren wir bei einer Gesamtstrecke von 180 km und 5000 Höhenmetern ganz zufrieden.
Wie sich im nachhinein herausstellte, waren wir unter knapp 5000 Teilnehmern das einzige
Tandem. Lediglich einen Liegeradler (als weiteren Exoten) haben wir auf dem Galibier gesehen.
Nachdem wir uns in Alpe d’Huez schließlich den Bauch mit einem angebotenen
4-Gängemenü noch vollgeschlagen haben,machten wir uns bei Sonnenuntergang auf den
Rückweg. Es kamen uns auch jetzt noch eine ganze Menge an Solofahrern entgegen, die doch
noch den Kampf mit dem letzten Anstieg aufgenommen haben. In der Zwischenzeit war es 20.30 Uhr
und nach einem kurzen Abendspaziergang fielen wir ziemlich erschöpft aber froh, es
geschafft zu haben, ins Bett. Zum Schluß: Die Organisation der Marmotte war von vorn bis
hinten perfekt. Reichlich Streckenposten sicherten die gesamte Strecke ab. Pasta-Party auch
noch für Spätankömmlinge reichlich, allerdings nur für die, die bis nach
Alpe d’Huez hochfuhren.
Zur Ausrüstung: Teilweise Fahrt in brütender Hitze, wobei es oben am Galibier empfindlich kalt war. Eine Woche später wurde der Galibier geschlossen bei Schneefallgrenze auf 1700m. Man sollte also für alles gerüstet sein. Ein Wort zur Verpflegung: Verpflegungsstellen sind zwar ausreichend vorhanden, wer sich aber nicht ausschließlich von Süßigkeiten ernähren möchte, sollte sich entsprechendes selbst mitbringen. Auch Getränke werden ausschließlich süß angeboten, einen Wasservorrat sollte man also selbst dabei haben, es gibt aber unterwegs auch immer wieder Brunnen mit Trinkwasser.
4. Tag (Sonntag, 02.07.00):
Es ist brütend heiß, Robert gönnt mir einen Tag Pause.
5. Tag (Montag 03.07.00): 72,3 km, 1350 hm
9 Uhr Start Bergzeitfahren nach Alpe d’Huez. Beim Warmfahren sichten wir schon eine
Unmenge ziemlich sportlich aussehender Solofahrer, so daß wir uns schon darauf
einstellten, die 21 mystischen Serpentinen alleine hinterher hochzufahren und hofften,
daß man auch eine halbe Stunde nach Ankunft des letzten Solofahrers noch den
Zielbereich für uns offenhielt. Teilnehmer so um die 200; ein Tandem. Die Einschreibung
mit dem Tandem hatte auch hier wieder hervorragend geklappt. Auf den ersten paar Kilometern
bergauf überholte uns fast das komplette Feld, aber es gab durchaus einige Solofahrer,
die bis zum Schluß hinter uns blieben. Wir kamen als 131. nach 1:22 h in Alpe d’Huez im
Ziel an, erstaunlicherweise noch vor Beginn der Siegerehrung. Wir lagen 32 min. hinter dem
Sieger. Zum Abschluß wollten wir dann eigentlich über den Col de Sarenne
zurückfahren, stellten aber nach etwa 2-3 km fest, daß die Straße so
schlecht ausgebaut war, daß sie für uns (wir hatten Rennschuhe, keine
Mountainbikeschuhe an) nur schlecht befahrbar war. So entschlossen wir uns zurückzufahren,
trotz wunderschönem Ausblick. (Wer die Schwierigkeiten eines schlechten
Straßenbelages und hin und wieder einmal Bächen, die über die Straße
verlaufen, nicht scheuen will, sollte sich den Col de Sarenne - landschaftlich gesehen - nicht
entgehen lassen. Eine entsprechende Bereifung und Beschuhung ist aber durchaus anzuraten.)
