Einmal quer durch die Schweiz

schweiz110.jpg Unser letzter Urlaub sollte entgegen unserer sonstigen Gewohnheit 'mal in Richtung Süden gehen. Nach einem Blick in den Bahnfahrplan stand fest, es geht in die Schweiz. Das Rennen mit Österreich hatte die Schweiz durch eine direkte Zugverbindung von Osnabrück aus gewonnen.

Im Zug sitzend empfing uns die Schweiz mit trübem Nieselwetter, und es zeigten sich die Vorteile einer lockeren Routenplanung. Nicht lange überlegt und der Entschluß stand fest, erst einmal von Chur (Endstation des Zuges) in Richtung Italien aufzubrechen.

schweiz139.jpg Nach der ersten Nacht auf einem Schweizer Campingplatz ging es also an der Via Mala vorbei nach Splügen. Neben den Bergeindrücken war auch das 'Bergwetter' beeindruckend. Nachdem abends bereits kleine Wölkchen dicht über dem Ort hingen, war morgens der Ort vor lauter Wolken gar nicht mehr zu sehen.

schweiz148.jpg Als es etwas aufgeklart hatte, ging es weiter, und kurze Zeit später lag er vor uns: unser erster Alpenpass! Serpentine um Serpentine schlängelten wir uns nach oben, bis wir in den Wolken verschwanden. Oben auf dem San Bernadino Paß trieb es uns aufgrund klammer Kälte dann nur noch schnell in das Hospiz, wo wir eine warme Brühe schlürfen konnten.

schweiz164.jpg Für die Abfahrt war dann komplette Regenmontur mit Handschuhen und Licht angesagt. Irgendwann lichtete sich aber das Ganze, und je weiter es nach unten (Süden) ging, desto wärmer und freundlicher wurde das Wetter. Vor einigen Stunden auf der Paßhöhe noch unter 10° C und Regen und nun unten in Bellinzona 25° C mit Sonnenabschnitten!

schweiz175.jpg Nach einem kurzen Abstecher zum Lago Maggiore machten wir uns auf zum St. Gotthard. Aus Richtung Süden gibt es noch die "alte Poststraße" als Paßstraße. Was sich romantisch anhört und wenig Autoverkehr verspricht, trifft auch nahezu zu, nur daß der Weg fast komplett aus Kopfsteinpflaster besteht, ist doch etwas hinderlich.

schweiz179.jpg Oben auf dem Gotthard erwartet einen dann Touristenrummel. Würstchenbuden, billige Souvenirstände und eben jede Menge Busse und Autos. Also schnell auf der anderen Seite wieder runter und in Realp auf einer Campingwiese das Quartier bezogen.

schweiz184.jpg Am nächsten Tag fuhren wir per "Autoverlad" durch den Furka ins Rhonetal. Nach den zwei Alpenüberquerungen der ersten Woche versprach das Rhonetal in Richtung Genfer See Entspannung und stetiges Abwärtsrollen.

Die Rechnung hatten wir zwar nicht ohne den Wirt, aber ohne die Schweizer Radwegeplaner gemacht. Diese scheinen teilweise eher an Mountainbiker als an campende Reiseradler gedacht zu haben. Zwei Sachen gehörten immer zusammen: Dort wo es am steilsten ist, ist der Weg auch am schlechtesten, so daß man dann doch sein vollbepacktes Reisegefährt neben den ebenfalls schiebenden Mountainbikern herschiebt und von Wanderern bestaunt wird.
Aber der Körper braucht ja auch mal eine Abwechslung, oder?!

schweiz304.jpg schweiz187.jpg Vom Genfer See mit viel Trubel bogen wir dann in Richtung Jura ab. Hier zeigte sich ein echter Mangel unserer Karte. Da wir bis hierher bereits etliche einfache und doppelte Steigungspfeile erklommen hatten, konnte uns der eine Pfeil in der Karte nicht schocken. Nachdem wir früh ein steiles Stück, das diesem Pfeil entsprach, hinter uns gebracht hatten, konnte ja nicht mehr viel kommen. Falsch gedacht!
Diesmal war es der Druckteufel, der vergessen hatte, die restlichen 5 Doppelpfeile einzuzeichnen, was diese Etappe zur anstrengendsten des ganzen Urlaubs machte.

Nach einer weiteren Juraetappe ließen wir den Urlaub nach einer Runde um den Neuchateller See in Olten ausklingen, von wo uns wieder eine Direktverbindung nach Hause brachte.



Nun noch etwas zum viel gelobten Schweizer Radwegenetz

schweiz315.jpg Die Wege sind wirklich gut ausgeschildert. Man kommt mit einer Übersichtskarte 1:301.000 (DM 28,80) gut zurecht. Es fehlen nur gelegentlich einige Steigungspfeile.
Anderenfalls hätten wir für unsere Reise alle 3 Bände des Routenführers "Veloland Schweiz" benötigt (je DM 42,80).
schweiz334.jpg Der größte Teil der Wege ist asphaltiert, leider sind gerade die steilsten Stücke oft Schotterpisten, die rein technisch mit einem bepackten Reisetandem nicht zu befahren sind. Berghoch rutscht das Hinterrad durch, und abwärts gerät das komplette Gefährt ins Rutschen.

Ansonsten ist so ein Schweizurlaub sehr abwechslungsreich. Durch den Wechsel der Sprachen und Landschaften ist es wie ein Urlaub in mehreren Ländern. Auch sind die Schweizer sehr freundlich, und man wird als Reiseradler auch von den allgegenwärtigen Rennradlern freundlich und anerkennend gegrüßt.

Unser Fazit: Die Schweiz ist auf alle Fälle eine Radreise wert!

Jörg Buchholz