Von Sindelfingen an den Gardasee und zurück

Start ist in Donauwörth, wir folgen der Via Claudia Augusta nach Süden. Auf diesem Weg haben die Römer die Alpen überquert, wir folgen diesem historischen Weg nach Süden. Die Unternehmung haben wir zusammen mit zwei befreundeten Ehepaaren geplant. Die Unterkünfte bis zum Ziel in Nago-Torbole sind vorgebucht, das Gepäck transportieren wir an den Rädern. Den Rückweg über den Brenner treten wir allein an, die beiden anderen Paare nehmen den Bus mit Radtransport nach München. Von dort geht es für sie auf Schienen zurück nach Sindelfingen.


Freitag, 5. August 2011

Die erste Teiletappe am Nachmittag legen wir mit der Bahn zurück. Mit dem Tandem kein leichtes Unterfangen: Im Bereich der DB, zumindest bei rechtzeitiger Vorausplanung, jedoch machbar. Mit S-Bahn und ab Stuttgart mit dem Regionalexpress erreichen wir Nördlingen. Die ersten 40 Kilometer unserer Tour führen uns nach Donauwörth, unsere erste Nacht werden wir im Teilort Nordheim verbringen. Mit einem ausgiebigen Abendmahl im griechischen Lokal direkt neben dem Hotel beenden wir den ersten Tag.
Etappenlänge: 40 km


Samstag, 6. August 2011

Den Vormittag verbringen wir in Donauwörth mit Besichtigungen und Einkäufen. Zeitmäßig kein Problem, heute werden wir nur knapp 70 km fahren, das Ziel für heute heisst Königsbrunn. Ein guter Teil der Strecke führt am Lech entlang, dem Fluss folgen wir die nächsten Tage bis nach Österreich. Augsburg passieren wir ohne Stadtbesichtigung, stattdessen machen wir Rast am Lechufer und genießen die Sonne. Kurz vor Königsbrunn nutzen wir die Gelegenheit und nehmen ein Bad im Lautersee. Nach Zimmerbezug und Benutzung der sanitären Einrichtungen machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Abendessen in einer weit entfernt liegenden Gaststätte. Die Qualität entschädigt für den Fußmarsch.
Etappenlänge: 66 km


Sonntag, 7. August 2011

Der Blick nach draußen verheisst nichts Gutes. Über Nacht sind Wolken aufgezogen, es regnet. Wir dehnen das Frühstück aus, doch es hilft nichts. So fahren wir im Regen los, heute wird es richtig feucht. Zum Glück halten unsere Gepäcktaschen dicht. In Landsberg machen wir Rast im ersten Cafe am Platze. Wir können uns aufwärmen, es ist ziemlich abgekühlt. Den letzten Teil der heutigen Etappe nach Schongau schaffen wir auch noch, immerhin gibt es auch lichte Momente ohne Regen. Voller Tatendrang fahren wir zuerst am Hotel vorbei, glücklicherweise hat eine Mitfahrerin die Zufahrt entdeckt und ist dort stehen geblieben. Am Abend findet oben in der Altstadt ein mittelalterliches Spektakel statt. Nach einem ausgiebigen Abendmahl sind wir wieder so gestärkt, dass wir noch Musik, Tanz und Feuerschlucker genießen können.
Etappenlänge: 71 km


Montag, 8. August 2011

Bis Füssen fahren wir durch die schöne Voralpenlandschaft, vorbei am Forggensee, die Alpen schon im Blick. Ab Füssen wird es wieder nass, es beginnt zu regnen. Für heute haben wir in Biberwier gebucht, vor uns liegt eine ganz unangenehme Strecke mit Schotterwegen und steil ansteigenden Passagen. Für das Tandem keine guten Bedingungen, am steilsten Stück müssen auch wir absteigen und einen Teil schieben. Weiter queren wir einige Wasserläufe, die sich auf den Wegen gebildet haben. Die Abfahrten haben es in sich, wir müssen auf weichem Untergrund vorsichtig zu Werke gehen. Alle sind froh, nach dem harten Stück Arbeit im Hotel anzukommen und einfach nur auszuruhen. Das Wetter, da sind wir uns einig, kann nur noch besser werden.
Etappenlänge: 85 km