Nachdem wir von dem Bergzeitfahren nun beide doch recht K.o. waren, haben wir uns entschlossen,
unsere Siebensachen zusammenzupacken und weiter Richtung Süden zu fahren. Nächster
Zielort war Barcelonnette. Wir wählten hierbei die Strecke über den Col d’Ornon und
Gap. Am Abend stiegen wir dann noch einmal für 1 ½ h auf unser Velo und schauten uns die
Einstiege in die von Barcelonnette aus zu fahrenden Pässe an
( Col d’Allos, Col de la Cayolle, Col de la Bonette und Col de Var). Die Stellplatzsuche
gestaltete sich hier schwierig. Die einzigen offiziellen Stellplätze liegen an einer
Straße, die Hauptdurchfahrt für den Transitverkehr der Lkws zwischen Frankreich
und Italien ist (momentan nur Transitstraße wegen Bauarbeiten)., oder einige Kilometer
auswärts am Flugplatz. In der Nacht fand dann in der Nähe unseres Stellplatzes eine
Art Open-Air-Festival statt, so daß wir bis nach Mitternacht kein Auge zumachen konnten.
Wir entschlossen uns dann auf einen am Stadtrand gelegenen Parkplatz eines Supermarktes
auszuweichen.
6. Tag ( Dienstag, 04.07.00): 100,7 km, 2300 hm
Nachdem wir am Morgen mit dem Bus zunächst nach Barcelonnette hineingefahren sind,
haben wir in der Innenstadt neben dem Rathaus einen guten Stellplatz für den Tag gefunden.
Hier versorgten wir uns zunächst mit einem ausgiebigem Frühstück.
Anschließend starteten wir zu unserer ersten Paßtour, den Col de la Cayolle
(2326m hoch, 30,5 km Länge). Fahrzeit ca. 2:07 h hoch, Gesamtfahrzeit 2:55 h. Der
Paß ist insgesamt wunderschön, die Straße in etwas schlechterem Zustand,
aber insgesamt gut befahrbar. Wir hatten nur sehr wenig Autoverkehr (ca. 10 Pkws auf gesamter
Strecke bergauf).
Landschaftlich reizvoll; die ersten 2 Drittel des Anstiegs sind sehr flach,
erst am Beginn der Kehren fängt es an, ein wenig knackiger zu werden, wobei der gesamt
Paß sich aber gut bewältigen läßt. Nach ausgiebiger Mittagspause nahmen
wir den zweiten Teil unserer Tagestour in Angriff: den Col d’Allos (2247 m). Für den
Anstieg auf den Col d’Allos benötigten wir 1:42 h. Die Strecke war von Barcelonnette
etwa 20 km lang. Landschaftlich ist auch diese reizvoll, vom Streckenverlauf ähnlich wie
der Col de la Cayolle: eine ewig am Berghang langgezogene Gerade mit nur wenigen Kurven und
kaum Kehren. Zwischendurch ergeben sich immer wieder herrliche Ausblicke, insbesondere hat man
einen wundervollen Ausblick auf die Anfangsstrecke des Col de la Cayolle. Auch hier insgesamt
nur relativ wenig Autoverkehr, ein bißchen Vorsicht ist jedoch schon angeraten, da die
Straße tlw. sehr schmal ist, so daß man durchaus schon einmal plötzlich einem
LKW gegenüberstehen kann. Eine witzige Begebenheit gleich zu Beginn unserer Fahrt: man
hörte schon von weitem die Glocken von einer ganzen Herde von Kleintieren.
Schließlich sahen wir uns einer Herde von ca. 500 Schafen, 50 Ziegen, 5 Mulis und einem
Pferd gegenüber. Es blieb nur noch die Möglichkeit, uns an den Rand der Straße
zu drücken, um nicht von der Herde überrannt zu werden. Tja, und hin und wieder ist
man doch einmal froh, mit dem Rad unterwegs zu sein und nicht mit irgend so einem stinkendem,
vierrädrigem Gefährt. Ca. einen Kilometer vor der Paßhöhe saß eine
verzweifelte junge Dame neben ihrem Nobel-Roadster und bewegte sich keinen Meter mehr vor-,
seit- oder rückwärts. Wie sie uns berichtete, habe sie keinen Sprit mehr im Tank.
