ITR 2002 Zeewolde

Für uns begann die internationale Tandemralley dieses Jahr bereits am Donnerstag Abend, als wir Markus mit einem Einzelrad, Donkey-Anhänger und Tandem vom Bahnhof abholten. Am anderen Morgen mußte er zwar zu Fuß zum Bahnhof laufen, aber im Zug nach Bad Bentheim wartete schon Eugen mit leerem Stokerabteil und leerem B.O.B.-Yak für Markus und sein Gepäck.

In Bad Bentheim stiegen wir dann vom Zug auf die Tandems um und begaben uns Richtung Westen. Die ersten Kilometer in Holland waren noch etwas verwirrend, da hier doch viele große Straßen gebaut werden, die weder in meiner Karte verzeichnet waren, noch vernünftige Überquerungsmöglichkeiten boten.

Irgendwann entdeckten wir aber, daß die "Wege-Pilze" Nummern hatten, die auch in der Karte verzeichnet sind. Diese sind in Holland recht vielfältig, und so findet man sich auch ohne GPS wieder zurecht, wenn man sich mal verfahren hat.

Für den Freitag Abend hatten wir uns mit Jutta und Christian und Monika und Axel auf einem "Mini-Camping" in der Nähe von Heeten verabredet. Der in der Karte verzeichnete Campingplatz war es nicht, da er gar nicht mehr vorhanden war. Auch der Stadtplan von Heeten zeigte keinen Campingplatz, aber die Straße an der er liegen sollte, war eingezeichnet. So fanden wir dann auch den Platz. Klar war aber, wer die Adresse nicht dabei hatte, würde den Platz nicht finden. So trafen dann auch nur drei statt vier Tandems ein.

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Warten auf die Fähre bei Olst
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Pause am Fietspad
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Unsere kleine Zeltstadt
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Morgendliches Stretching

Am nächsten Tag ging es mit der Fähre bei Olst über die Ijssel und weiter Richtung Zeewolde, wo wir am Nachmittag eintrafen und das zwischenzeitlich vermißte Tandem endlich begrüßen konnten. Abends bei der Eröffnung gab es dann Frei-Matjes (sehr lecker), Frei-Käse (lecker) und Frei-Bier (viel zu kalt).

Am Sonntag startete die erste Tour mit einer kleinen Fährfahrt, so daß ungewöhnlich viele Tandems sich gleichzeitig durch die Gegend schlängelten. Besonders auf den ersten Fietspads durch den Wald verließ wohl das erste Tandem schon den Wald, bevor das letzte in den Wald hineinfuhr.

Nach Streckenteilungen, Kaffeestops und Fehlinterpretationen der Routesheets lockerte sich aber alles etwas auf. Zufällig führte die Route genau an der Ecke mit zwei Restaurants vorbei, an denen wir schon am Vortag vorbeigekommen waren. Während ich mich am Vortag mit Pannekoeken durchsetzen konnte, durfte Markus heute die Patatbude wählen.

Montag gab es eine unspektakuläre Tour nach Almere. Die eintönige Streckenführung führte dann auch irgendwie zu Unkonzentriertheiten meinerseits, so daß wir zwischendurch geradeaus auf den Grünsteifen fuhren, anstatt auf der Straße zu bleiben. Jetzt weiß ich, wie sich ein Formel-1-Wagen im Kiesbett fühlt.

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Gedränge hinter der Fähre
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Fietspad mit Triplet
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Verpflegung für den Stoker
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Historische Schiffe in Bunschoten

Dienstag ging es zunächst auf, im wahrsten Sinne des Wortes, besch.... Wegen zum Naturpark Lelystad. Irgendwie kann man den Schafen eine gewisse Hinterlist nicht absprechen. Die meiste Schei... lag in den Kurven, wo man sich bei Regen dann vortrefflich in die Schei... legen kann. Aber es war ja trocken. Kurz vor dem Naturpark hatte dann unser Tandem sein 30.000-Kilometer-Jubiläum, wofür Micha im Kaffee eine Pappkrone bekam. Weiter ging es in Richtung Almere, wo wir erst ein Abzweigung verpaßten und, da es gerade so gut lief, erstmal kilometerweit weiterfuhren.

