Abenteuerurlaub mit dem Tandem in der Normandie

Bericht von der internationalen Tandemrallye 1998-05-23 - 1998-05-30 in Moyaux (Frankreich)

Eigentlich hätte es für uns eine "ganz normale" Tandem Rallye werden sollen, aber es wurde teilweise eine regelrechter Abenteuerurlaub.

Nachdem sich trotz mehrfacher Aufrufe in unserer Mailingliste kein weiterer Teilnehmer mehr fand, fuhren Beate und ich also alleine am Samstag 1998-05-23 von Stuttgart nach Moyaux in der Normandie, mit unserem Santana Fusion im Auto. Es waren exakt 800 km und etwas über 10 Stunden Fahrzeit. Moyaux erwiess sich als noch kleineres Nest als befürchtet:
keine 1000 Einwohner, aber dafür mit einem Campingplatz mit fast ebenso vielen Campern! Angemeldet hatten sich über 500 Teilnehmer für die Tandem Rallye, die Organisation durch den UK Tandem Club und 2 Eingeborene (ein französisches Tandempaar vor Ort) war aber trotz dieser gigantischen Teilnehmerzahl perfekt! Ich hab sie nicht um diesen Job beneidet!

Beate und ich wollten aber nicht campen und so hatten wir durch Vermittlung von Carolyn vom UKTC eine französische Gite (ein einfaches Ferienhaus mit Selbstverpflegung) zusammen mit einem englischen Paar (Tony und Janet) bekommen. Die mussten wir aber erst mal finden, was gar nicht so einfach war! Wir fuhren erst nach Moyaux hinein und dann zum Campingplatz um zu grübeln, wie man unter 500 Briten "unsere" Engländer finden könnte. Die Lösung war aber ganz trivial: auf dem Campingplatz- Parkplatz wurden wir von einem etwas älteren Paar (ca Mitte 50) angesprochen, ob wir Ulli und Beate wären, die mit ihnen eine Gite gemietet hätten. Perfekt :-)

Die Gite erwies sich als kleines Häuschen mit 2 Schlafzimmern, einem Wohnzimmer, Bad und Toilette sowie einer perfekt ausgestatteten Küche inklusive Spülmaschine! Dazu noch einer Fahrradgarage, viel Garten aussen rum und netten Schafen (Mäh!) im Nachbargrundstück. Dafür zahlten wir für 6 Tage komplett umgerechnet 400 DM, also etwa 17 DM pro Tag und Person. Camping wäre teurer gekommen :-)

Für Moyaux war so ein Treffen natürlich etwas ganz besonderes und so wurden wir am Abend offiziell vom Bürgermeister auf dem Kirchplatz empfangen. Entsprechend den Teilnehmern wurde die Ansprache in französisch, englisch, deutsch und holländisch gehalten, was die Sache entsprechend etwas in die Länge zog :-)

Apropos Teilnehmer: etwa 90% waren Briten, dann kammen je etwa 5-10 Paare Franzosen, Holländer, Belgier und Deutsche, ein paar Kanadier und je ein Paar aus USA, Israel und Australien (ich hoff, ich hab kein Land vergessen)!

Die allermeisten waren auf dem Campingplatz untergebracht, nur einige wenige zogen Gites oder gar Pensionen vor. Den Vogel schoss allerdings eine britische Familie ab, die mit einem goldenen Rolls Royce und einem riesigen Wohnwagen anrückte.

Wie zu jeder Rallye gab es je 3 Tagestouren mit ca 40 km, 75 km und 100 km. Jedes Teilnehmerpaar bekam in seiner Sprache für jeden Tag einen Zettel mit der Tourenbeschreibung. Im Gegensatz zu den sehr detailierten Beschreibung vom letzen Jahr in Virton/Belgien, waren sie dieses mal eher als eine "Diskussionsgrundlage" anzusehen, wie Tony es treffend formulierte. Mit anderen Worten: ohne Landkarte war man völlig verloren, mit Landkarte nur ein bisschen :-)
Alle Entfernungsangaben waren um 10-20% zu kurz, man fuhr also wesentlich länger als geplant.