Tja, so etwas kann uns als Radfahrer, zumindest was den Tank betrifft, nicht passieren. Die
schönsten Aussichtspunkte sollte man sich so bereits bei der Auffahrt merken. Wir
handhaben es in der Regel so, daß wir bei der Abfahrt hier stehenbleiben und eine
Fotopause machen. Nach unserer Rückkehr nach Barcelonnette packten wir erneut unsere
Siebensachen zusammen und begaben uns in den nächsten Ort (Jausiers). Hier gibt es eine
gute Parkmöglichkeit am Ortsausgang hinter dem Sportpark, der vom 1. Juli bis 31. August
geöffnet hat und nur von 9 bis 19 Uhr gebührenpflichtig ist, danach kann man
kostenlos dort Baden gehen.
7. Tag (Mittwoch, 05.07.00): 91,9 km, 2500 hm
In der Früh unser ausgiebiges Baguette-Frühstück, anschließend
Fahrt auf den höchsten asphaltierten Paß Europas, den Col de la Bonette
(2802m, 24 km Länge). Relativ viel Autoverkehr (wobei der Verkehr längst nicht an
unsere österreichischen und italienischen Pässe herankommt), aber man trifft auch
ausgesprochen viele Radler. Bis auf etwa 2600m läßt sich der Paß recht gut
bewältigen, ist allerdings bis hierhin auch nicht ganz einfach. Ab der eigentlichen
Paßhöhe auf ca. 2650 m geht es dann noch einmal in eine wirklich knackige Steigung
auf den Col de la Bonette.
Die Straße führt einmal um den Bergkegel herum, um auf
die künstlich angelegte Paßhöhe von 2802 m und damit auf den
definitionsgemäß höchsten europäischen Paß zu gelangen. Diese
letzten Meter sind meineserachtens nicht nur sinnlos, sondern gehen auch ganz schön in
die Beine mit tlw. bis zu 12% Steigung, was sich bei jetzt schon knapp 2800 m Höhe doch
deutlich bemerkbar macht. Zur Gesamtauffahrt: Robert meinte, daß er die Landschaft recht
schön fand, während Silke den gesamten Aufstieg eigentlich eher ziemlich langweilig
empfand. Aber beide waren wir der Meinung, daß der Col de la Bonette sicher längst
nicht an den Col de la Cayolle und den Col d’Allos herankommt; man muß ihn eben gefahren
sein. Die Abfahrt war dann recht zügig. Das einzige Hindernis waren die Autofahrer, die
meinten, diese Abfahrt als Sonntagsfahrt genießen zu müssen, also sprich, zu langsam
um hinterherzufahren und zu schnell, um sie auf den kurvenreichen Straßen zu
überholen. Da Robert’s überschüssige Energie immer noch nicht abgebaut war,
entschlossen wir nach einer längeren Pause den ursprünglich für den morgigen
Tag geplanten Col de Vars (2109 m) von Süden noch in Angriff zu nehmen. 22 km, wobei 15 km
sich ziemlich flach dahinzogen und es dann ab 7 km vor der Paßhöhe relativ
plötzlich derbe bergauf ging mit Steigungen tlw. bis zu 13 %. Ein Friedensumkehrangebot
von Robert wurde trotzdem abgelehnt. Nach dem üblichem "Paßfoto" dann die
Abfahrt, wobei wir nach etwa 5 km bei heißgelaufener Trommelbremse eine
Abkühlungspause für die Bremse einlegen mußten, die sich in der Zwischenzeit
mit lautem Knacken und Quietschen über die Anstrengung beschwerte. Am Stellplatz
angekommen, konnten wir dann noch ein Bad im See nehmen, den wir jetzt fast für uns
alleine hatten.