Dienstag, 9. August 2011

Für die Passage zum Fernpass haben wir schon von zu Hause aus einen Transportdienst gebucht. Der bringt uns sicher über die Passhöhe. Abseits der Straße auf Waldwegen fahren wir dann Richtung Nassareith. Das Wetter ist merklich besser geworden, die Sonne lässt sich ab und zu blicken. Ab Imst fahren wir entlang dem Inn nach Landeck, dort machen wir Mittagsrast. Pfunds ist das heutige Ziel, nach einigen zusätzlichen Höhenmetern erreichen wir das Dorf vor dem Reschenpass.
Etappenlänge: 75 km


Mittwoch, 10. August 2011

Morgens lacht uns schon die Sonne entgegen. Das entschädigt für manche Strapazen, die hinter uns liegen. Heute geht es nochmals richtig bergauf zur Passhöhe bei Reschen. Wir weichen aus und nehmen den Weg über Martina in der Schweiz und die Norbertshöhe (immerhin 1.404 m über NN) nach Nauders. Ein kleiner Umweg, dafür kaum Autos auf der Straße. Der Anstieg zur Höhe ist auch mit Gepäck gut zu schaffen, oben angekommen lädt eine Ruhebank mit wunderschöner Aussicht zum Verweilen ein. Nach der Abfahrt fahren wir am Schloss Nauders vorbei in Richtung Grenze und sammeln nochmals rund 100 Höhenmeter. In Reschen nehmen wir den neuen Radweg, der westlich am See vorbeiführt. Herrlich! Er wurde uns von einem Freund empfohlen, der ein Jahr zuvor hier vorbei gekommen ist. Danach geht es steil bergab. Dank guter Bremsen, die man hier auch benötigt, meistern wir die steilen Abfahrten auf gut ausgebauten Wegen. Es ist warm geworden, kein Gedanke mehr an die zurückliegende Kälte. Heute kommen wir in Laas unter.
Etappenlänge: 72 km


Donnerstag, 11. August 2011

Ein Erholungstag! Durch das Vinschgau in Richtung Meran, das reinste Vergnügen auf dem Radweg. Meran lassen wir links liegen, wir fahren direkt weiter nach Gargazon und beziehen am Nachmittag unsere Pension mit Schwimmbad. Erholung pur, dolce vita! Wir streichen den geplanten Besuch in Meran, genießen Pool und Sonne.
Etappenlänge: 56 km


Freitag, 12. August 2011

Im Etschtal verbringen wir den heutigen Tag. An Apfel- und Weinplantagen entlang, unterbrochen nur von einem kleinen Abstecher nach Bozen, rollen wir nach Süden. Es ist heiss geworden, der Fahrtwind sorgt auch nicht mehr für viel Kühlung. Schattige Rastplätze sind bevorzugt. Manche sind mit Wasseranschluss ausgestattet, wir sind dankbar für diese Annehmlichkeit. Am frühen Abend erreichen wir Lavis, ein Städtchen vor den Toren Trients.
Etappenlänge: 83 km


Sonntag, 14. August 2011 bis Dienstag, 16. August 2011

Ruhetage am See, unterbrochen nur durch Besuche in Riva und einer kleinen Erkundungstour in Richtung Ballino. Es gilt Kräfte zu sammeln für die Rückfahrt, die wir alleine antreten werden. Unsere Freunde fahren erst am Samstag nach Hause, hier trennen sich unsere Wege.