Das Wetter am Samstag und Sonntag war bestens radfahrgeeignet: leicht bewölkt mit immer wieder viel Sonnenschein und Temperaturen um 20°.

Die erste Tour am Sonntag führte uns nach Le Bec Hellouin, ein Kloster bzw Abtei aus dem 11. Jahrhundert, das immer noch von Mönchen und Nonnen bevölkert ist. Die Gebäude waren imposant wuchtig und die Mönche sahen witzig aus mit ihren komplett weissen Gewändern. Sehr wallend und nachts bestimmt mit Gespenstern zu verwechselnd :-)

Als wir wieder starten wollten, bemerkten wir einen Platten, natürlich hinten. Mist. Also Hinterrad ausbauen, Ersatzschlauch aufziehen und beim Einbauen prompt die Kette verhakeln. Ein freundlicher Holländer mit anscheinend reichlich viel Technikerfahrung half uns dann beim Zusammenbau. Überhaupt war die Hilfsbereitschaft und Kameradschaft ganz enorm! Man durfte bloss mal anhalten und sein Tandem anschauen, schon kamen andere Tourteilnehmer vorbeigefahren oder hielten gleich an: "Do you have any problems? Can we help you?".

Wegen unserer Panne und weil wir auch reichlich spät gestartet waren, waren wir die zweite Hälfte dieser Tour ziemlich alleine, alle anderen waren vor uns gefahren. Zudem hatten wir uns auch mal kräftig verfahren. Schuld daran war das ständige hantieren mit 2 Karten (wir fuhren genau im Randbereich) und die diffuse Streckenbeschreibung. Gegen Ende der Tour sahen wir noch ein Wildkaninchen und gleich darauf einen Feldhasen über unseren Weg hoppeln. Beate als erklärte Hasenliebhaberin war natürlich hellauf begeistert und alle Müdigkeit wie weggeblasen! :-)
Nach 93 km kamen wir doch noch relativ frisch in Moyaux wieder an. Die Strecke war nicht sehr hüglig gewesen und das Wetter war angenehm.

Am Montag überwogen die Wolken und es wurde mit 17° etwas kühler, aber es blieb trocken. Diesmal ging es nordwärts über eine schnurgerade alte Römerstraße nach Port Audemar. Der Belag dieser Römerstraße musste allerdings aus der Neuzeit sein, so glatte Straßen kommen in den Asterixheften nicht vor :-)

Aus dieser Strecke machten wir mit einem kanadischen Tandempaar ein kleines Wettrennen: wir überholten uns abwechselnd und saussten mit 40-50 km/h dahin. Dabei überholten wir jede Menge andere Tandemfahrer, die wir und die uns dabei anhupten, klingelten oder quietschten, denn viele Tandems waren mit Quietschetieren bestückt. Unseres z.B. mit einem Pandabären auf Beates Lenker. Leider fiel Tags zuvor meine Fahrradstereoanlage aus und so mussten wir dieses mal ohne Wagner und Deep Purple Beschallung fahren. Aber es gab genug zu reden unterwegs, so daß dies nicht sehr ärgerlich war. Umso ärgerlicher dagegen war der Defekt meines Fotoapparats, so daß wir dieses mal keine eigenen Bilder machen konnten.