8. Tag (Donnerstag, 06.07.00): 53,1 km, 800 hm
Mit dem Auto morgens von Jausiers über den Col de Vars nach Guilestre. Das interessanteste dieses Tages war die Hinfahrt; wir landeten im Anstieg auf den Col de Vars mitten in einer Schafherde. Durch diese versuchten uns die Schäfer einigemale mitten hindurchzulotsen, was im dritten Anlauf schließlich mit Augen zu und durch auch gelang. (Ein einfach geniales Erlebnis. Ich starb auf dieser Fahrt tausend Tode und überlegte schon welche Versicherung wohl für die toten Schafe aufkommen würde, aber erstaunlicherweise haben wir kein einziges überfahren.) Inzwischen war es wieder ziemlich heiß geworden und da die Abfahrt von Vars in Richtung Guilestre auf neugeteerter Straße erfolgte, entschlossen wir uns bei fortgeschrittener Tageszeit und brütender Hitze nicht mehr von der Nordseite den Col de Vars anzugehen. Statt dessen machten wir Pause bis zum Nachmittag und begannen dann als Ausgleich den etwa 42 km langen Aufstieg zum Col d’Agnel in Angriff zu nehmen. Der erste Teil verläuft durch eine wunderschöne Schlucht, leicht ansteigend, in dessen Verlauf zumindest der Stoker die gesamte Zeit den Kajakfahrern zuschauen konnte. Nachdem wir das Tal südwärts Richtung Col d’Agnel verlassen hatten, blies uns ein scharfer Gegenwind ins Gesicht, der uns zusätzlich zur Hitze und dem jetzt doch ziemlich steilen Anstieg auf etwa 1780 m bei Moulines-en-Queyras zum Umdrehen veranlaßte. Wir waren beide körperlich und auch mental K.o. und eigentlich mit der landschaftlich doch schönen Tour zufrieden. So hakten wir diesen Tag als Ruhetag ab.
9. Tag (Freitag 07.07.00): 40,2 km, 1100 hm
Wegen der zu erwartenden Hitze entschlossen wir uns bereits um 9 Uhr den Col de Vars von
Norden aus zu erklimmen. Nach 1:41 h erreichten wir das etwa 20 km entfernte Ziel, den
Col de Vars auf 2109 m. Im unteren Teil begann es zunächst relativ steil, es folgte dann
ein leicht zu meisterndes Flachstück, im oberen Teil wurde es wieder etwas steiler, wobei
uns hier der heftig einsetzende Gegenwind doch ganz gut zu schaffen machte. Landschaftlich
schön zu fahren; weniger schön ist die Durchfahrt durch die Trabantenstadt im oberen
Teil von Vars (Skisportgebiet), bevor es dann wieder an zwei landschaftlich schön
gelegenen Seen vorbei bis zum Gipfel hinaufgeht. Bemerkung am Rande: am oberen Ortsausgang von
Vars befindet sich rechter Hand ein offizieller Wohnmobilstellplatz, ruhig gelegen, aber
sicherlich nachts recht kühl. Danach ging es dann mit dem Wohnmobil weiter nach Briancon.
Der im Vorjahr für Wohnmobilisten noch kostenlos zu benutzende Parkplatz war dieses Jahr
leider tagsüber kostenpflichtig, wobei mit einem Halbtagessatz von 10 Francs bzw. einem
Ganztagessatz von 15 Francs sich die Parkgebühr in Grenzen hielt. Wir nutzten den Rest des
Tages noch für einen ausgiebigen Stadtbummel im wirklich schönen Altstadtkern von
Briancon. Zu empfehlen ist auf jeden Fall zunächst der Gang zum Tourist Office,
da Briancon ein Menge zu bieten hat, insbesondere in den Sommermonaten. Desweiteren lohnt sich
auf jeden Fall ein kleiner Spaziergang zur Pont d’Asfeld. Von hieraus hat man einen
wunderschönen Blick in die Schlucht, die entlang des alten Stadtkernes von Briancon
verläuft, sowie in eines der angrenzenden Forts. Briancon ist sicherlich nicht nur
für Radler, sondern auch für kleinere Tagesausflüge gut geeignet, insbesondere
wenn man bei schlechtem Wetter mal einen Tag mit touristischen Sehenswürdigkeiten
verbringen will.