Mittwoch, 17. August 2011

Das Kribbeln im Bauch: Heute geht es wieder los. Von unserem Balkon aus hatten wir die Nebenstraße im Blick, die von Torbole hinauf nach Nago führt. Jetzt haben wir sie unter den Rädern. Mit gleichmäßigem Tritt kurbeln wir hoch, uns wird warm. Vom Parkplatz noch ein Blick hinunter auf den See, nach der nächsten Kurve ist er verschwunden. Den Weg zurück kennen wir, auf Radwegen bzw. Straßen mit wenig Verkehr erreichen wir Rovereto. Wir passieren Trient, dieses Mal ohne Pause (sehr zum Leidwesen meiner Gattin). Ich verdränge, sobald ich auf dem Rad sitze, jeglichen Gedanken an freiwillige Fahrtunterbrechungen. Der Vorteil beim Tandem, wenn man vorne sitzt. Pech für meine Ehefrau, die hinten sitzt. Die Hitze macht mir zu schaffen, es hat mit Sicherheit über 30°. Kilometer um Kilometer nähern wir uns Leifers, wo wir für heute im Hotel Steiner übernachten wollen. Den dazugehörigen Zeltplatz kennen wir von mehreren Aufenthalten, Südtirol ist ein ideales Radrevier. Wir haben Glück und ergattern das letzte Zimmer. Nichts wie ab in das hoteleigene Schwimmbad!
Etappenlänge: 108 km


Donnerstag, 18. August 2011

Heute fahren wir nach Sterzing. Bis Klausen bekanntes Terrain für uns, der gut ausgebaute Radweg führt uns durch Bozen, an der Eisack entlang. Hinter Bozen ist die alte Bahnstrecke über mehrere Kilometer zum sehr gut ausgebauten Radweg umgewandelt worden. Sehr beeindruckend sind die mehr oder weniger gut ausgeleuchteten Tunnelpassagen, vor allem bei Gegenverkehr. In Klausen machen wir Rast und füllen die Trinkwasservorräte auf. Jetzt beginnt Neuland für uns. Brixen ist die nächste größere Stadt, die ersten größeren Steigungen kommen. Schotterwege wechseln sich ab mit Waldwegen, alles ziemlich kräftezehrend. Doch auch diese Passagen haben ein Ende. Hinter Franzensfeste gönnen wir uns eine Pause in Mezzaselva. Das letzte Stück nach Sterzing steht bevor. Der Radweg führt uns am Talrand entlang, nicht immer eben, wir sind halt im Gebirge. Dafür kaum Autos, alles hat seinen Preis. Sterzing hat eine sehr schöne Altstadt, wir haben Glück und können ein Zimmer im ?Goldenen Kreuz? beziehen, einem 500 Jahre alten Hotel direkt im Zentrum. Am Abend findet in der Straße vorm Hotel ein Wettbewerb der Feuerwehren statt, eine willkommen Abwechslung.
Etappenlänge: 90 km


Freitag, 19. August 2011

Der Brenner wartet auf uns. Ein Stück fahren wir auf der alten Staatsstraße, ab dem Ort Brenner geht es nach Westen. Wir sammeln Höhenmeter, um dann nach einigen Kehren wieder nach Osten und Norden abzubiegen. Auf der ehemaligen Bahntrasse radeln wir mit unserem Tandem der Passhöhe (1.370 m über NN) entgegen. Dort ist dann Schluss mit dem Radweg. Die Strecke bis Innsbruck legen wir auf der Straße zurück. Bergab ist das einigermaßen machbar, zumal wir mit dem Tandem ein ordentliches Tempo hinbekommen. Der Verkehr an diesem Tag zumindest ist erträglich, die Autofahrer sind rücksichtsvoll. In Innsbruck besuchen wir ein Straßencafé, auf dem Weg zum Inn werfen wir noch einen Blick auf das ?Goldene Dachl?. Nach Telfs nehmen wir den Inntalradweg, mit viel Aussicht auf die Autobahn. In Telfs folgen wir dem ersten Hinweis auf eine Unterkunft und quartieren uns dort ein.
Etappenlänge: 95 km