Wir waren aber nicht die Einzigen die den Abzweig verpaßten. Als wir gerade beratschlagten, wie wir wieder zurück auf die Route kommen könnten, tauchten die Simpson Twins, ein Zwillingspaar aus England auf. Peter ist blind und David ist auch stark sehbehindert. Wir lotsten sie dann gemeinsam wieder auf den richtigen Weg. Almere selbst verpaßten wir sozusagen. Wir hielten zwar immer nach einem Cafe Ausschau, aber bevor wir uns versahen, hatten wir die Stadt schon hinter uns gelassen und waren wieder auf halbem Weg nach Zeewolde. In Zeewolde mußten wir dann noch Teilchen beim Bäcker kaufen, um für die nachmittägliche Teezeremonie im Headquarter gerüstet zu sein.

Mittwoch wurde eine Busfahrt zum Poldermuseum angeboten. Wir entschieden uns aber lieber mit dem Tandem zu fahren. Da Eugen Geburtstag hatte, gab es als erstes im Museumskaffee einen Apfelkuchen mit Sahne und Kaffee. Nach der Besichtigung des Museums, mit tollem Spielzeug für kleine Ingenieure, und ausgiebiger Rast ging es wieder zurück zum Campingplatz. Der Wind hatte glücklicherweise nachgelassen, so daß wir zügig vorankamen und am Headquarter den zweiten Geburstagskuchen einnehmen konnten.

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Bierkutsche
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Teezeremonie
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Fischessen am Waschtag
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Geburtstagskuchen

Donnerstag ging es dann mal recht geradlinig und ohne viele kleine Fietspads auf dem Polder bis nach Kampen und von dort auf "gewachsenem" Land zunächst nach Elburg. Zwischendurch gab es noch eine unheimlich kitschige Gartenlaube mit Unmengen an Puppen zu bestaunen. In Elburg zeigte sich dann recht deutlich der Unterschied zwischen gewachsenen Orten und künstlich installierten Orten auf den Poldern. Es ist einfach viel mehr Flair bei ersteren vorhanden. Die lange Route führte dann noch an einer tollen Grabstätte und einem Museum vorbei, bevor es wieder Richtung Zeewolde ging.

Am Freitag führte die Routenbeschreibung nach ca. 10 km erstmal gewaltig in die Irre. Man konnte fahren, wohin man wollte, überall traf man auf suchende Tandemteams. Irgendwann entschloß sich eine Gruppe von ca. 20 - 30 Tandems zu einem Weg, und wir landeten wieder auf der richtigen Route. Für Verwirrung sorgte noch ein falscher Straßenname in der englischen Beschreibung, aber trotzdem kamen wir pünktlich wieder am Zeltplatz an.

Abends gab es dann das obligatorische Barbeque und die Preisverleihung für das beste Namensschild. Alle waren aufgefordert worden, für die eigenen Zelte Namensschilder zu basteln und aufzustellen. Gewonnen hat eine ca. 3 m hohe Skulptur, da hat man als Tandemreisender ohne Auto natürlich keine Chance.

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Puppenmuseum
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Koffie mit Appelgebak (Elburg)
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Grab
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Die letzte Nacht in Holland

Am Samstag machten wir uns mit Eugen, Markus, Monika und Axel wieder auf die Heimreise. Wir fanden sogar eine leicht wellige Straße ohne Fietspads. So richtig entspannend für den Geist.

Die letzte Campingnacht in Holland verbrachten wir in der Nähe von Rijssen. Am Sonntag erreichten wir nach einem letzten holländischen Kaffee in Deurningen wieder Bad Bentheim und den Zug nach Hause.

Es hat mal wieder jede Menge Spaß gemacht, und unsere Hintern haben auch diese 918 km Flachland überstanden. Einiges erzählen noch die Bilder, und den Rest behalten wir erstmal für uns. Wir müssen ja auch noch was zum Erzählen haben.

Jörg Buchholz