10. Tag (Samstag , 08.07.00): 28,0 km, 400 hm
Ortswechsel von Briancon nach Serre Chevalier. Einschreibung für das "Rennen" am Folgetag. Spaziergang durch den Ort und Anfangsteil der Tour des Folgetages abgefahren. Wir hatten diesen Tag als Ruhetag geplant, bzw. ursprünglich wollten wir für "Ruhetage" Roberts Solomaschine mitnehmen. Es hinderte uns eigentlich nur der erhebliche tägliche Umräumakt von Tandem + Solomaschine in unserem VW-Bus daran beides mitzunehmen. Somit gab es verdiente Verschnaufpause für Silke und Zwangspause für Robert. Gute Organisation bei der Einschreibung, so daß es keine Probleme mit der Meldung als Tandem gab. Anmeldegebühr war die Gebühr für eine Solomaschine (also pro Rad, nicht pro Nase). Wir haben auch früher schon die Erfahrung gemacht, daß es einen speziellen Tandemtarif gibt, der etwas über dem Solotarif liegt, jedoch billiger als 2 Solotarife ist.
11. Tag (Sonntag 09.07.00): 140,4 km, 2250 hm
Scheißtag. Aufstehen um 6 Uhr, fertig machen für den Start für das "Rennen" in Serre Chevalier (Serre Che-Luc Alphand). Beim Start (ca. 800 Teilnehmer) stellten wir fest, daß es außer uns noch zwei weitere Tandems gab, somit hatten wir also das erste mal wirkliche Konkurrenz. Nach dem neutralisierten Start ging es auf engen Straßen zunächst ca. 15 km bis zum eigentlichen Start. Wir hatten uns fast bis zur Spitze des Feldes vorgearbeitet, als wir nach weiteren 2 km hinten einen Plattfuß hatten. Ausgerechnet hinten! Die Reparatur kostete uns 17 min. (Trommelbremse raus, Laufrad raus, Schlauchwechsel, Rad rein, Trommelbremse einbauen - in knöchelhohem Gras) und einiges an Nerven. Freundlicherweise wartete der Besenwagen solange, bis wir mit der Reparatur fertig waren und schloß hinter uns das Feld ab. Auf den folgenden 40 km bis zur ersten Verpflegung hatten wir wieder Anschluß an das Feld gefunden, aber unsere Hoffnung auf einen Tandemvergleich oder zumindest eine gemeinsame Tandemfahrt wurde mit jedem Kilometer geringer. Die Verpflegungen waren auch hier ausreichend und gut, liefen jedoch deutlich gesitteter ab als bei der Marmotte. Schließlich, mitten im Aufsieg auf den Col d’Izoard (2360m), sichtete Robert vor uns das erste Konkurrenzteam (Widerspruch Silke: endlich mal ein gleichwertiges Gefährt). Wir zogen mit Leichtigkeit an diesem vorbei, der Aufstieg zum Col d’Izoard fiel uns relativ leicht. Insbesondere die letzten Kilometer bieten einen phantastischen Blick, den wir in unseren Fahrten in den Alpen auf keinen Fall missen möchten! Dieser Paß ist sowohl von Norden als auch von Süden wunderschön zu fahren. Die Steigungen sind zwar kräftig aber gleichmäßig und somit für Tandems gut geeignet. Große Abschnitte des Aufstieges liegen in waldigem Gebiet, so daß auch bei sommerlichen Temperaturen die Fahrt angenehm ist. Die Abfahrt war bei fast komplett neu asphaltierter Straße und genialem Engagement der Organisation, grandios. An jeder Einmündungsstelle war ein Gendarm oder Ordner postiert, so daß es nicht möglich war sich zu verfahren. Zusätzlich war der schwierige Abfahrtsbereich am oberen Teil des Col d’Izoard vollständig für den Verkehr gesperrt. Nach einem kleinen Fahrfehler am Ende der Abfahrt in den Ort nach Briancon, den wir zum Glück ohne körperlichen und technischen Schaden meisterten, ging es dann noch durch Briancon und schließlich auf der Hauptstraße entlang zurück nach Serre Chevalier, wo wir nach einer Fahrzeit von 5:29 h bei 140 km Strecke als 403. im Ziel ankamen. Bei der anschließenden Siegerehrung gab es eine gesonderte Tandemwertung. Jetzt bekamen wir zum ersten mal auch das 3. Tandem zu Gesicht: Stahlrahmen, leichte Bauweise von der wir das Gefühl hatten, daß diese relativ starken Schwingungen ausgesetzt sein mußte. Als Bremsen lediglich RX100 ohne zusätzliche Trommel- oder Scheibenbremse. Der Rahmen selbst nicht mit dem sonst üblichen Lateralrohr versehen. 36-Loch Laufräder mit Keramikbeschichtung. Wir waren etwas erstaunt, daß ausgerechnet dieses Tandem den zusätzlichen Weg auf den Col de Granon genommen hatte mit zusätzlichen 1000 Höhenmetern.
