Südschottland & Northumberland - Auf dem Weg zur NTR 2006 Edinburgh

Nachdem wir erfahren hatten, dass die NTR (National Tandem Rallye) des britischen Tandemclubs 2006 in Edinburgh stattfindet, stand für uns fest, da müssen wir hin.

In der Vorbereitungsphase zeigte sich, dass zum einen das britische Radwegenetz (www.sustrans.org.uk) deutlich ausgebaut und zum anderen leider alle Personenfährverbindungen zwischen D und GB eingestellt wurden. Übrig geblieben ist eine recht teure Verbindung mit der DFDS-Frachtlinie von Cuxhaven nach Immingham.

Also heißt es jetzt immer, für einen Besuch auf der Insel zunächst nach Holland oder Belgien zu reisen. Wir haben die Fähre von Ijmuiden (Amsterdam) nach Newcastle für Hin- und Rückreise genutzt. Hin sind wir mit dem durchgehenden IC OS-Amsterdam gefahren und dort nach Haarlem umgestiegen. Von Haarlem sind es dann noch ca. 20 km per Rad bis zum Fähranleger.

 
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Es klappte alles hervorragend, und so verließen wir am frühen Abend das Festland. Am anderen Morgen wachten wir in dichtem Nebel auf, und ich befürchtete schon das Schlimmste für den Start in GB. Der Nebel war aber nur eine Nebelwand, und Newcastle empfing uns mit strahlendem Sonnenschein. Auch die ersten 2 Wochen unserer Reise sollten wir hauptsächlich mit der Suche nach Schatten verbringen.

 
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Die ersten Kilometer auf dem NCN 1 Radweg waren doch recht sonderbar und nervig. Immer wieder extreme Sperren, durch die man nicht mal ein einfaches Rad durchschieben kann, geschweige denn ein voll bepacktes Tandem mit Anhänger. Nachdem wir zum x-ten Mal wieder alles über eine Sperre getragen hatten und nach der nächsten Ecke schon die nächste Sperre kam, reichte es uns endgültig. So wechselten wir in Newburn auf den "Hadrian's Wall". Dieser Weg (B6318) ist auch in einem Radreisebuch beschrieben. Damals herrschte wohl noch deutlich weniger Verkehr, so dass wir auch dieses Unterfangen nach kurzer Zeit aufgaben und erstmal auf die kleineren Straßen auswichen.

 
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Schließlich erreichten wir Bellingham, wo es direkt im Ort einen netten kleinen Farm-Campingplatz gibt. Dort sollte man aufpassen, dass man nicht plötzlich ein Huhn im Zelt oder Kochtopf hat.

 
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Weiter ging es an Kielder Water vorbei nach Bonchester Bridge. Dort trafen ein geöffneter Inn, merklicher Hunger, stärker werdender Regen und Unklarheit über das Tagesziel zusammen. Also erstmal das Tandem abgestellt und in den Inn. Gleich an der Eingangstür fiel auf, dass der Inn rauchfrei und somit gut für eine Mittagspause geeignet war. Die georderten Sandwiches und Heißgetränke waren von überraschender Quantität und Qualität und auch noch deutlich günstiger als in D. Somit war für uns ab sofort klar, mindestens einmal am Tag eine britische Lokalität aufzusuchen und auf Müsliriegel oder Ähnliches zu verzichten. Frisch gestärkt ging es dann noch über Denholm nach Selkirk.

 
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In Selkirk fragten wir dann in der Touri-Info nach einem geeigneten Weg nach Edinburgh und bekamen die Antwort: "Am besten auf der A7, die A-Routen haben am wenigsten Steigungen". Auch wenn die Frau sehr nett war und ihr Freund die A7 wohl öfters mit dem Rad nimmt, schlugen wir den Ratschlag in den Wind und machten uns am anderen Morgen über Innerleithen auf in die Moorfoot Hills. Der Weg durch die Moorfoot Hills steigt zwar lange, aber nur moderat an und war einer der schönsten Streckenabschnitte des Urlaubes. Also genau richtig gemacht. Spätestens ab Gorebridge befindet man sich aber im Einzugsgebiet von Edinburgh und muss mit entsprechendem Verkehrsaufkommen kämpfen.

 
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So waren wir dann einen Tag zu früh in Edinburgh angekommen und konnten noch bei den Vorbereitungen für die Eröffnung der Tandemrallye helfen. Unter anderem gab es ein Whiskey-Testen mit teilweise erstaunlichen Auswirkungen.

