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Einmal quer durch die Schweiz |
Unser letzter Urlaub sollte entgegen unserer sonstigen
Gewohnheit 'mal in Richtung Süden gehen. Nach einem Blick in den Bahnfahrplan stand fest, es
geht in die Schweiz. Das Rennen mit Österreich hatte die Schweiz durch eine direkte
Zugverbindung von Osnabrück aus gewonnen.
Im Zug sitzend empfing uns die Schweiz mit trübem Nieselwetter, und es zeigten sich die Vorteile
einer lockeren Routenplanung. Nicht lange überlegt und der Entschluß stand fest, erst
einmal von Chur (Endstation des Zuges) in Richtung Italien aufzubrechen.
Nach der ersten Nacht auf einem Schweizer Campingplatz ging es also an der Via Mala vorbei nach Splügen. Neben den Bergeindrücken war auch das
'Bergwetter' beeindruckend. Nachdem abends bereits kleine Wölkchen dicht über dem Ort
hingen, war morgens der Ort vor lauter Wolken gar nicht mehr zu sehen.
Als es etwas aufgeklart hatte, ging es weiter, und kurze Zeit später lag er
vor uns: unser erster Alpenpass! Serpentine um Serpentine schlängelten wir uns nach oben, bis
wir in den Wolken verschwanden. Oben auf dem San Bernadino Paß trieb es uns aufgrund klammer
Kälte dann nur noch schnell in das Hospiz, wo wir eine warme Brühe schlürfen
konnten.
Für die Abfahrt war dann komplette
Regenmontur mit Handschuhen und Licht angesagt. Irgendwann lichtete sich aber das Ganze, und je
weiter es nach unten (Süden) ging, desto wärmer und freundlicher wurde das Wetter. Vor
einigen Stunden auf der Paßhöhe noch unter 10° C und
Regen und nun unten in Bellinzona 25° C mit Sonnenabschnitten!
Nach einem kurzen Abstecher zum Lago Maggiore machten
wir uns auf zum St. Gotthard. Aus Richtung Süden gibt es noch die "alte Poststraße" als
Paßstraße. Was sich romantisch anhört und wenig Autoverkehr verspricht, trifft
auch nahezu zu, nur daß der Weg fast komplett aus Kopfsteinpflaster besteht, ist doch etwas
hinderlich.
Oben auf dem Gotthard erwartet einen
dann Touristenrummel. Würstchenbuden, billige Souvenirstände und eben jede Menge Busse
und Autos. Also schnell auf der anderen Seite wieder runter und in Realp auf einer Campingwiese das
Quartier bezogen.
Am nächsten Tag fuhren wir
per "Autoverlad" durch den Furka ins Rhonetal. Nach den zwei Alpenüberquerungen der ersten
Woche versprach das Rhonetal in Richtung Genfer See Entspannung und stetiges Abwärtsrollen.
Die Rechnung hatten wir zwar nicht ohne den Wirt,
aber ohne die Schweizer Radwegeplaner gemacht. Diese scheinen teilweise eher an Mountainbiker als
an campende Reiseradler gedacht zu haben. Zwei Sachen gehörten immer zusammen: Dort wo es am
steilsten ist, ist der Weg auch am schlechtesten, so daß man dann doch sein vollbepacktes
Reisegefährt neben den ebenfalls schiebenden Mountainbikern herschiebt und von Wanderern
bestaunt wird.
Aber der Körper braucht ja auch mal eine Abwechslung, oder?!
Vom Genfer See mit viel Trubel bogen wir dann
in Richtung Jura ab. Hier zeigte sich ein echter Mangel unserer Karte. Da wir bis hierher bereits
etliche einfache und doppelte Steigungspfeile erklommen hatten, konnte uns der eine Pfeil in der
Karte nicht schocken. Nachdem wir früh ein steiles Stück, das diesem Pfeil entsprach,
hinter uns gebracht hatten, konnte ja nicht mehr viel kommen. Falsch gedacht!
Diesmal war es der Druckteufel, der vergessen hatte, die
restlichen 5 Doppelpfeile einzuzeichnen, was diese Etappe zur anstrengendsten des ganzen Urlaubs
machte.
Nach einer weiteren Juraetappe ließen
wir den Urlaub nach einer Runde um den Neuchateller See in Olten ausklingen, von wo uns wieder eine
Direktverbindung nach Hause brachte.
Die Wege sind wirklich gut ausgeschildert. Man kommt mit
einer Übersichtskarte 1:301.000 (DM 28,80) gut zurecht. Es fehlen nur gelegentlich einige
Steigungspfeile.
Anderenfalls hätten wir
für unsere Reise alle 3 Bände des Routenführers "Veloland Schweiz" benötigt (je
DM 42,80).
Der größte Teil der Wege ist
asphaltiert, leider sind gerade die steilsten Stücke oft Schotterpisten, die rein technisch
mit einem bepackten Reisetandem nicht zu befahren sind. Berghoch rutscht das Hinterrad durch, und
abwärts gerät das komplette Gefährt ins Rutschen.
Ansonsten ist so ein Schweizurlaub sehr abwechslungsreich. Durch den Wechsel der
Sprachen und Landschaften ist es wie ein Urlaub in mehreren Ländern. Auch sind die Schweizer
sehr freundlich, und man wird als Reiseradler auch von den allgegenwärtigen Rennradlern
freundlich und anerkennend gegrüßt.
Unser Fazit: Die Schweiz ist auf alle Fälle eine Radreise wert!
Jörg Buchholz Letzte Änderung: 2005-08-18