Tandemtour von Erwitte-Horn nach Rom

26.04.2002 Start

Am 26.04.2002 um 7.35 Uhr war der Start für unsere Fahrt nach Rom. Heidi und ich rom002.jpgwaren voller Tatendrang und so fuhren wir mit unserem bepackten Twintraveller ( TT+ Gepäck = ca.70kg) bei bedecktem Himmel auf Tour. 30 Tage auf fremden Straßen und Betten lagen vor uns. Die Route war ausgearbeitet und über 2 kg Karten und Unterlagen waren in den Taschen verstaut. Die Fahrkarten für die Rückfahrt waren extra eingeschweißt und in der Lenkertasche deponiert. Dieses sollte sich schon sehr bald als gute Entscheidung herausstellen. Vor Winterberg ging der Nieselregen, der hinter Brilon eingesetzt hatte in einen kräftigen Dauerregen über. rom005.jpg

Oben in Winterberg angekommen war ich, im Gegensatz zu Heidi, trotz Regenjacke – TCM- total nass und wie sich später herausstellte war die Lenkertasche auch nicht ganz dicht. Gut das ich die Rückfahrkarten eingeschweißt hatte. Zu Winterberg muss ich sagen – wer anständig Höhenmeter machen will muss den gut ausgeschilderten Radweg nutzen. Er wird im Zickzack am Hang langgeführt. Das macht auch viele zusätzliche km. Ab Winterberg wurde die Bundesstraße benutzt. Bei schönem Wetter wäre das sicherlich ein Genuss gewesen. Es waren sehr wenig Autos unterwegs und so hätte man schön abwärts fahren können – ja wenn es nicht so am regnen gewesen wäre. Bei 8° und nassen Sachen war ich sehr schnell durchgefroren. Da war uns sehr schnell klar das wir es nicht bis Cölbe – unserem 1. Planungsziel - schaffen würden. Das Schild Pension ließ uns bei km 116 heftig in die Bremsen gehen. Wir hatten Glück, es war eine gute Privatpension mit einem schönen warmen Zimmer.

Am nächsten Morgen – wir hatten Schneeregen bei 5° - sind wir sehr zeitig mit dem Bus zurück nach Winterberg gefahren um mir eine gute Fahrradregenjacke zu kaufen. Die Ausgaben von 230 Euro waren zwar nicht eingeplant aber sie haben sich in den nächsten Wochen voll bezahlt gemacht. Gegen 11.00 Uhr, in voller Regenmontur bei 7° ging es wieder weiter. Da die Strecke von einer früheren Tour bekannt war, kamen wir trotz Sauwetter gut voran. Ab Cölbe bis Gießen an der Lahn entlang. Von dort über die B457 bis Bad Orb. Es war ein sehr harter und langer Tag gewesen und weitere 142 km lagen hinter uns. Der dritte Tag unserer Reise war wettermäßig nicht mehr ganz so schlimm. Wir hatten morgens nur noch Nieselregen und im Maintal hörte auch der auf. Am Nachmittag gab es noch einen Schauer und so kam uns das Wetter bei 16° schon super vor. Um 19.00 Uhr hatten wir unser Ziel Rothenburg o.d. Tauber nach weiteren 139 km erreicht.

Am nächsten Morgen waren wir schon um 9.00 Uhr auf der Stadtmauer von Rothenburg. Um diese Zeit waren noch wenig Touristen unterwegs und so hatten wir die Stadt – abgesehen von den Einheimischen – fast für uns alleine. Um 11.15 Uhr rollte unser TT wieder weiter nach Süden dem nächsten Regen entgegen. Ab 11.30 Uhr kämpften wir uns bei starken Windböen und heftigem Regen bis Feuchtwangen. Die voraus gegangenen Tage hatten stark an unseren Kräften gezerrt, so dass wir beschlossen schon nach 35 km in Feuchtwangen zu übernachten. Nach 16.00 Uhr hörte es auf zu regnen und es wurde noch richtig schön. Wir schauten uns Feuchtwangen an und speisten anschließend lecker zu Abend.