 
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Die Touren der Rallye gingen zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten rund um Edinburgh, z. B. The Forth Bridge, Carmond Island (nur bei Ebbe zu erreichen), Royal Yacht Britannia, Roslin Chapel. Es war mal wieder die übliche schöne Veranstaltung und Genaueres würde einen eigenen Bericht erfordern. Psssst: 2007 findet die ITR (International Tandem Rallye) im Osnabrücker Land statt.

 
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Wir hatten noch 8 Tage Zeit und radelten über Peebles nach Melrose und nach einer Zwischenübernachtung weiter nach Berwick-upon-Tweed. Dort sollte man unbedingt den Campingplatz in Tweedmoth/Spittal mit herrlichem Blick auf die Nordsee nehmen. Von hier aus machten wir eine Tagestour nach Holy Island, welches auch nur während der Ebbe mit dem Rad zu erreichen ist. Auf Holy Island hatten wir den besten Cream Tea/Cream Coffee aller Zeiten. Absolut frische Scones aus Vollkornmehl mit selbstgemachter Cream und Erdbeermarmelade. Dazu kann man aus 5 unterschiedlichen Kaffeesorten wählen, alle biologisch angebaut und fair gehandelt. Falls mal jemand dort hinkommt, es ist das Kaffee direkt neben der alten Abtei von St. Cuthbert, "Café Goose-Bean". Anzumerken ist noch, dass der NCN 1 zwischen Berwick und Holy Island eher für MTBs geeignet ist.

 
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Daher wählten wir für die Weiterreise erstmal eine "richtige" Straße nach Wooler, um anschließend wieder zur Küste nach Bamburgh Castle zu gelangen. Die Campingplatzsuche gestaltete sich hier plötzlich etwas schwierig, alle Plätze waren belegt und ausgebucht. Die allgemeine englische Festivalsaison hatte begonnen. In Dunstan fanden wir aber dann doch noch ein freies Plätzchen.

 
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Den nächsten Tag regnete und stürmte es den ganzen Tag derart heftig, dass wir irgendwann unser Zelt zwischen zwei Caravans stellen mussten. Das gegenüber liegende Zelt hatte es bereits, trotz als Windschutz daneben geparktem Auto, flachgelegt. Ansonsten war unsere einzige Aktivität an diesem Tag, einmal in voller Regenmontur zu Fuß nach Craster zu laufen. An Rad fahren war einfach nicht zu denken.

Am Morgen schien zwar die Sonne, aber über der Küste drohten schon wieder tiefschwarze Wolken. Nach einem Expressfrühstück saßen wir dann schon vor 8.00 Uhr auf dem Tandem und flüchteten ins Landesinnere. Wir waren eindeutig schneller als das schlechte Wetter und hatten keinen weiteren Regen in GB. Die Route führte über Rothbury nochmals nach Bellingham, wo wir uns dann endgültig von den Hühnern verabschieden konnten.

 
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Nun galt es noch einen Campingplatz für die letzte Übernachtung vor der Fähre zu finden. Die nette Frau in der Touri-Info in Bellingham wusste etwas von einem Caravanpark zwischen Ovingham und Wylam. Da in der Landkarte und auch in anderen Prospekten nichts anderes zu finden war, kündigte sie uns dort freundlicherweise telefonisch an. Da der Begriff Caravanpark nicht sonderlich einladend klingt und wir in der Vergangenheit auch schon auf wirklich schlechten Caravanparks gelandet sind, hielten wir die ganze Zeit nach einem normalen Campingplatz Ausschau. Es kam aber keiner, und das war auch gut so. Der Platz entpuppte sich als wunderschön. Er hatte eine extra Zeltwiese, absolut autofrei, und eine neu errichtete, überdachte Veranda mit Sitzgelegenheit. Alleine schon das Klingeln, nein nicht Klingeln, wohl eher Läuten, d.h. am Glockenstrang ziehen, an der "Rezeption" war ein Erlebnis.

 
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Am nächsten Tag erreichten wir die Fähre nach Holland und durchquerten zu guter Letzt noch die Niederlande, um in Bad Bentheim in die RB nach Osnabrück zu steigen. Darüber könnte man auch noch eine Geschichte schreiben, dies aber vielleicht ein anderes Mal.


 
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Nun noch ein paar wichtige Fakten:

Es gäbe noch viel zu erzählen, uns hat es mal wieder super auf der Insel gefallen. Die Briten überzeugten erneut durch ihre überragend nette, freundliche, interessierte und hilfsbereite Art. Vor der nächsten Englandtour muss ich aber unbedingt noch kleinere Gänge am Tandem realisieren.

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Jörg Buchholz