Unsere Remstal-Tour Juni 1996

Und hier kommt unser unser Reisebericht von unserer Tour durchs Remstal (Autor ist Framstag):

Am 8. und 9. Juni 1996 gab es das erste tandem-fahren.de - Treffen in Stuttgart mit einer Tour durchs Remstal. Ursprünglich waren es 4 Tandemteams, aber zur Fahrt angetreten sind dann nur 3:

[Bild von den 3 Tandemteams]

Die 3 Tandemteams von links nach rechts:

Die Tour stand noch bis Freitag (Start war am Samstag) auf der Kippe, weil uns das Wetter zu ungünstig erschien: es waren >30 Grad angekündigt und zumindest 2 Stokerinnen revoltierten offen. Mit einem Kompromiß konnte die Sache dann doch noch gerettet werden: Abfahrt um 7:00 (stöhn), 3 h Siesta in der größten Hitze, hoffen auf die angekündigten Gewitter und Weiterfahrt am Abend, notfalls bis 21:00. Darauf konnten sich dann die 3 oben genannten Tandempaare einigen. Besonders hart traf es die Aachner/Frankfurter Gruppe, weil sie am Samstag morgen erst noch von Frankfurt herfahren mußte.

Kurz vor 7:00 trafen Magnus und Ingrid bei uns in Sindelfingen ein, Punkt 7:00 dann Andreas und Annette (perfektes Timing auf der Strecke!). Bei angenehmen 20 Grad und Sonnenschein machten wir uns auf den Weg Richtung Remstal mit Tagesziel Heubach (100 km).

Der erste Teil der Strecke war zugleich der weniger schöne: wir mußten uns zuerst durch Stuttgart bis zum Beginn des Remstals durchschlagen. Wenigstens gab es um diese Uhrzeit kaum Verkehr. Von Sindelfingen über den "IBM-Hügel" (erstes Gestöhne war von hinten zu vernehmen :-) ) nach Vaihingen rein. Von dort aus war es relativ einfach: wir mußten zum Fernsehturm in Degerloch und der ist auf km weit gut sichtbar und hervorragend anpeilbar :-)

Am Stuttgarter Fernsehturm begann eine rasante 300 m Abfahrt hinunter nach Untertürkheim (ja, genau da, wo die bösen Autos herkommen :-) ) ins Neckartal mit einer Felgenabkühlpause auf halber Höhe. Wir hatten aus unseren schlechten Erfahrungen vom letzten Jahr gelernt, wo uns aufgrund der Bremswärme fast die Reifen geplatzt wären. m*g*h = 550 kJ wollen erst mal abgeführt werden... und nur ein Tandem hatte eine zusätzlich Trommelbremse, die aber trotzdem siedend heiß wurde.

Die Weiterfahrt nach Fellbach über Bad Cannstadt war etwas knifflig, weil weder ausgeschildert (für Fahrräder) noch gut in der Karte beschrieben. Außerdem gab's da die größte Steigung der ganzen Strecke. Aber nach 2 kurzen "Verfahrern" wurde Fellbach erreicht und Andreas mußte dort gleich die Eisdiele testen (dazu später noch mehr), während wir anderen uns noch mit Restproviant eindeckten. Der Fahrradhändler am Eck kam extra raus zu uns, weil er noch nie soviele Tandems auf einmal gesehen hatte :-) Tja, wir sind schon recht aufgefallen, auch wenn wir "nur" 3 Tandems waren. Vielleicht lag's auch mit daran, daß wir unsere Fahrradstereoanlage mit dabei hatten (dröhn) ;-)

Kurz hinter Fellbach beginnt der Einstieg ins Remstal, dem eigentlichen und schönsten Teil unserer Reise: An der mit Bäumen eingesäumten Rems führen schön Radwege abseits der Hauptverkehrsstraßen bis Schwäbisch Gmünd. Diese Wege sind in meist ausgezeichnetem Zustand, so daß man dort problemlos einen 30iger Schnitt fahren könnte, selbst mit so wenig trainierten Fahrern wie uns. Wir sind aber teilweise langsamer gefahren, um uns besser unterhalten zu können (und Ja: auch eine Fahrradstereoanlage kann man leise machen :-) ) oder um die schöne Natur zu bewundern. Wer das Altmühltal kennt, der darf sich das Remstal als eine light-Version davon vorstellen :-)