Das Tandem aufrüsten klappte schon sehr gut und so waren wir nach einem guten Frühstück am nächsten Morgen schon um 9.30 Uhr bei 12° im Sattel. Zu anfangs hatten wir leichte Probleme den richtigen Radweg zu finden. Aber nach einigen km Umweg lief es gut. Um 12.15 Uhr waren wir in Oettingen und haben unserem Tandem eine Pause gegönnt und uns eine leckere Schweinshaxe mit Kartoffelsalat und ein schönes großes Bier. Um 16.30 Uhr waren wir nach 80 km mit viel Gegenwind aber bei trockenem Wetter in Donauwörth.

01.05.02 Maifeiertag

Nach einem guten Frühstück saßen wir um 9.00 Uhr wieder auf dem Sattel. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hinter Donauwörth; den Radweg – Via Claudia- zu finden, welcher im übrigen gut ausgeschildert ist, lief es anschließend aber gut. So waren wir um 12.00 Uhr in Augsburg und erlebten die Demo der türkischen Arbeitnehmer. Worum es dabei ging, wissen wir nicht, da wir kein Wort Türkisch sprechen. Auch am Nachmittag lief es sehr gut bei Temperaturen von 16° - 26°. Um 16.45 Uhr war Landsberg am Lech nach 100 km erreicht.

02.05.02

Am 2.5.02 starteten wir um 9.15 Uhr nach einer guten Nacht und einem schwachen Frühstück bei 18°. Der Himmel war stark bedeckt. Je weiter wir nach Süden und je höher wir kommen, wird es bis 11° kalt. Um 14.45 Uhr bei der Kaffeepause am Foggensee beschließen wir über Füssen hinaus zu fahren. In Pinswang wollte das einzige Hotel im Ort uns ein Zimmer ohne Frühstück für 89 Euro vermieten. Das war uns zu teuer. Wir fahren weiter bis Reute. Dort bekommen wir ein schönes aber kaltes Zimmer mit Frühstück für 60 Euro.

03.05.02

Am 3.5.02 starten wir um 9.00 Uhr bei 10°. Es geht sofort bergauf. Da ich am Morgen rom007.jpgschon telefoniert habe, wissen wir bereits, dass heute kein Bus über den Fernpaß fährt. Also machen wir uns gegenseitig Mut für den Pass. Um 11.45 Uhr fahren wir in Biberwier los. Eine Stunde kurbeln wir wie doof und klettern wie die Gemsen den Berg rauf. Im 1.ten Gang und mit 65 Kurbelumdrehungen = ca. 8 km/h. Der Verkehr und die Straße waren teilweise sehr hart. Aber um 12.45 Uhr haben wir es geschafft. Wir sind auf 1210 Metern. Oben gönnen wir uns ein großes Alster und etwas zu essen. Danach geht es mit bis zu 71 km/h bergab. Die Bremsen haben ihren ersten echten Test bestanden. Je weiter wir runter fahren desto wärmer wird es. 28° teilweise sehr starker Wind. Wir erleben eine sehr abwechslungsreiche Landschaft. Um 16.45 Uhr mieten wir uns in Zams ein schönes Zimmer für 47 Euro.

04.05.02

Um 8.45 Uhr starten wir in Zams bei strömendem Regen. Nach 5 km bei 10° erreichen wir Landeck und dort den Bus, der uns nach Nauders hoch bringt. Von dort führt ein ca. 10km langer Radweg auf den Reschenpass in 1510 m. Wie wir um 10.40 Uhr in Nauders aus dem Bus steigen ist die Temperatur auf 3° gefallen und der Regen ist in Schnee übergegangen. Es war absolut kein Wetter fürs Radfahren aber wir wollten weiter. Nachdem wir den Pass und den Reschensee passiert hatten ging es mit über 50 km/h bergab (Unter Sicherheitsaspekten betrachtet, sicherlich viel zu schnell). Die Arrai-Bremse musste zeigen was sie zu leisten Vermag. Da bei dem Regen es nicht möglich war auf den Sandradwegen zu fahren, mussten wir auf der Straße bleiben. Das war alles andere als ungefährlich. Die Lkws rauschten mit einer Wasserwand vorbei und als Brillenträger fuhr man dann einige Meter blind. In Glurnz konnte ich einfach nicht mehr. Die Kälte hatte vom Körper Besitz ergriffen. Die Hände waren so kalt, dass man sie nicht mehr spürte. In Glurnz mieteten wir uns ein Zimmer im Hotel zur Post. Dort konnten wir auch unsere gesamte bis dahin getragene Wäsche in eine Waschmaschine stecken. Mein Schatz war glücklich. Aber auch angenehm war der Whirlpool zum Aufwärmen. Um 17.00 Uhr hörte es auf zu regnen und wir machten noch einen schönen Spaziergang.