Samstag, 20. August 2011

Der letzte Gebirgszug der Alpen liegt vor uns. Wir haben die Route über Buchen und Platzl gewählt, um dann über Leutasch nach Mittenwald zu fahren. Der Anstieg bis auf 1.230 m hat es in sich, wir fahren früh los, um die morgendliche Kühle auszunutzen. Dafür kaum Autos auf der Straße, eine gute Alternative zum Fernpass. In Mittenwald gönnen wir uns eine Kaffeepause. Über Klais erreichen wir Garmisch-Partenkirchen, danach fahren wir entlang der Loisach nach Eschenlohe. Am Rande des Murnauer Mooses passieren wir Grafenaschau, danach geht es auf Waldwegen weiter in Richtung Bad Kohlgrub. Dort beenden wir im Radlerhotel die heutige Etappe und lassen es uns beim Abendessen richtig gut schmecken.
Etappenlänge: 82 km


Sonntag, 21. August 2011

Nach ruhigen Kilometern auf Nebensträßchen treffen wir in Lechbruck ein. Dort sind wir knapp zwei Wochen zuvor auf unserem Weg nach Süden schon mal gewesen. Dieses Mal kommen wir von Osten und fahren weiter in Richtung Marktoberdorf. Über Günzach und Obergünzburg erreichen wir Wolfertschwenden. Die Suche nach einem Quartier ist erfolglos, wir probieren es im nächsten Ort. Vor den Toren von Bad Grönenbach haben wir mehr Glück, wir finden ein ruhig gelegenes Nachtquartier.
Etappenlänge: 103 km


Montag, 22. August 2011

Zurück in Baden-Württemberg! Bei Aitrach verlassen wir Bayern. Kurz vor Bad Schussenried, in Olzreute, machen wir Rast am Badesee und stärken uns für die nächsten Kilometer. Bad Saulgau und Mengen sind die nächsten Stationen auf unserem Weg nach Sigmaringen. Die letzten Kilometer bis Sigmaringen radeln wir auf dem Donauradweg. In der Altstadt finden wir ein Hotel und bekommen das letzte freie Zimmer. Das Abendessen genießen wir unter freiem Himmel.
Etappenlänge: 110 km


Dienstag, 23. August 2011

Die vorletzte Etappe: Wir nehmen den Radweg entlang der Bahnstrecke nach Veringenstadt, von da geht es weiter bis kurz vor Hettingen. Wir biegen Richtung Nordwesten ab und folgen der ?5 Täler Traumtour? im Tal der Fehla. Einfach wunderbar! Ein unberührtes Tal, wir machen an einer Brücke Rast und kühlen unsere Füße im Bach. Über Neufra erreichen wir Burladingen, dort kehren wir ein. Nach dieser Erholungspause haben wir unser heutiges Tagesziel fest im Blick: In Hechingen-Stein werden wir uns einquartieren, wir kennen das Hotel von unserer Neckar-Donau-Tour.
Etappenlänge: 75 km


Mittwoch, 24. August 2011

Den Hohenzollern Weg lassen wir rechts liegen, heute radeln wir über Rangendingen und Hirrlingen zum Neckar. Die letzten Kilometer bis Bieringen folgen wir der Starzel in einem idyllischen Tal. Auf dem Neckarradweg erreichen wir Rottenburg, weiter geht es über Ammerbuch und Herrenberg nach Sindelfingen-Darmsheim. Am Nachmittag sind wir wieder zu Hause, gesund und munter.
Etappenlänge: 70 km


Fazit

Keine Pannen, keine Unfälle, keine Krankheiten Das Wetter nur zu Beginn der Unternehmung launisch, ab dem 7. Tag nur noch schön.

Roland und Hildegard Stein