Reisebericht: Slowakei mit dem Tandem 1999 Die Slowakei ist bisher ein in Westeuropa relativ unbekanntes Reiseland. Es gibt nur relativ wenige Reiseführer , und um das Informationsangebot ein wenig zu erweitern, habe ich ein paar Eindrücke und Erfahrungen gesammelt und hier aufgeschrieben, die meine Frau und ich im August 1999 mit unserem Tandem dort gesammelt haben.
Vorweg: Von wenigen Orten abgesehen, ist die Slowakei kein Land des Massentourismus und des ,,Sight-seeings''. Als Reisender wird man kaum als Tourist umworben (Ausnahme: Preßburg); vielmehr ist man dort der Fremde, der Hilfe bekommt, wenn er welche braucht. Die Gastfreundschft ist zum Teil sehr ausgeprägt.

Unsere Reiseroute verlief von der Donau im Süden über Banska Bystrica (Neusohl) in die Kysucer Beskiden im Norden, über die Kleine Fatra und die Niedere Tatra ins ,,Slowakische Paradies'', und von dort nach Bratislava (Preßburg). Wir haben die Strecke abwechselnd mit dem Fahrrad und mit dem Zug zurückgelegt. Für Radwanderer ist zu empfehlen, im Norden zu beginnen, weil das Land dort am höchsten ist, und sich dann nach Süden zu bewegen.