05.05.02 der 10. Tag unserer Reise

Nach einem guten Frühstück sitzen wir um 9.30 Uhr im Sattel. In Anbetracht der nassen Wege haben wir beschlossen die Straße zu nehmen. Aber bei den vielen Autos war das kein Vergnügen. Bis Meran haben wir Gegenwind mit teilweise richtigen Windböen. Immer wieder gibt es etwas Regen. Kurz vor Meran ändert sich das Wetter. Die Temperatur steigt von 10° auf 25°. Aber ca. 5 km hinter Meran ändert es sich schon wieder alles. Es fängt an zu regnen und der geht in einen Wolkenbruch über. Also wieder volle Regenmontur anlegen. Hinter Bozen- nach 2 Std. hört es wieder auf. Der Radweg an der Etsch ist super. Bei schönem Wetter muss das ein Traum sein. Nach 116 km bei einem Schnitt von 19,2 km/h Übernachten wir in Auer im Hotel Villa Groff.

06.05.02

Am 11. Tag unserer Reise starten wir um 9.20 Uhr bei 14°. Heidi und ich waren nicht gut drauf. Das Bett war eine Folter gewesen und somit gingen wir es ruhig an. Der Etschradweg war auch weiter hin spitze. Viele Rastplätze und ein gut ausgeschilderter Radweg. Über lange Strecken hatten wir einen Durchschnitt von 22 km/h bis 26 km/h getrampelt. Vereinzelt kam die Sonne raus aber überwiegend war es bedeckt. Die Tageshöchsttemperatur war 24°. Da hieß es sich ausziehen – am Nachmittag bei 17°-18° wieder anziehen. In Rovereto haben wir fast eine Stunde vor einem Supermarkt gewartet, bis dieser wieder aufmachte. Wir waren total blank, kein Wasser und nichts mehr zum Essen.

Anm.: Wenn in Deutschland noch einmal ein Politiker erzählt, wir hätten schlechte Öffnungszeiten dann hat er sofort einen Satz warme Ohren verdient. Sogar in Rom machen die großen Supermärkte und Geschäfte zwischen 12.30 Uhr und 16.30 Uhr zu und um 20.00 Uhr ist Feierabend.

Nach knapp 100 km mieten wir uns in Ala im Albergo Elda ein Zimmer. Keiner spricht ein Wort Deutsch oder Englisch und wir natürlich auch nicht Italienisch. Das Abendessen bestellen war sehr aufregend. Aber wir sind satt geworden und es war ein Tag ohne Regen.

07.05.02

Nach einer Folternacht – die Betten waren eine Katastrophe – und bis jetzt dem schlechtesten Frühstück unserer Reise (Kuchenreste und Tee) starten wir um 8.45 Uhr. Nach Ala rom009.jpghatten wir wieder leichte Probleme auf den Radweg zu kommen. Eine Brücke war gesperrt. Aber dann lief es bis ca. 15 km vor Verona sehr gut. Durchschnitt von über 21 km/h. Vor Verona hatten wir noch einmal einen 4,5 km langen Anstieg von 12 %. Da sind wir wieder einmal richtig aus der Puste gekommen. Aber die Abfahrt mit 64 km/h hat uns entschädigt. Um 12.30 Uhr waren wir in Verona. Das war schon einmal verkehrsmäßig eine Vorbereitung auf Rom. Nach einer Besichtigungstour und einer Mittagspause im Park ging es weiter. Die Ausfahrt aus Verona heraus klappte sehr gut. Nach Verona hatten wir starken Seitenwind leicht von vorn. Hinter Bovolone haben wir uns im Hotel Sasso ein Zimmer gemietet und wir waren unserem Ziel wieder 91 km näher.