Hinter Pont Audemar ging es etwa 150 m einen bewaldeten Ringwall hinauf, der ein ca 20 km im Durchmesser großes Überflutungsgebiet der Seine halbkreisförmig umschloss. Der Ausblick von oben war phantastisch! Man konnte bis zum Meer sehen und überhaupt sah das ganze fast ein bisschen nach Ngoro-Ngoro-Krater aus. Nur die Löwen im Kratergrund entpuppten sich später als Schafe und die Gnus waren dann doch eher Kühe :-)

Wir fuhren also in den "Krater" hinunter und immer am Ringwall entlang weiter bis zu Quillebuf sur Seine wo wir zusammen mit vielen anderen Tandemisten Pause machten. Das war wärend der ganzen Rallye immer wieder das Schöne: an markanten Punkten sammelten sich unweigerlich sehr viele Tandemteams an, man futterte gemeinsam, lies sich von den Einheimischen bestaunen und beredete alles Mögliche was zum Tandemfahren eben alles so gehört.

Die weitere Tour führte immer der Seine entlang, wo es sehr schön ist! Viel Wald und Wiesen, sehr wenig Autos und freundlich winkende Leute. An dem Punkt wo wir die Seine wieder verlassen mussten um südwärts zurück zu fahren, trafen wir unsere "Rennkanadier" vom Morgen wieder. Der Captain meinte nur: "Please, no more racing! You are too strong!" Komisch. Genau dasselbe wollte ich ihnen auch grad sagen :-)

Durch einen großen Wald gings zurück über Pont Audemar nach Moyaux. Leider stimmte mal wieder die Entfernungsangaben auf dem Tourzettel nicht und anstelle von 103 km waren es am Abend dann 121 km und wir entsprechend fertig. Man sollte sich auch nicht durch Wettfahrten zu Beginn einer Tour zu sehr vorausgaben... aber Spaß gemacht hatte es trotzdem allemal :-)

Am Abend war "Spieleabend" angesagt und wir schafften es nach dem Duschen gerade noch rechtzeitig auf den Campingplatz zu kommen. Dort gab es wie letztes Jahr Eierfahren (Stoker unter 12 mussten Eier auf Löffeln halten wärend ihr Captain auf einer Wiese eine lange Acht fahren musste) und Ringstechen (Stoker mussten mit einem Besenstil kleine Holzringe von einer Querstange auffädeln). Neu im Programm war dieses mal allerdings Tandemlimbo! Und das hatte die meiste Gaudi produzierte: eine Querstange wurde immer tiefer gelegt und die Wettkampfteilnehmer mussten unten durchfahren. Umso tiefer die Stange wurde um so mehr verrenkten sich die Fahrer und um so mehr gröhlte das Publikum. Am Ende wurden teilweise die Sättel abmontiert und mit Karacho vor der Stange das Tandem halb schräg liegend verlassen. Beschreiben kann man diesen Spass kaum! Ich war fast heiser vor Lachen!

Bei diesen Spielen trafen wir dann doch noch anderen Mitglieder unserer Mailingliste, die sich still und heimlich angemeldet hatten! Jetzt kommt das Outing: Bruno und Carmelita aus Aachen (die organisieren die Tandemrallye 1999 in Dings äh... jedenfalls nördlich von Aachen :-) ) und Ingo und Diane aus Bochum (?). Beide Paare kannten wir von frühreren Treffs. Nachdem wir sie erst mal ein bisschen geschimpft hatten, weil sie sich zuvor nicht gemeldet hatten, war die Freude dann doch groß und wir hatten uns eine Menge zu erzählen. Ingo hatte zwischenzeitlich sein Cannondale mit einer NOCH monströseren Federgabel ausgerüstet als letztes Jahr. Es sieht wirklich beeindruckend aus. Für die weiteren Touren vereinbarten wir zusammen mit Ingo und Diane zu fahren, weil wir uns mit ihnen sehr gut verstehen und auch unsere Geschwindigkeiten harmonieren.