Wer nach dem Lesen dieser Seite noch mehr wissen will, soll nicht zögern, uns eine Mail zu schicken.
Auskunft bekommt man auch beim Slowakischen Reisebüro SATUR. Interessante Verweise (Links) zu anderen WWW-Seiten habe ich hier aufgeführt. Übrigens: Die Bilder sind alle durch Anklicken zu vergrößern (jeweils 50 bis 100kB).
Wegen der Sonnenfinsternis am 11.8.99 begann unsere Slowakeitour im Süden, d.h. in der Donautiefebene. Leider sind Landschaft wie Städte dort im großen und ganzen langweilig und wenig einladend. Empfehlenswert ist allerdings die Strecke Komarno (Komorn) - Sturovo. Man kann dicht an der Donau entlangfahren, je nach Lust darin baden oder am Ufer Kaffee trinken. Zu unserer Zeit war Wassermelonensaison: In regelmäßigen Abständen waren kleine Stände am Straßenrand aufgebaut, die Melonen anboten. so daß wir uns um Proviant nicht zu sorgen brauchten.
Zur Übernachtung sind wir abends aus Sturovo über die Donau in die ungarische Stadt Esztergom (s. rechts) geflüchtet.
Nach einem ganzen Ende Zugfahrt verlief die nächste Fahrradetappe von Zvolen (Altsohl) nach Banska Bystrica (Neusohl), allerdings nicht auf direktem Weg, sondern durch die traumhafte Landschaft kleiner, einsamer Täler. In jedem Dorf wurden wir mit etwas Erstaunen, aber immer mit freundlicham Gruß zur Kenntnis genommen. Übernachten wollten wir hier auf einem Öko-Bauernhof in Lukavica, den die Grüne Liga in ihrem Führer "Urlaub auf Biohöfen - Slowakei" verzeichnet hat. Leider war der Bauer seit Jahren nicht mehr Mitglied im Verein. Zelten durften wir dennoch in seinem Garten.
Im Marco-Polo-Reiseführer heißt es: "In der Slowakei ißt man in den meisten Fällen schlecht". Wir können diesen Satz nicht bestätigen. Die slowakische Küche ist zwar nicht extravagant, aber stets schmackhaft und mit Liebe zubereitet. Selbst in einer kleinen Auto-Raststätte am nördlichen Stadtrand von Altsohl haben wir vorzüglich gegessen. (In Deutschland hätte an dieser Stelle wahrscheinlich ein Mc D. gestanden.)
Die Stadt Neusohl (Banska Bystrica) ist unserer Meinung nach die schönste der Slowakei. Sie ist sehr liebevoll restauriert worden. Aufgrund Ihrer Geschichte quillt die Slowakei zwar nicht über von berühmten Sehenswürdigkeiten, aber wenn man Augen und Ohren offenhält und kleinen Hinweisen nachgeht, findet man viele landestypische Eigenheiten. So gibt sich z. B. das kleine Museum der Stadt große Mühe, das Vorhandene nahezubringen.
Im Norden des Landes, in den Kysucer Beskiden liegt nahe der Ortschaft Nova Bystrica ein kleines Freilichtmuseum. Es sind die Reste eines Dorfes, das einem Stausee weichen mußte. Die Häuser wurden in den 70ern, in Teile zerlegt, mit einer kleinen Schmalspurbahn ,,umgepflanzt''. Die Bahn fährt heute noch auf einem kleinen Streckenabschnitt hin- und her.
Über kleine Gebirgsstraßen sind wir von den Kysucer Beskiden in die Kleine Fatra geradelt. Dort findet man schon mehr Tourismus, zumal da die Fatra im Winter Skigebiet ist. Dennoch findet man immer eine preiswerte Unterkunft (z.B. Privatzimmer Roman in Stefanova 9DM/Pers./Nacht) und hervorragendes Essen "pod Lampasom", gleich in der Nachbarschaft (15 DM für 2 Personen mit Getränk und Nachspeise).
Die Mittelgebirgswelt der Slowakei lädt sowohl zum Wandern als auch zum Radfahren ein. Man kann also gern einmal das Rad stehen lassen. Die Wanderwege sind gut markiert. Kartenmaterial gibt es in großeren Kleinstädten im Buchhandel (knihy) und an Tankstellen. (Zu empfehlen sind die Wanderkarten 1:50 000 von VKU Harmanec, die fast das ganze Land abdecken.) Die Kleine Fatra ist Naturreservat für seltene, z.T. einzigartige Tier und Pflanzenarten. Es heißt, im Gebirge gebe es Bären und Wölfe (Jäger sehen sie regelmäßig). Gutes Schuhwerk braucht man für die schwierigeren Pfade, die manchmal auch mit Leitern und Seilen versehen sind.
Eine echte Besonderheit und Sehenswürdigkeit sind die Eis- und Tropfsteinhöhlen des Landes. Die schönste Tropfsteinhöhle ist die "Freiheitshöhle von Demänova" (Demänovska jaskyna slobody) in der Niederen Tatra (Niske Tatry). Eintritt nur mit Führung, zur vollen Stunde etwa 1km, alle 2 Stunden auch die längere Tour über 1,8km. Bilder von den schönsten Sinterfiguren habe ich leider nur als Postkarte und kann sie deshalb hier nicht veröffentlichen.
Viele Wanderer zieht es auch in das sog. "Slowakische Paradies" südlich von Zipser Neudorf (Spisska Nova Ves). Hier gibt es neben zahlreichen Schluchten und Wasserfällen die Eishöhle von Dobsina (Dobsinska ladova jaskyna) zu bewundern. Sie hält auch über den Sommer eine Temperatur von -2 bis -4 °C.
Den Abschluß der Reise bildete die Hauptstadt Preßburg. Ein Slowake sagte uns, sie sei eigentlich nur ein Vorort von Wien. War ist, daß die Stadt viel "westlicher" ist, als der Rest des Landes. Das heißt, die Preise sind doppelt so hoch wie sonst, es gibt Supermärkte, man kann alles kaufen, insbesondere teure Klamotten und Parfums. Die Restaurants und Cafes sind aber nicht besser als sonst. Als Radfahrer wurden wir vor professionellen Dieben gewarnt, durch geschickte Ablenkmanöver ganze Gepäckstücke an sich bringen. Wir selbst wären in einem Moment der Unaufmerksamkeit beinahe bestohlen worden. Zum Glück war dem Dieb der Mechanismus der Ortlieb-Taschen offenbar noch unbekannt.


18.9.99, Thomas Kinder
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Jörg Buchholz