08.05.02 Der 13. Tag unserer Reise

Nach einem schwachen Frühstück starteten wir bei 16° und leichtem Sprühregen Richtung Ferrara. Bis Celesa lief es noch gut. Dann lernten wir die Probleme mit den italienischen Ortsverbindungsstraßen kennen. 2 Fragen 3 Antworten in italienisch und nur ein Bruchteil verstanden. Wir fuhren in die angegebene Richtung und landeten nach einigen Km mitten in der Pampas. Der Weg war nur noch eine Kies- und Sandpiste und 2 Wolfshunde jagten uns. Somit war ein Umkehren nicht möglich. Gut, das wir schon eine gute Kondition haben und die Federung an unserm Tandem die Schlaglöcher gut wegsteckt. Es wurde Mittag bis wir eine Straße erreichten und wieder in der richtigen Richtung unterwegs waren. In den letzten 1,5 Stunden war der Sprühregen in einen Wolkenbruch über gegangen. Auf der Straße fuhr ein Lkw schneller als der andere und wir strampelten mit 15 km/h gegen den Wind und den Sog der Lkws. Jede Stunde mussten wir eine Pause machen. Ich hatte Krämpfe in den Händen vom Lenker festhalten. Gegen 16.00 Uhr kamen wir nass wie die Katzen in Ferrara an. Aber das war noch nichts dagegen was uns dann erwartete. Wir fuhren 2,5 Stunden kreuz und quer durch die Stadt auf der Suche nach einem Zimmer. Alle Hotels waren ausgebucht. Nach 20 km Fahrt durch die Stadt war unsere Regenkleidung ausgereizt. Das Wasser stand in den Schuhen trotz Gamaschen und später haben wir auch noch feststellen müssen, dass teilweise unsere Gepäcktaschen dem Dauerregen nicht standgehalten haben. Um 19.20 Uhr bei meinem letzten Versuch in Ferrara ein Zimmer zu bekommen, erkundige ich mich nach der Richtung, in die wir fahren mussten um nach Rimini zu kommen. Danach ging es mit Zorn und Wut im Bauch mit Volldampf aus der Stadt mit der Hoffnung ein Zimmer in einem Vorort zu finden. Nach 15 km sahen wir ein Schild mit einem Bett und nach weiteren km durch die Dunkelheit fanden wir - nach einer Tagesleistung von über 100 km bei dem Wetter- ein ganz einfaches Hotel. Für ein schwaches Abendessen und ein sehr schwaches Frühstück – 2 Scheiben Weißbrot und 2 Tassen Tee – durfte ich dann für ein winziges Zimmer nach einer furchtbar kalten Nacht 115 Euro zahlen. Nepp!!

09.05.02

Mit einer starken Halsentzündung und einer ordentlichen Bronchitis sitzen wir wieder um 9.00 Uhr auf dem Sattel. Es regnet noch leicht vor sich hin und meine Schuhe waren noch nass und meine Stimmung war wie das Wetter. Die Hoffnung, dass an einem Feiertag – Christi Himmelfahrt – keine Lkws fahren würden, wurde nicht erfüllt. In Italien ist das kein Feiertag. Der Versuch auf Nebenstraßen zu fahren um dem Lkw- Verkehr auszuweichen ging auch in die Hose. An diesen Straßen fehlt weitestgehend die Beschilderung und so haben wir uns auch gleich verfahren. 10 extra km waren fällig. Nach gut 20 km gegen den Wind und den Stress mit den Lkws war ich fix und fertig. Heidi versuchte mich mit den Gedanken an Cesenatico – unserem Tagesziel – wo 3 Tage Pause eingeplant waren zu trösten. Im Laufe des Tages hörte es auf zu regnen und es kam sogar zeitweise die Sonne durch. Irgendwie schafften wir auch diese Strecke und so waren wir um 16.00 Uhr in Cesenatico im Hotel Giove.