Die Dienstagstour wurde fast noch anstrengender als die Tags zuvor, obwohl wir dieses mal nur die mittlere und nicht die lange Strecke wählten. Diese Tour war nämlich SEHR hüglig! Immer wieder recht steil rauf, dann gleich wieder runter um wieder den nächsten Aufstieg hochzuächzen. Sowas liegt uns gar nicht. Dazu kam wieder eine sehr schlechte Streckenbeschreibung (da wurde glatt links mit rechts verwechselt) und entsprechende Irrwege und viele Stops zum Kartenlesen. Was uns sehr genervt hat, waren die viele hupende Autofahrer. Wir sind uns immer noch nicht sicher, ob die das zur Begrüßung gemacht haben oder weil sie uns von der Straße haben wollten. Dann kamen auch noch erste Regenschauer dazu und wieder ein Berg...
Wenigstens kam es unterwegs wieder viele nette Tiere zu beschauen: große Ziegenherden, Pferde, Schafe und Stallkaninchen. Nach 80 km kamen wir ziemlich fertig in Moyaux wieder an.

Am nächsten Morgen regnete es ununterbrochen und wir beschlossen einen Tag mit Tandemfahren auszusetzen. Passend zum schlechten Wetter kam von Tony dann auch die Horrorbotschaft der ganzen Veranstaltung: Tags zuvor hatte es einen tödlichen Unfall gegeben! Bei einer der vielen Abfahrten war bei einem englischen Tandempaar ein Bremsseilzug gerissen und mit der verbliebenen Bremse war die rasante Talfahrt nicht mehr zu kontrollieren. Das Tandem prallte gegen eine Mauer, der Captain war sofort tot und sein Stoker, seine Frau, lag nun schwer verletzt im Krankenhaus. Ich war noch beim Frühstück als Tony uns dies berichtete und mir blieb der Bissen wortwörtlich im Hals stecken. Was für ein furchtbares Ereignis!

Der eigentliche Mittwochsbericht kommt jetzt von Beate, denn es war IHR Tag :-)

Am Mittwoch regnete es schon am Morgen, und es sah auch nicht so aus, als ob es besser würde. So beschlossen wir, an dem Tag nicht zu fahren, sondern was anderes zu unternehmen. Der Prospekt von einem Zoo mit Bauernhof-Tieren ("Musee de la cour-basse") bei Lisieux kam uns da gerade recht, zudem dort auch Kaninchen abgebildet waren (wer mich kennt weiss daß ich Kaninchen unheimlich mag). Der Besuch war ein voller Erfolg: Neben niedlichen Schafen, Gänsen, Enten und unzähligen Hühnerarten waren da auch Hunderte von Stallhasen, die nur darauf warteten, gestreichelt zu werden und ihre Schnauzen durch das Gitter steckten. Das Beste war aber die Vorfuehrung ("Le Spectacle"), die dort geboten wurde: Gänse, die unter Anleitung eines Dompteurs niedlich im Kreis watschelten, Hähne, die auf Stangen balancierten, und, für mich der Höhepunkt, Kaninchen, die in einem Parcours über niedrige Hindernisse hoppelten! Manche wollten lieber an den Hindernissen nagen, als drüberzuhoppeln, andere kamen beim ersten Anlauf nicht rüber, so musste der Dompteur sie einen halben Meter zurücksetzen und erneut mit einem "allez hop" zum Drüberspringen auffordern. Das Wetter wurde zwar später doch noch schön, aber wir haben uns trotzdem nicht geärgert, dass wir, statt Tandem zu fahren, hierher gekommen waren :-)

Am Donnerstag war das Wetter wieder besser, zumindest am Morgen und so fuhren wir wieder mit Ingo und Diane los. Leider zog es sich nach 20 km bedrohlich schwarz zu und gerade als es anfing zu tröpfeln hatten wir auch noch einen Platten am Hinterrad! #$%&}%$$&§$!!!