Trotz der steigenden Temperatur kamen wir sehr zügig voran, brauchten nur wenige kurze Pausen (inklusive Enten füttern) und erreichten bald Beates Tod- und Horrorpunkt unserer letzten Remstaltour: Plüderhausen. Damals war sie an dieser Stelle so fertig, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Immer wenn wir mit dem Auto an Plüderhausen vorbeikamen, fing sie an zu jammern und zu schimpfen, daß das doch das letzte Dorf wär, völlig unnützt und ohne Bank zum hinsitzen und überhaupt... :-) Aber diesmal sollte sich alles ändern! Wir waren noch recht frisch, als wir uns durch eine Plüderhausener Siedlung recht orientierungslos durchschlugen und auf einmal ein absolut niedliches Zwergkaninchen in einem Garten neben unserem Weg entdeckten, das uns männchenmachend neugierig anschnuffelte. Beate als passionierte Hasenhalterin jauchzte vor Entzücken und war nicht mehr zu halten. Wir mußten eine Zwangspause einlegen (es hatte aber auch niemand dagegen protestiert). Der Zaun war recht niedrig, so daß bald 6 Hände das Kaninchen streicheln wollten, was es auch sichtlich genoß. Wir mußten Beate dann mehrfach auffordern weiterzufahren, sie konnte sich kaum von dem süßen Schnuffel trennen. Seit diesem Zeitpunkt zählt Plüderhasen ... äh... Plüderhausen zu den attraktivsten Metropolen dieser Welt - zumindest für Beate :-) [Bild von dem niedlichen Hasen]

Gegen 13:00 wurde die Hitze allmählich unangenehm und wir machten unsere erste und einzige größere Pause nach immerhin 72 km in Waldhausen in einem schönen Cafe mit Terrasse. Wir wurden dort zu ihren besten Kunden an diesem Tag :-)

2.5 h und viele Liter Flüssigkeit später fuhren wir weiter, zumal sich ein dickes Gewitter ankündigte und wir wenigstens noch bis Lorch oder sogar bis Schwäbisch Gmünd wollten. Die Sonne war weg, ein frischer Wind wehte und die Temperatur war genau angenehm zum Fahren. Aber das Unwetter überlegte es sich anders und zog nach Süden ab, so daß wir relativ trocken (die Nässe kam vom Schwitzen :-) ) an den Remsalleen entlang und durch den Gmünder Stadtpark (viele "Ahhhs!" und "Ohhhs, ist das schön hier!") Richtung Böbingen radeln konnten. Dort wurde die letzte Kurzrast eingelegt, weil es jetzt noch die letzten 5 km bergauf nach Heubach ging, wo wir nach exakt 100 km gegen 17:00 eintrafen. Wir waren reichlich verklebt und verschwitzt, aber nicht mal sonderlich erschöpft, ganz anders als bei unserer ersten Tour auf dieser Strecke. Es ist eben doch was anderes, ob man alleine auf dem Tandem oder mit anderen Tandemteams gemeinsam radelt (von so stumpfsinnigem wie Soloradeln reden wir erst gar nicht :-) ). Der Spaß in der Gruppe reißt einen förmlich mit.

Nach den Widerbelebungsmaßnahmen (aka "Duschen") wurden wir bestens auf der Terrasse von meinen Eltern versorgt: es gab schwäbische Maultaschen, Kässpätzle und Kartoffelsalat. Alle waren begeistert von der herzlichen Aufnahme und dem prima Essen. Bis spät abends saßen wir noch auf der Terrasse und redeten in erster Linie übers Tandemfahren: erlebte und künftige Touren, Technik, Kauf neuer Tandems (trotz der Dunkelheit konnte man manche Augen leuchten sehen :-) ), Beziehungen und Tandemfahren, uswusw. Kurz vor 24:00 gaben aber auch die letzten auf und wankten Richtung Bett, da wir am nächsten Morgen wegen der Hitze wieder um 7:00 losfahren wollten. Da draus wurde zwar 8:30, aber es war an dem Sonntag auch nicht ganz so heiß und es gab einfach ein zu gutes Frühstück. :-)

Wir fuhren denselben Weg zurück und erreichten Dank leichtem Gefälle schon nach 2 h Schorndorf. Uns kam es vor, als würden wir einfach so dahinfliegen. Der Eindruck verstärkte sich durch die Bäume und Büsche der nahen Rems entlang des Radwegs. Kurz vor Fellbach verabschiedeten wir Magnus und Ingrid, die im Stuttgarter Norden wohnen, während wir weiter nach Süden fuhren, um die Fellbacher Eisdiele ein weiteres mal aufzusuchen (Andreas lies einfach nicht locker: die ganze Zeit schwärmte er von dem phantastischen Eis dort). Wir machten dort eine längere Rast und konnten Andreas' Beurteilung bestätigen: das Eis dort ist wirklich gut (ich kann den Walnußbecher nur empfehlen!).

Um den mühseligen Aufstieg vom Neckartal zum Fernsehturm haben wir uns Dekadenzlinge dann doch gedrückt und wir sind mit der S-Bahn hochgefahren. So ging das irgendwie einfacher :-)

Am Ende waren alle hellauf begeistert von dieser wunderbaren Tour, es hätte kaum besser sein können (naja, vielleicht ein bißchen weniger heiß :-) ): die Landschaft, die Radwege, die Harmonie untereinander, die Tiere unterwegs, die Unterkunft und auch die Länge der Tour, alles war genau so wie man es sich nur träumen kann. Auch Beate und ich finden, daß das bisher mit Abstand unser schönster Wochenendausflug war. So, und nun eine Runde Bedauern für die Daheimgebliebenen: oooooohhhhhhhh. :-)

Jörg Buchholz