Die nächsten Tage benötigte ich voll und ganz um meine Erkältung wieder in den Griff zu bekommen. Das Wetter war alles andere als sommerlich. Immer wieder Regen bei 16° - 18°. Wir waren schwer am Grübeln was wir machen sollten – weiter fahren oder mit dem Zug nach Hause. Als am Samstagnachmittag Dauerregen fällt, gehen wir zum Bahnhof und tauschen unsere Schlafwagenkarte um. Die Rückfahrt sollte am Montag erfolgen. Am Sonntag änderte sich das Wetter. Es wurde nach dem morgendlichen Regenguss trocken und am Nachmittag kam die Sonne raus und es wurde 22° warm. Die Zweifel wurden groß, ob wir mit der Heimfahrt richtig handeln würden.

13.05.02 Der 18. Tag unserer Reise.

Obwohl wir schon die Fahrkarte für nach hause getauscht haben lassen wir uns von den Sonnenstrahlen verführen und beschließen doch nach Rom zu trampeln. Um 10.15 Uhr ist unser Tandem gepackt und wir trampeln bei 22° Richtung Appenin. Die ersten Bedenken ob wir richtig gehandelt haben kommen uns um 13.00 Uhr – denn es fängt an zu regnen. Wir können uns unterstellen und nach 30 Minuten geht es weiter unserem heutigen Ziel – Pennabilli – entgegen. Um 14.30 Uhr erreichen wir Ponte Messa und ich frage gleich nach einer Unterkunft. Nach leichten Sprachschwierigkeiten finden wir auch ein einfaches Zimmer in einer Bar. 57 km waren wir Rom wieder näher gekommen mit durchschnittlich 5 % Steigung.

14.05.02

Nach einem italienischen Frühstück sind wir um 9.00 Uhr wieder am trampeln. In 2,5 Stunden waren wir auf dem Passo di Viamaggio mit 1050 m. Unsere Stimmung war gut und das Wetter war endlich sommerlich. Die Strecke nach Sansepolcro schafften wir in Bestzeit. So machte Tandemfahren Spaß. Nach einem guten Mittagessen in Sansepolcro wo uns ein Kellner, der 15 Jahre in Bayern gelebt hatte, über verschiedene Besonderheiten in Italien aufklärte, ging es zügig bis Citta di Castello weiter. Dort mieteten wir uns ein Zimmer im Hotel Park GEAL. Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht hatten besichtigten wir die Altstadt mit vielen "Alten Steinen". So hatten wir uns Italien vorgestellt. Gutes Wetter, Straßenkaffees und im Sonnenuntergang einen guten Rotwein trinken.

15.05.02

Nach einem italienischen Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Assisi. rom011.jpgHeute konnten wir Traumzeiten radeln in einer Traumlandschaft. Es ging immer leicht bergab und 30 – 35 km/h waren keine Schwierigkeiten. Um 15.15 Uhr waren wir in Assisi. Die Steigungen in Assisi waren gewaltig. Bei 15% war auch für uns der Punkt gekommen, wo wir aus dem Sattel mussten. Unser heutiges Hotel war das teuerste auf unserer Reise. 170 Euro mit Abendessen und Frühstück. Der Gegenwert war in Ordnung und somit auch der Preis. Den Rest des Tages besichtigten wir Assisi und verschiedene Kirchen, unter anderem die Franziskuskapelle.

16.05.02 Noch drei Tage bis Rom.

Nach einer guten Nacht und dem besten Frühstück bis jetzt in Italien rollte unser Tandem wieder Richtung Roma. Am Ortsrand von Assisi trafen wir ein nettes amerikanisches Pärchen auf einem Tandem. Sie berichteten, dass sie mit weiteren 16 Paaren und Begleitbus auf "Adventure Tour" durch Europa waren. Schön das es noch mehr verrückte Tandemfahrer gibt.

Die Landschaft ist einfach toll, bloß die Beschilderung ist in Italien für Radfahrer eine Katastrophe. Immer wieder wurden wir auf die Autobahn geleitet oder in den Ortschaften gab es einfach keine Richtungsschilder. Das Veranlasste mich öfters Ausdrücke zu verwenden die nicht vornehm waren.