Gleich nebenan war allerdings ein leerer Stall, der nicht verschlossen war und in den wir uns flüchten konnten. Gleich darauf prasselte es auch schon richtig los. Puh, wir wären sonst ganz schön nass geworden! Der Platten war durch ein kleines Steinchen verursacht, das sich einfach durch den Mantel gepiekst hatte. NOCH dachten wir uns nichts schlimmes dabei, ausser dem normalen Ärger... Nach etwa einer Stunde war das Gewitter vorbei und der Platten war längst repariert, so daß wir weiter fahren konnten. Die nächste Stadt, Orbec, war mal wieder völlig von Tandems belagert und wir setzen uns in eines der vielen Straßencafes. Nach Orbec war die Beschreibung mal wieder völlig Banane und so verfuhren wir uns wieder gewaltig. Egal, dafür kamen wir dann nach Broglie mit einem wunderschönen Stadtgarten und einem Bach mitten durch auf dem ganz viele kleine niedliche Entenküken schwammen, die natürlich sofort mit Brot gefüttert werden mussten! Wie die niedlich quakten! Unsere Tandem-Plüschente, die immer im hinteren Trinkflaschenhalter mit uns mitfährt, war auch ganz begeistert! Diesem Bach entlang folgten wir viele Kilometer durch ein schönes Tal auf verkehrsarmen Straßen. Am Ende mussten wir aus dem Tal wieder hinauf zurück zur Hochebene. Es zog sich wieder zu, dieses mal NOCH bedrohlicher als zuvor am Morgen und wir schafften es gerade noch in ein Dorf zu flüchten und da in eine leere Wellblechgarage, als ein furchtbares Gewitter loslegte mit sintflutartigem Regen und dann auch noch mit Hagel. Im Nu waren die Straßen überflutet und auch in unsere Garage kam mehr und mehr Wasser rein. Kurz bevor wir aber doch noch nasse Füße bekamen hörte es urplötzlich auf und die Sonne kam wieder zum vorschein. Vergnügt radelten wir weiter über kleine Sträßchen und winzige Dörfer. Die Wege waren übersäht mit großen Pfützen, die fast schon halbe Teiche waren und so mußten wir ganz schöne Schlangenlinien fahren. Immer wieder mussten wir doch vorsichtig durch solche große Pfützen durchfahren, weil sie auf mehrere Meter die Straße bedeckten. Eine dieser Pfützen war aber dann doch zu viel: sie wurde immer tiefer und tiefer und wir hatten schon die Beine angezogen um nicht nass zu werden, aber die Überflutung nahm kein Ende und um nicht umzukippen mussten wir doch weitertreten und patsch waren wir bis zu den Knöcheln im Wasser. Was war das für ein Geschrei! Die Tandems hinter uns hatten auch zu langsam reagiert und waren auch schon mitten drin. Ich hab dann angefangen zu intonieren: "We all live in a yellow submarine..." :-)

Leider hatten wir an der Stelle noch 30 km zu fahren und es warm war es nach dem großen Regen auch nicht mehr. Aber wir mussten einfach weiter. Nach insgesamt 106 km war dann diese Abenteuerfahrt zuende. Es hatten so ziemlich alle Teilnehmer an diesem Tage nasse Füße bekommen: entweder direkt durch das Gewitter - dann war allerdings noch mehr nass geworden - oder weil sie durch dieselbe Riesenpfütze gefahren sind wie wir. Bloss gut, daß wir Ersatz-SPD-Schuhe dabei hatten! So konnten wir am nächsten Tag mit warmen und trockenen Schuhen fahren, im Gegensatz zu vielen anderen.