Da das Wetter zunehmend schlechter wurde, verließen wir Serre Chevalier noch am gleichen Abend in Richtung Briancon.
12. Tag (Montag, 10.07.00):
Dauerregen
13. Tag (Dienstag, 11.07.00):
Dauerregen
14. Tag (Mittwoch, 12.07.00): 42,1 km, 800 hm
Nach zwei Tagen Regen ist es nach wie vor kühl, aber es kommen nun endlich doch
zunehmend blaue Flecken am Himmel. Die Schneefallgrenze ist bis auf 1700 m heruntergekommen,
so daß eine Reihe der Berggipfel um uns herum weiße Spitzen haben. Einige
Amerikaner, die wir heute morgen getroffen haben, erzählten uns, daß sie am
Col du Lautaret sowie am Col de la Madelaine im Schnee gefahren sind, der Galibier sei
gesperrt. Wir haben, nachdem das Wetter nun doch zunehmend besser aussah, beschlossen, die
morgige Strecke für das zweite Bergzeitfahren abzufahren. Es ging zunächst vom
Parkplatz in Bourg-d’Oisans hinauf bis knapp an die sechste Kehre bei Huez, dort (dachten wir)
den üblichen Anstieg verlassend, in Richtung Villard-Reculas. Mit einem wunderschönen
Ausblick über das gesamte Tal der Romanche bzw. den Anfangsverlauf des Aufstiegs auf den
Col d’Ornon. Von hier ging es dann weiter über Sardonne und schließlich am Stausee
von Allemont entlang bis zum Wasserkraftwerk von le Verney. Dann auf der Hauptstraße
flach zurück bis nach Bourg-d’Oisans. Da es zwischendurch immer wieder mal zu nieseln
anfing und auch recht kühl auf der Abfahrt war, entschlossen wir uns, ein bißchen
Fahrradreparatur vorzunehmen und wechselten den vollkommen abgefahrenen Hinterreifen gegen den
noch guten Vorderreifen aus, der Vorderreifen wurde komplett erneuert. Bei der Neujustierung
der Schaltung half uns mit dem Aufbocken ein Fahrradhändler mitten in der
Fußgängerzone von Bourg-d’Oisans (hier finden sich immer mal relativ gute
Sonderangebote, was Radkleidung betrifft). Nach einer Cidre-Orgie begaben wir uns dann
relativ früh ins Bett.