Die Temperatur stieg am Tage noch auf 37°. Das hatte natürlich Folgen für unsere Kondition. An den Steigungen wurden die Füße schwer wie Blei. Wir waren Froh, um 16.30 Uhr ein Hotel mit einem schönen Zimmer mit Klimaanlage und einem guten Bett gefunden zu haben.

17.05.02

Nach einer guten Nacht und einem schwachen Frühstück starten wir um 8.30 Uhr. Der Himmel sieht gut aus und nach den ersten KM fing wieder das Suchen nach dem Weg an. Heute war ein besonders schlechter Tag. Ich durfte mich nicht nur über die bekannte schlechte Beschilderung ärgern, sondern auch darüber, dass die Karte wohl total überaltert war, obwohl ich sie erst neu gekauft habe. Die meisten Straßen, die wir heute fuhren, waren nicht in der Karte verzeichnet. Da kommt Freude auf, wenn der Planet bis zu 37° auf einen herunter scheint und ein Berg nach dem anderen auftaucht. Das Ergebnis waren wieder 750 Höhenmeter bei max. 13% Steigung.

Aber der richtige Stress kam erst mit der Unterkunft für diesen Tag. Ersten sind alle Orte in Italien auf einem Berg und zweitens ist bekannter Weise alles auf das Auto ausgerichtet. Beides hatten wir heute mehr als genug erlebt. Um 15.00 Uhr gab es ein kurzes und kräftiges Gewitter. Da haben wir 45 Minuten unter unserem Schirm pausieren müssen. In Civita Castellana war das einzigste Hotel ausgebucht und angeblich gab es keine weiteren Hotels im Umkreis von 30 km. Das hatte uns noch gefehlt. Nachdem sich der erste Schock gelegt hatte, bin ich in einen kleinen Lebensmittelladen gegangen um uns erst einmal mit Verpflegung einzudecken. Bei der Gelegenheit habe ich alle Verkäuferinnen und Verkäufer nach einer Unterkunft angesprochen. Da wohl mein Eindruck Erbarmungswürdig war, hat sich ein Kunde mit mir in seinem Auto auf den Weg zu einem Hotel, ca. 10 km entfernt, gemacht. Aber auch dieses Hotel war ausgebucht. Sie nannten uns ein Motel, das nur ca. 8km vom Ort entfernt sei – natürlich in der anderen Richtung vom Ort. Auch dahin fuhren wir noch mit dem Auto. Dort hatte man noch ein Zimmer frei und wollte es auch noch eine Stunde für uns Reservieren. Also, zurück mit dem Auto in bester Schummimanier. Das wir Heile bei Heidi angekommen sind, ist für mich heute noch ein Wunder. Dann die nächste Peinlichkeit. Ich hatte kein Bargeld mehr, und somit konnte ich unseren freundlichen Helfer nicht entschädigen. Zum Glück wollte er kein Geld und so machten wir uns nach einem -Herzlichen Danke – auf den Weg zu dem Motel. Dort kamen wir nach einer Hetzjagd genau nach einer Stunde an.

18.05.2002

Heute sollte das Ziel unserer Tour – Roma – erreicht werden. Nach einer Nacht im schlechtesten Bett unserer Reise und einem echten italienischen Frühstück – ein Stück Kuchen und 1 Tasse Tee – sitzen wir bereits um 8.15 Uhr auf dem Sattel. Die erfrischende Temperatur von 18° veranlasst uns kräftig in die Pedale zu treten. Die Berge waren viel leichter zu erklimmen als in den Tagen zuvor – trotz 410 Höhenmeter nach 30 km mit bis zu 10% Steigung. Bei einer Abfahrt erreichten wir 61 km/h. In gut 2 Std. Fahrzeit erreichten wir den Rand von Rom und der Stress steuerte seinem Höhepunkt entgegen. Nachdem die Strasse – Via Flaminia - auf freier Strecke mehrspurig wurde und wir durch mehrere Tunnel von bis 1,8 km lang mit Einfahrten im Tunnel gefahren waren, befanden wir uns plötzlich auf dem Autobahnring um Rom. Es war 12.00 Uhr und die Temperatur erreichte 36°. Trotzdem wurde es uns heiß und kalt bei dem Gedanken wo wir uns befanden. Bei der ersten Ausfahrt nach 6 km ging es wieder runter auf eine mehrspurige Schnellstraße. Der Verkehr war schon heftig Richtung Stadtmitte. Um 14.00 Uhr hatten wir ein Zimmer im Hotel Katty, in der nähe vom Termini für 62 Euro ohne Frühstück, gemietet. Nachdem wir uns frischgemacht hatten gingen wir Einkaufen und Bargeld holen. Danach bummelten wir zum Bahnhof und besorgten uns dort die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr von Rom und Umgebung. Den ersten Tag in Rom ließen wir mit einem guten Essen und einer Flasche Rotwein ausklingen. Wir hatten es tatsächlich bis Rom mit dem Tandem geschafft. Heidi und ich waren rundum Glücklich.