Die Freitagstour führte über meist ebene Strecken nach Norden zur Hafenstadt Honfleur. Am einzigen Berg auf dieser Strecke hatten wir auch prompt wieder einen Platten! Wenigstens dieses mal ohne Regen, denn der ganze Freitag war sonnig schön. Wieder war es ein simples Steinchen, das sich durch den Mantel gebohrt hatte. Ich konnte es kaum glauben. Ich begann ausgiebig auf Panaracer zu fluchen und unsere neuen Luftpumpe über alles zu loben. Ein Bericht zu letzter erfolgt noch. Ingo half uns wieder beim Reifen flicken und so konnten wir schnell weiter fahren - nur um nach 5 km WIEDER einen Platten zu haben! Meine Flüche wurden lauter und Beates Beschwichtigungsgesten intensiver. Diese Panne kostete unseren letzten Ersatzschlauch, der aber auch schon mal geflickt war. Bis hinunter zu Honfleur verlief alles glatt, trotz meines mulmigen Gefühls. Schneller als 50 km/h traute ich mich nicht mehr zu fahren. Der Hafen von Honfleur sieht aus wie eine Kulisse zu einem 17. Jahrhundert Piratenfilm, einfach grandios! An der Einfahrt findet sich Befestigungsanlagen mit Türmchen und Mauern und alles was so dazugehört, innen drin sind alte Segelschiffe und rund um die Kaianlagen ist eine Kneipe nach der anderen, zum Teil von der Marke "üble Spelunke". Da drüber weht ein Geruch nach gebratenem Fisch und frittierten Krabben. Da konnte ich nicht widerstehen und bestellte mir einen großen Teller mit Krabben. Lecker! Nur Beate und Diane verzogen das Gesicht. Pah, die wissen halt nicht, was gut ist! :-)

Nach der Pause am Hafen fuhren wir ostwärts aus Honfleur raus, wo wir uns den dritten Platten des Tages einhandelten! Und wieder hatte sich normaler Split durch den Mantel gepiekst. Ich sprach unflätige Verwünschungen gegenüber Panaracer aus und malte mir aus dessen Konstrukteure mit diesem Mistreifen zu erwürgen oder wenigtens mit Beton gefüllt in der nahen Seine zu versenken. Bloss gut, daß wir ausreichend Flickzeug dabei hatten. Die geplante große Tour wurde kurzfristig zu einer verkürzte mittlere Tour umdisponiert, aber trotzdem hatten wir noch 35 km zurückzufahren.
Natürlich hatten wir nach weiteren 5 km wieder einen Platten. Mein Zorn war längst einer fatalistischen Resignation gewichen. Wir wechselten den kaputten Schlauch mit dem Schlauch mit den wenigsten Flicken aus und ich fuhr hypervorsichtig jeder größeren Ansammlung von Steinchen oder Split aus dem Weg. Tatsächlich schafften wir es somit und völlig mit den Nerven fertig ohne weitere Pannen nach Moyaux zurück.

Eine Extratour für Samstag strichen wir augenblicklich aus unserem Programm. Mit diesen Murksreifen wollten wir keinen Kilometer mehr fahren! Es handelt sich dabei um Panaracer HiRoad in der Ausführung 26×1.5 Zoll.

An diesem Freitag Abend war noch Grillen angesagt und es wurde sogar der sonnigste und wärmste Abend der ganzen Woche! Es gab genügend viele große Grills, so daß mehrere hundert Leute gleichzeitig ihre Sachen grillen konnten. Die Stimmung war ausgelassen und es wurde viel Cidre, Wein und Calvados getrunken :-)
Ein gelungener Abschluss!

Am nächsten morgen mussten wir uns dann etwas traurig von allen verabschieden und eine nicht sehr aufregende Heimfahrt antreten. Man sieht sich aber spätestens nächstes Jahr in Dings äh... jedenfalls nördlich von Aachen zur nächsten Tandemrallye wieder! An dieser Stelle möchte ich all die bedauern, die nicht dabei waren, allen voran Andreas und Annette. So, ätsch :-)

In 5 Fahrtagen brachten wir es auf genau 500 Tandem-km. Ohne diese #$%&##§$- Reifen wäre es auch noch mehr geworden. Morgen montier ich wieder Schwalbe Marathon!

PS: Gestern und heute (Sa+Mo) sind Beate und ich hier um Stuttgart natürlich gleich wieder Tandem gefahren, wozu hat man denn sein Ersatztandem in der Garage stehen :-)

Ulli Horlacher

Jörg Buchholz