15. Tag (Donnerstag, 13.07.00): 65,3 km, 1750 hm
Das Wetter wird wieder besser, es ist ein paar Grad wärmer geworden, die Berggipfel sind aber nach wie vor schneebedeckt. 9 Uhr Start zum zweiten Bergzeitfahren (ca. 60 Starter). Start ist in Bourg-d’Oisans am Einstieg nach Alpe d’Huez. Bei der Einschreibung stellten wir fest, daß entgegen unserer bisherigen Annahme das Bergzeitfahren nicht nur bis Huez sondern bis Alpe d’Huez hoch und von da aus wieder zurück nach Huez ging. Von hier aus nun die Querfahrt am Hang entlang wie bereits am Vortag beschrieben nach Villard-Reculas und abwärts zur Barrage du Verney. Anschließend dann der Schlußanstieg nach Vaujany. Hier kam dann der zweite Hammer: das Ziel war nicht, wie von uns angenommen in Vaujany, sondern am Collet du Vaujany, also zusätzliche 250 Höhenmeter. Wir waren wieder einmal das einzige Tandem, aber immerhin von den 60 Teilnehmern, die auf der Ergebnisliste standen, waren wir als 51. ins Ziel gekommen. Beim Schlußanstieg nach Vaujany lieferten wir uns ein kleineres Rennen mit einem französischem Halfbiker, das wir schließlich auf Höhe von Vaujany für uns entscheiden konnten. Nach heftiger Gegenwehr des Franzosen war er schließlich beim dritten Angriff deutlich unterlegen und gab jegliche Gegenwehr auf. Nachdem wir an der Bergstation von Vaujany noch ein wenig die Sonne genossen und einige angebotene Getränke zu uns genommen haben, nahmen wir dann die Rückfahrt in Angriff. Am Abend gab es vom Fremdenverkehrsbüro Bourg-d’Oisans eine Spezialitätendarbietung, bei der verschiedene Patisserien aus dem Ort ihre kleineren und größeren Kunstwerke zum Probieren anboten. Man konnte hier unter gesitteten Umständen sämtliche süßen Köstlichkeiten der Region z.B. Myrtillen- oder Nußtörtchen, sowie Eclaires usw. probieren. Nachdem wir hier reichlich zugeschlagen haben, begaben wir uns schließlich zurück zum Bus zu einem guten Rotwein, der uns die notwendige Bettschwere verschaffte.
14. Tag (Freitag, 14.07.00):
Regen, Regen, Regen. Nach Einkaufsbummel am Morgen Stellplatzwechsel nach le Verney (wenn man am Kraftwerk vorbeifährt, die Auffahrt nach Vaujany rechts liegenlassend, gibt es links einen Abzweig nach le Verney. Hier bei dem Einfahrtsverbotsschild nicht in Richtung le Verney, sondern rechts dem Parkplatzhinweis folgend. Man findet hier einen ruhigen am Bach gelegenen Parkplatz.)
Vom Kraftwerk aus sind wir die etwa 4,5 km im Regen zu Fuß zur Einschreibung für das morgigen Rennen nach Vaujany hochgegangen und haben für uns aufgrund der miesen Wetterverhältnisse geklärt, daß für die Trophee de l’Oisans auch die kleine Vaujanyrunde ausreichend ist (normalerweise gehören zur Trophee sowohl die " La Marmotte", also nicht die "Le Marmotton", als auch die große Vaujanyrunde). Aufgrund des seltenen Ereignisses, daß die Trophee von einem Tandem gefahren wird, war man mit einem Hinweis, daß die große Tour für ein Tandem nicht fahrbar sei, bei der Organisation bereit, auch die kurze Runde zu akzeptieren. Danach haben wir uns dann wieder in unseren warmen schönen Bus zurückgezogen und haben diesen genossen, nachdem ein belgischer Halfbiker mit seinem bis unters Dach vollbepackten Auto neben uns stand und heroischer Weise bei strömendem Regen draußen seine Spiegeleier kochte und im Schneidersitz auf dem nassen Boden sitzend offensichtlich mit sich und der Welt zufrieden war (Tja, wir wären es wohl nicht gewesen).
16. Tag (Samstag 15.07.00): 120,7 km, 2450 hm
6 Uhr Aufstehen. Es ist eiskalt, 10 Grad, bedeckter Himmel, aber kein Regen
(Aussicht auf Besserung). Start unseres Rennens um 7.15 Uhr am Wasserkraftwerk in le Verney.