19.05.2002 Pfingstsonntag

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Um 10.00 Uhr waren wir mit der Metro unterwegs zum Vatikan. Wie wir am Petersplatz ankommen fängt es an zu regnen. Wir konnten den Papst nur aus der Ferne und auf der Videowand sehen. Er ist ein sehr alter rom015.jpgund kranker Mann. Trotzdem war es ein bewegendes Gefühl auf dem Petersplatz zu stehen und den Papst die Pfingstmesse halten zu sehen. Anschließend sind wir zur Engelsburg gelaufen und haben die von unten bis oben besichtigt.

Die nächsten zwei Tage haben wir bei schönem Sommerwetter viele "Alte Steine" in Rom besichtigt. Es ist mehr als beeindruckend zu sehen, was die Menschen in der Zeit nach Christus, gebaut haben. Besonders beeindruckt hat uns der Petersplatz, an dem sich die größte Kirche der Christenheit, die Vatikanische Basilika, erhebt. Der Platz ist wohl einzigartig auf der Welt und das ganze wird beherrscht von der großartigen und eindrucksvollen Kuppel Michelangelos. Oben von der Kuppel hat man einen phantastischen Blick über Rom auf die vielen anderen großen Bauwerke, z.b. das Kolosseum.

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22.05.02 Mittwoch – Ruhetag

Nach dem Frühstück fahren wir mit der Metro nach Lido di Ostia und verbringen einen Tag am Strand. In der Sonne an einem leeren Strand sitzen, aufs Meer hinausschauen und die Seele baumeln lassen tut einfach gut.

23.05.02

Am Donnerstag den 23.5.02 sind wir wieder in Rom unterwegs. Unter anderem besichtigen wir den Tevibrunnen, die Spanische Treppe, den Platza Navona usw. Wenn man gut zu Fuß ist und Zeit hat, kann man in Rom vieles per Pedes betrachten. Rom ist schon eine faszinierende Stadt.

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24.05.02 Der 29.Tag unserer Reise.

rom025.jpg Das Ende unserer Reise nähert sich. Heute heißt es Abschied nehmen von Rom. Unser Twintraveller wird wieder bepackt und wir radeln noch einmal zum Petersplatz und dem Kolosseum, bevor rom027.jpguns um 15.15 Uhr der Zug zurück nach Deutschland bringt. Rom will es uns leicht machen und lässt es noch einmal regnen

25.05.02

Bahnfahren ist wirklich eines der letzten Abenteuer unserer Zeit. Der Nachtzug von Florenz war ein alter D-Zug der DB mit einem Fahrradabteil für 8 Fahrräder. Da kam schon das erstemal Stress auf, da entschieden mehr Fahrräder auf dem Bahnsteig waren. Aber alle kamen mit und der Zug war echt voll. Aber was sich nach Verona abspielte muss man erlebt haben. In sämtlichen Einstiegen standen Fahrräder, teilweise übereinander. Den Gang zur Toilette konnte man vergessen. Sämtliche Toiletten waren zugestellt. Wie manche Reisende ausrasten, die erschöpft in einem total überfüllten Zug auf dem Gang liegen, ist auch ein Erlebnis, welches wir auch so schnell nicht vergessen werden.

Nach einer Fahrt von 25 Stunden und 33 Stunden auf den Beinen kommen wir ziemlich erschöpft zu Hause an.

Das Resümee dieser Reise:

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Ulrich Schόtze

Jφrg Buchholz