Virton (Belgien)

Bericht von der 15. internationalen Tandemrallye 1997-05-24 - 1997-05-30 in Virton (Belgien)

Angekündigt war diese Veranstaltung schon lange auf unserer Mailingliste, leider kamen von uns aber nur 4 Tandempaare (Wo war der Rest?!?). Dafuer haben wir aber die tandem@lusd-Fahne umso höher getragen - wortwörtlich :-) Annette hatte nämlich unser Logo auf 4 Fähnchen genäht. Zwei davon wurden an unseren (Andreas&Annette, Framstag&Beate) Tandems befestigt und die anderen waren für die Beflaggung unseres Bungalows zuständig.

Aber erst mal alles der Reihe nach:

Die Internationale Tandemrallye ist eigentlich eine mitteleuropäische Veranstaltung, aber man umgibt sich halt gerne mit internationalem Flair - es sind ja auch immer wieder ein paar Amerikaner und andere Exoten mit dabei :-)

Sie findet immer woanders statt und wird von einem lokalen Organisationsteam veranstaltet, das damit jede Menge Arbeit bekommt. Schliesslich wollen ca 200 Tandempaare untergebracht, unterhalten und streckenmässig geführt werden. Dieses Jahr hatte es eben die Belgier erwischt, die die Sache aber bravourös meisterten. Die Unterkunft war im Vallee de Rabais bei Virton mit grossem Campingplatz und einigen dutzend Bungalows. Vallee klingt zwar so niedlich nach Tal, aber leider waren die eigentlichen Unterkünfte gemein steil oben am Hügel. Wir schätzen ca 20% Steigung. Ächz.

Der 1. Samstag war nur für Anmeldung und erstes vorsichtiges Beschnuppern gedacht, wobei sich vor allem die 300 Engländer alle zu kennen schienen. Kein Wunder, die kamen auch fast alle mit einer quasi englischen Schuluniform an, wo drauf stand: 25 Years Tandem Club. Da waren wir also echte Frischlinge dagegen. :-)

Unser Bungalow war zwar nicht gerade 3 Sterne fähig, aber immerhin mit 3 Schlafzimmern, Dusche und Küchenzeile ausgestattet. Für 4 Personen also ausreichend, zumal mit 500 DM für eine Woche ausgesprochen günstig (komplett - nicht pro Person!).

Am Abend gabs eine erste Ansprache vor einem kleinen Bierzelt, das als "Headquarter" diente. Amtssprache war in erster Linie Englisch, was mir sehr recht war, da ich kaum französisch und erst recht kein holländisch/flämisach kann. Im Innern des Zelts hing für jeden Tag eine Karte mit aufgemalter Strecke und Höhenprofil, dazu gabs pro Team eine wirklich ausgezeichnete ausgedruckte Streckenbeschreibung. Es wurde jeweils eine kurze (ca 40 km), mittlere (60-80 km) und lange (80-107 km) Tour angeboten, so dass für jeden was dabei war. Wir fuhren meistens die mittlere Strecke, zumal es teilweise ganz schön hüglig war (schnauff). Nur einmal wagten wir uns an die Lange heran. Insgesamt kamen wir so auf 500 km.

Der Sonntag begann mit schönstem Fahrradwetter: Sonnenschein, wenig Wind und nicht zu heiss. So sollte es dann auch glatt die ganze Woche bleiben. Juhu!

Da 200 Tandems auf einem Pulk doch etwas unhandlich wirken, gab es keinen Massenstart, sondern jeder konnte wann und mit wem er wollte losfahren. Die meisten taten dies so zwischen 9:00 und 11:00, so dass es doch teilweise zu netten Tandemansammlungen kam, besonders an den offiziellen Rastplätzen. Die Eingeborenen staunten jedefalls nicht schlecht über unser massives Auftreten. Vielleicht hätte man sie warnen sollen? :-)

4 Touren waren einigermassen eben mit nur 100 m Höhendifferenzen, 2 Touren gingen aber ganz schön in die Knochen mit bis 400 m und doch recht steilen einzelnen Anstiegen. Dafür waren aber praktisch alle Strecken so verkehrsarm wie bei uns in den autofreien Sonntagen in den 70igern. War das angenehm! Etwa die Hälfte der Strecke führte über Rad- oder Wirtschaftswege von einer Qualität wie man sie in Deutschland nur selten findet, schon gleich gar nicht in so einer Länge. Dafür waren die normalen Straßen teilweise ganz schön holprig. Bei Abfahren am Berg kamen wir nie deshalb über 80 km/h :-)

Vor allem die Engländer waren überaus freundlich und wenn man mal anhielt wurde man sofort gefragt, ob man ein technisches Problem hätte und Hilfe bräuchte. Das heißt jetzt nicht, dass die Deutschen, Holländer, Belgier, Franzosen, Amerikaner, Norweger und Israelis nicht auch nett und umgänglich gewesen wären, aber der Teamgeist der Briten war unüberbietbar.

Die Landschaft war sehr reizvoll mit vielen kleinen Bächen, Wäldchen, Dörfern und immer wieder mal ein paar Schlössern dazwischen. Ein Engländer meinte allerdings, das wären keine echte Schlösser. In England würde man dazu nur "Sommerresidenzen" sagen. :-)

Was vor allem meiner Beate gefiel, war die grosse Anzahl von Tieren, denen man unterwegs begegnete: vor allem gemütlich kauende Kühe, niedliche Rasenmäher (auch Schafe genannt) und neugierige Pferde. Letztere beide Arten liessen sich sogar öfters streicheln.

Abends traf man sich dann immer auf dem Campingplatz, wo es Geschicklichkeitsspiele mit dem Tandem, Dudelsackspielen, Weinproben, Grillen und latürnich viel Diskussionen ums Tandemfahren gab. Bei den vielen Tandems und Experten auf einem Haufen holten wir uns so viele Ideen und Empfehlungen, dass wir uns heute jetzt ein neues Tandem bestellen werden (ok, das hatten wir eh schon etwas länger vor) :-)

Die billigsten Tandems waren wohl ein paar Eigenbauten für vielleicht 100 DM und das teuerste war ein Santana Titan S&S für 25.000 DM. Dazwischen war so ziemlich alles vertreten, inklusive Muh-Tandem (Schwarz-weiss-gefleckt mit aufgemaltem Euter), einigen Trikes (1 Rad vorne, 2 Räder hinten) und einem Triplet. Nur Liegetandems fehlten. Ein heimlicher Star war latürnich wieder unsere Plüschente mit Helm im hinteren Trinkflaschenhalter.

Wir haben jedenfalls jede Minute dieser einwöchigen Veranstaltung genossen und bedauern nun eine Runde diejenigen, die nicht dabei sein wollten oder konnten: ooooooochhh! :-)

Nächstes mal sind wir ganz sicher wieder mit dabei!!

Ulli Horlacher

Jörg Buchholz