Die ersten 25 bis 30 km leicht abfallend auf der Bundesstraße in Richtung Grenoble,
wobei
der Verkehr in unsere Fahrtrichtung vollständig gesperrt und der Gegenverkehr für
jede einzelne Gruppe von der Polizei angehalten wurde. Die einzelnen Gruppen hatten jeweils ein
Polizeimotorrad als Begleitschutz vorausfahrend. Wir fuhren in einer Gruppe im hinteren Drittel
mit einem Schnitt von etwa 42 km/h; wie sich das gehört als einziges Tandem der
größeren Gruppe vorauseilend, ohne wesentliche Anstrengung. In Sechilienne ging es
links ab zum 13 km langen Anstieg nach l’Alpe du Grand Serre von 390 auf 1360 m. Eine
wunderschöne, im Wald verlaufende Strecke mit relativ konstanter Steigung. Wir haben die
Erfahrung gemacht, daß auf diesen langen nicht ganz geringen Steigungen wir als Tandem
kaum Nachteil gegenüber den Solisten haben. Somit blieben wir auch hier eigentlich
konstant in der selben Gruppe, erst bei der Abfahrt machen sich dann die guten
Tandemqualitäten wieder bemerkbar, so daß wir die knapp vor uns auf dem Gipfel
angekommenen Kletterer doch zügig wieder einholen konnten. Weiter ging es leicht
hügelig mit einem recht knackigen Zwischenanstieg nach Valbonnais. Hier wieder gute
Verpflegung mit Käse und Wurst aus der Region und frischem Baguette sowie nach Herzenslust
getrockneten Früchten und Powerbars. Man spart hier durchaus nicht und war auch sehr
freundlich. Zwei zusätzliche Wasserverpflegungen hatte es auf l’Alpe du Grand Serre, sowie
später auf dem Col d’Ornon gegeben. Weiter ging die Fahrt dann bis Entraigues, hier links
ab zum Col d’Ornon (1371 m). Inzwischen war es heftig windig geworden, so daß uns in dem
schmalen Ornon-Tal auf der ewig langen Geraden zum Col d’Ornon hoch (erst auf den letzten drei
km kommen einige Kehren), heftiger Wind entgegenblies. Obwohl der etwa 12 km lange Anstieg auf
den Col d’Ornon insgesamt nur eine geringe Steigung aufweist, haben wir uns bei dem heftigen
Gegenwind doch recht schwer getan, aber der Vorteil des Tandems (mit optimalem Windschatten
für den Stoker) zeigt sich daran, daß die meisten Solofahrer chancenlos bereits nach
wenigen Metern aus dem Windschatten fielen. Danach folgt dann eine landschaftlich tolle Abfahrt
hinunter nach Bourg-d’Oisans, dann weiter an der Bundesstraße entlang bis zum Abzweig
nach Allemont und zum Start zurück nach le Verney, wo dann noch der Schlußanstieg
nach Vaujany (4,6 km heftig bergauf mit bis zu geschätzten 12 %) wartet. Am Ziel wird ein
liebevoll hergerichtetes 4-Gängemenü (radlergeeignet) angeboten. Nachdem es hier doch
ziemlich kalt wurde, haben wir uns entschlossen, dann zügig wieder zurück zum Bus zu
fahren. Nach den Erfahrungen des letzten Jahres wußten wir, daß das Trampen nach
Vaujany hoch kein Problem ist, und somit sind wir zur Siegerehrung per Anhalter nach Vaujany
hoch gefahren und haben uns dann auf den Rückweg nach Geneve gemacht. Rückfahrt
wieder über den Col du Mont Sion (von Annecy gerade hoch nach Geneve) und Stellplatz in
Beaumont ca. 7 km vor Geneve.
17. Tag (Sonntag, 16.07.00):
Heimfahrt über die Schweiz bei Sonnenschein und Regenschauern.
Gesamtkilometer: 980,7
Gesamthöhenmeter: 21800
Resumee: Die französischen Alpen sind landschaftlich unbedingt empfehlenswert und für’s Tandem bei entsprechender Kondition und Ausrüstung gut geeignet.
Robert Koch
Jörg Buchholz Letzte Änderung: 2000-08-14